EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Brief Heinrich Dietrich von Grolmans an seinen Sohn Karl Wilhelm

vom 06.08.1808.

6 August 1808.

Lieber Sohn! Ich habe Dir weiter nichts zu melden, als Deine Schwester gestern ihre Tochter an den Zähnen, Durchfall und Krämpfen verloren hat; sie hatte ihr den Namen Deiner Frau Sophie beigelegt, sie sollte dadurch ein beständiges Andenken an Deine Frau in der Familie erhalten. Aber der Himmel hat dies nicht gewollt; Der Geburtstag des Königs ist hier allgemein mit vielen Feierlichkeiten gefeiert, wir haben daran keinen Anteil nehmen können, teils wegen der Krankheit der Kinder, teils aus Geldmangel. Ich habe jetzt mehr als ein Jahr rückständiges Gehalt zu fordern, die Einquartierung, Kontribution, die braunschweigische Familie vermehren meine Ausgaben, so dass ich froh sein muss, von einem Tage zum andern zu kommen. Die Franzosen haben sich bei Gelegenheit des Geburtstags des Königs sehr unanständig betragen. Anfänglich verboten sie dem Iffland alle Feier, nachher bestellten sie mit vielen Komplimenten gegen den König die solemnste Feier, darauf verbieten sie wieder alle Solemnität, erlauben jedoch die Aufführung einer Komödie. Dann verwerfen sie das gewählt Stück und befehlen die Armiäde zu spielen, dann verbieten sie auch dieses, und befehlen den Oedio aufzuführen, welches dann auch geschehen ist; wobei das Publikum nicht unterlassen hat, dem König, der Königin, der kgl. Familie ein wiederholtes, lautes, langes Vivat zuzurufen, das Parterre und Theater mit Blumen zu bestreuen. Jetzt sind den Einwohnern im Tiergarten, welche ihre Wohnungen illuminirt hatten, 8 - 10 Gensd'armen auf Execution eingelegt. Unsere Politici wollen aus diesem Betragen auf eine neue Spannung zwischen dem König und Napoleon schließen, sie wollen schlechterdings Krieg zwischen Österreich und Frankreich haben. Dein Freund Skegler [?] reist heute aufs Land; er ist ein Mann von vielen Kenntnissen und Erfahrungen, scheint mir aber etwas vom Aventurier an sich zu haben. Ich werde mich nicht wundern, wenn er in westfälische Dienste tritt, wie unser Vetter B. getan hat, der Major geworden ist. Schreibe mir doch bald wieder, wie es Dir dorten geht, und wie die dortigen Aussichten beschaffen sind.

6 August 1808.

v. Grolman

Quelle:
Schweinitz, Anna-Fanziska von: "Briefe aus den Befrieungskriegen - Heinrich Dietrich von Grolman an seinen Sohn Karl vom 10.07.1807 bis 06.06.1816", o.J., o.O. (Privatdruck)

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