EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Abschiedsbrief Andreas Hofers

vom 20.02.1810.

Liebster Herr Prueder,

der göttliche Willen ist es gewesen, dass ich habe müssen hier in Mantua mein zeitliches mit den Ewigen verwechseln, aber Gott sei Dank um seine göttliche Gnad, mir ist es so leicht vorgekommen, als wenn ich zu was andern ausgeführt würde, Gott wird mir auch die Gnad verleihen weiß in letzten Augenblick, auf das ich kommen tue, allwo sich mein Seele mit alle Außerwelt sich Ewig Ehr freuen mag, allwo ich auch für alle bitten werde bei Gott, absonderlich für welche ich am meisten zu Bitten schuldig bin, Und für sie und ihre Frau liebst, wögen den Piechl, Und andere gut Taten, auch alle hier noch lebenden gute Freund sollen für mich Bitten, Und mir aus die heißen flammen helfen, wenn ich noch in Fegefeuer büßen muss.

Die Gottesdienst soll die liebste mein, oder Wirtin zu Sankt Martin halten lassen beim rosafarbenen Blut, Bitten in jede Pfarren, den Freunden beim Utter-Wirt ist Suppe und Fleisch zu gäben lassen nebst Binder halben Wein.

Lieber Herr Piehler, seien sie mir dabei und beim Utter-Wirt zu Sankt Martin zeigen sie die Sache an, Ehr wird schon angestellt machen, Und machen sie sonst niemand nicht kommen von dieser Sache.

Von der Welt lebet alle wohl, bis wir in Himmel zusammenkommen und Gott loben bis an End. Alle Passeirer und Bekannte sollen mir eingedenk sein in heiligen Gebet. Und die Wirtin solle sich nicht so bekommen, ich werde Bitten bei Gott für sie Alle.

Ade meine schöne Welt, so leicht kommt mir das sterben vor das mir nicht die Augen nass werden.

Geschrieben um 5 Uhr in der Früh, Und um 9 Uhr Reis ich mit der Hilf aller Heilligen zu Gott.

Mantua den 20. Februar 1810.

Dein in Leben geliebter Andree Hofer vom Sant in Passeier in Namen des Herrn Wille ich auch die Reise vornehmen mit Gott.

Quelle:
Reck-Malleczewen, Friedrich: Der letzte Brief, B.-Leipa 1941

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