EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Brief Heinrich Dietrich von Grolmans an seinen Sohn Karl Wilhelm

vom 10.07.1807.

Mein lieber Sohn! Wir haben in so langer Zeit keine Nachricht von Dir erhalten, dass wir recht besorgt um Dich sind. Nach dem geschlossenen Waffenstillstand haben wir gehofft, dass der Postenlauf wieder hergestellt werde, aber wir hören nichts von Dir; ich bin selbst ungewiss, ob der jetzige Brief zu Dir gelangen werde. Aber ich muss ihn wohl auf's Geratewohl schreiben, da es wichtig ist, dass Du von unserer Lage, vor Deiner Herkunft Nachricht erhältst. In meinem Hause ist alles wohl. Karoline hat sich mit ihrem Mann, ihrer Schwiegermutter, ihrem Knaben aus Posen entfernen müssen, alle haben ihre Zuflucht in mein Haus genommen. Sie ist gestern von einer Tochter glücklich entbunden, und Mutter und Kind befinden sich wohl. Nicht so gut geht es in dem Gerlach?schen Hause, den ganzen Winter über ist bald der eine, bald der andre krank gewesen. Sophie hat sich seit Deiner Abreise beständig nicht wohl befunden. Von Zeit zu Zeit zeigte sich Besserung, wir hofften immer, aber unsre Hoffnung ist getäuscht. Heute vor acht Tagen, am 3ten Juli hat sie uns verlassen, und ist in jene bessere Welt wonach sie seit Deiner Abwesenheit immer verlangte, übergegangen. Dein treuer Vater.
v. Grolman

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