EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Kaiser Napoléons Aufruf an die Armee

vom 07.10.1805.

Soldaten!

Der Befehl zu Eurer Rückkehr nach Frankreich war ausgefertigt; ihr standet Eurem Vaterland um mehrere Tagesmärsche näher; Siegesfeste erwarteten euch. Aber während wir ns mit zu großem Vertrauen in Sicherheit wiegten, wurden unter der Maske der Freundschaft und Bundesgenossenschaft neue Ränke gegen  uns geschmiedet. In Berlin ertönte Kriegsgeschrei. Derselbe Geist des Übermutes, der die Preussen vor vierzehn Jahren in die Champagne führte, leitet sie auch jetzt wieder bei ihren Entschlüssen. Wenn sie auch heute nicht mehr Paris von Erdboden vertilgen wollen, so haben sie dafür die Anmaßung, ihre Fahnen in den Hauptstädten unserer Verbündeten aufpflanzen und uns die Lorbeeren von der Stirn reißen zu wollen. Sie verlangen, dass wir bei den bloßen Anblick ihrer Armee Deutschland räumen sollen.

Soldaten! Gewiss ist unter euch nicht einer, der nach Frankreich auf einen anderen Wege zurückkehren möchte als auf dem der Ehre. Nur unter Triumphbögen dürfen wir unseren Einzug halten! Haben wir deshalb den Unbilden von Wetter, Meeren und Wüsten getrotzt, haben wir deshalb mehrere Male das verbündete Europa besiegt und unserem Ruhm von Westen gen Osten von Osten gen Westen getragen, um heute gleich Flüchtlingen in unser Vaterland zurückzukehren, unsere Verbündeten in Stich zu lassen und sagen zu hören, der französische Adler sei beim Anblick des preussischen Adlers erschrocken?

Drum wehe denen, die uns herausfordern! Möge die Preussen dasselbe Schicksal treffen wie vor vierzehn Jahren! Mögen sie erfahren, dass es wohl leicht ist, durch die Freundschaft eines großen Volkes Macht und Land zu gewinnen, dass aber eines solchen Volkes Feindschaft gefährlicher ist als die Stimme des Weltmeers!

Napoleon

Quelle:
Privatarchiv EPOCHE NAPOLEON

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03