EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Adresse des Saarbrücker Volksgesellschaft an den Nationalkonvent zu Paris

vom 26.08.1794.

Allzulang das Schlachtopfer der grausamsten Unterdrückung, seufzen wir unter der Beherrschung eines von dem ehemaligen Tyrannen, sogenannten Prinzen von Nassau, eingesetzten Stadtrats. Allzulang haben Geschöpfe dieses Tyrannen uns abgehalten, unsere Gesinnung zu äußern, unsern Beifall für die französische Revolution an den Tag zu legen, indem dieselbe uns eure weisen Gesetze, die wir heimlich bewundern, verheimlichten, haben sie unsern guten Willen in Fesseln gehalten. Es ist endlich Zeit, es ist höchst nötig, daß ihr uns Mittel an Händen gebt, unsere gute Gesinnungen in Betracht der französischen Verfassung öffentlich äußern zu können. Es ist Zeit, daß endlich auch hier den Ratschlüssen des Nationalkonvents die gehörige Hochachtung bezeugt und dessen weise Gesetze gehandhabt werden. Es ist schon einige Zeit her, daß wir unsere Gesinnungen geäußert und uns an die Volksgesellschaft zu Sarrelibre gewendet hatten, um diesen glücklichen Endzweck zu erreichen. Aber, es sei nun wegen unsere Schwäche oder aus Mangel an Erfahrung, war unser Unternehmen fruchtlos. Wir unternehmen solches zum zweitenmal in der Hoffnung, bessern Erfolg zu haben; das Glück unsers Vaterlands hängt durchaus davon ab. Ein Schluß vom 15. und 17. Dezember 1792 erlaubt allen Einwohnern der von den Franken eroberten Länder, Volksversammlungen zu halten und Stadträte zu wählen und eine einstweilige Gerichtsverwaltung einzuführen. Zwei Jahre sind verflossen, seit unser Tyrann das Land geräumt und die Franken sich dessen bemächtigt, und dieses heilsame Gesetz hat noch seine Wirkung nicht gehabt, ist nicht einmal bekannt worden, und noch unterliegen wir dem tyrannischen Gesetze. Soll denn für uns die Freiheitssonne niemals aufgehen, das Licht der Gleichheit uns niemals leuchten? Nur in euch, Stellvertreter des Volks, gründen wir unsere Hoffnung. Erlaubt uns die Vollziehung bedachten Schlusses. Das ganze Land bittet inständigst darum. Erlaubt auch uns, glücklich zu sein, das Glück aller Völker beruht auf euren weisen Gesetzen. Gerechtigkeit und Vernunft sind deren Grundpfeiler. Es sei auch uns erlaubt, solche in unserm Land einzuführen. Ihr sehet, Stellvertreter des Volks, hiermit unsere  Gesinnungen, nehmt uns günstig auf. Wir hoffen es, und nur alsdann können die guten Einwohner von Saarbrücken in ihrer Volksversammlung heilsame Maßregeln ergreifen zum Besten der Republik und zur Aufrechterhaltung der zur Freiheit unentbehrlichen

Tugend, und so würdig zu werden, in die Zahl der freien Männer aufgenommen zu werden, daß auch wir einstimmig und mit innigster Freude ausrufen können: Es lebe die Republik!

Quelle:
Ruppersberg, Albert: Geschichte der ehemaligen Grafschaft Saarbrücken, 1903

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