EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Ludwig August Unzer an Jakob Eléazar de Mauvillon

vom 18.09.1771.

Mein lieber Herr Mauvillon!

Zorge den 18. September 1771

Ich habe Ihren Brief nebst Inlage von Bruel erhalten, und freue mich ungemein über den so gewünschten Glückswechsel, der Ihnen nach Verdiensten zu Theil geworden ist. Ilfeld war freilich der Ort nicht, wo man Ihnen konnte vollkommen Gerechtigkeit! wiederfahren lassen . Jetzt erwartet Sie eine angenehmere  Laufbahn.

Aber Ihre Drohung, nicht ferner an unsern literarischen Briefen arbeiten zu wollen, hat mich nicht wenig erschreckt. Ich bitte Sie nicht um die Ausführung des weitläufigeren Plans, den wir uns anfänglich gemacht hatten. Allein das müssen Sie mir zu Gefallen erzeigen, daß Sie noch einen Brief über die Messiade, und zuletzt noch über Weissen und Lessing schreiben wollen. Das übrige will ich alles selbst zuarbeiten. Denn sonst können nicht 3 Stück aus dem Werke gemacht werden, wie jetzt geschieht; wovon gleich mehr. Bedenken Sie nur, wir thun wahrlich gut, wenn wir diese Gelegenheit ergreifen, etwas Geld zu bekommen. Ich habe vor 5 Tagen Briefe von Benzler erhalten, worin er mir meldet, daß sein Buchhändler in Lemgo Hr. Rath Helwing schon mit dem Drucke der Briefe den Anfang gemacht hätte, und sich alle Bedingungen wolle gefallen lassen. Er bitttet mich überdies um schleunige Uebersendung so vieler Briefe nach Lemgo, daß das erste Stück etwa 15 bis 16 Briefe enthielte; denn der Verleger kann mehrere Briefe auf die Messe nicht fertig schaffen. Ich habe auch noch so viel hingeschickt, daß das erste Stück 14 Briefe enthält. Nun wünscht der Verleger, daß das Werk in 3 Stücken herauskommen möge; das zweite Stück Weihnachten, das dritte Ostern. Also müssen Sie, wenn sich die Stücke gleich sein sollen, noch 3 bis 4 kleine Briefe aufsetzen, und das können Sie auch noch wol in Ilfeld thuen. Nach Braunschweig brauchen wir also nicht zu senden. Ich habe die Bedingungen wieder vergessen, die ich Hr. Benzlern schrieb. Wenn Sie den Zettel noch haben, so melden Sie mir sie doch. Sobald ich ds Geld erhalte, will ich augenblicklich mit Ihnen theilen. Machen Sie nur noch ein paar Briefe. Können Sie mit dem halbenLouisdor, so ich Ihnen noch schuldig bin, bis auf Michaelis warten; so ist es mir lieb. Sonst erwarte ich Ihre Befehle.

Bruel schrieb mir, Sie würden mir etwas von ihn zu sagen wissen, das mich sehr interessierte. Was ist denn das?

Der Auftrag, den Sie mir geben, Ihnen bei den jetzigen Umständen, Mittel zu Gelde an die Hand zu verschaffen, ist mir wahrlich traurig, weil ich Ihnen schwerlich werde helfen können. Wie gern bezeige ich Ihnen meine Dankbarkeit! Versprechen darf ich nichts, doch will ich einige Wege einschlagen.

Ich denke noch immer es wird schwer sein, gleich auf einmal 100 Thaler zu erlangen. Am ersten wäre es noch wol in kleinern Theilen möglich.

Mein Prinzipal hat mich gefragt, ob Sie ihm nicht noch einmal zusprechen wollten. Kommen Sie doch in acht Tagen einmal her.

Von den Briefen muß ich Ihnen noch sagen, daß es mir unmöglich gewesen, Ihnen die beiden über Gellerts Moral und den Einfluß auf den Geschmack zur Messe zu senden. Sie sind aber vollkommen gut. Das erste Stück schließt mit Gellerten. Schicken Sie mir doch hierbei den Rest des Journals. - Kästners Vorlesungen folgen anbei retour. Den Kleist lassen Sie mir noch kurze Zeit. Zugleich schicke ich Ihnen Ugolino von Gerstenberg, den mir Benzler geliehen hat, um ihn in den Briefen zu erilisiren. Ihm soll ein eigner Brief gewidmet werden. Lesen Sie ihn mit Freund Leutwein durch, und melden Sie mir ihr Urtheil darüber. Aber in einigen Tagen mögte ich ihn wol wieder haben. Klopstock hat ihn ein Meisterstück genannt. Ein gutes Vorurtheil. In Ellrich legt Göcking eine artige Leihebibliothek an, die quartalirter 18 Gr. kostet. Machen Sie sich dort noch bekannt. Vielleicht sende ich Leutwein den Plan, denn Sie nehmen doch nicht mehr Theil daran. Ich habe Briefe aus Leipzig erhalten. Prxha empfiehlt sich Ihnen mit besonderer Hochachtung. Unsere Briefe hat er dort nicht anbringen können, weil amor Gellertianus daselbst seinen Sieg hat. Er verspricht, daß Garve Ihnen bald antworten würde. Ex hat mir sehr freundschaftlich geschrieben. Er läßt Sie seiner Hochachtung versichern. Vielleicht erlange ich durch seine und seines Freundes Wieland Vermittlung eine acceptable Hofmeisterstelle. Er giebt mir die größte Hoffnung dazu. Es kann sein, daß ich in 14 Tagen von hier weg bin. Doch ja stille! Inliegenden Brief an Bruel bitte ich einzuschließen, wenn Sie bald an ihn schreiben sollten. Sollten Sie aber das nicht; so sein Sie nur so gütig, ihn in Nordhausen auf die Post liefern zu lassen. Sie werden mich dadurch sehr verbinden.

den 19ten Morgens um 8 Uhr

Eben erhalte ich Ihren Brief per express: Es scheint mir daraus, als wenn Sie meinen jüngsten, den ich vor 3 Tagen an Sie geschrieben, noch nicht erhalten hätten. Auf Ihr Verlangen wegen des inscepts dient das vorige zur Antwort. Ich bin recht zu bedauern, daß ich Ihr billiges Verlangen wegen der 2 Thlr. 12 Gr. mit diesem Boten nicht erfüllen kann. Ich schwöre Ihnen aber bei Gott und Ehre zu, daß Sie in ein Paar Tagen das Geld richtig empfangen sollen. Morgen oder übermorgen wird Miugs wol fahren, da will ich Ihnen mehr schreiben, und das Geld positiv senden. Vergeben Sie mir die Unmöglichkeit es gleich beizulegen. - Den Ugolino sende ich mit.

Quelle:
Mauvillon, F. (Hg.): Mauvillons Briefwechsel oder oder Briefe an von verschiedenen Gelehrten an den in Herzoglich-Braunschweigischen Diensten verstorbenen Obristlieutenant Mauvillon gesammelt und herausgegeben von seinen Sohn., Deutschland 1801

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