EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Johann Wolfgang von Goethe an Charlotte von Stein

aus dem Jahre 1776.

Ich muß Ihnen noch einen Dank für das WurstAndenken und eine Gute Nacht sagen. Mein Peitschenhieb übers Aug[1] ist nur allegorisch wie’s der Brand an meinem Billet von heut früh auch ist. Wenn man künftig die Bidibus hier zu Land so galant kneipen wird wie ein süß Zeddelchen wirds ein trefflich Leben werden[2]. Ich bin geplagt und so gute Nacht. Ich hab’ liebe Briefe kriegt, die mich aber peinigen weil sie lieb sind und alles Liebe peinigt mich auch hier, außer Sei liebe Frau, so lieb Sie auch sind. Drum das einäugige Gekrizzel zu Nacht.

G.

 


[1] In einem kurzen Brief an Herder aus diesem Winter sagt Goethe in der Nachschrift, daß er sich beim Schlittenfahren mit der Peitsche übers Aug’ gehauen; darum schreibt er so queer.

[2] Ein Zettelchen mit angebranntem Rande, wie ein Fidibus, ist noch unter den allerei datumlosen Blättchen dieser Correspondenz vorhanden: Hier die Melone, die Sie gestern (nicht ge)nießen wollten. Ich möchte hören, [ob Sie] wohl sind. Schicken Sie mir die [Abschrift] meiner Versen. Adieu Liebste. D. 30 Jn.

Quelle:
Schöll, Adolph und Fielitz, Wilhelm: Göthes Brief an Frau von Stein aus den Jahren 1776 bis 1826, Band 1, Weimar 1848

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03