EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Das Amt des Bürgermeisters von Paris

von Michael Gnessner

Nach der Erstürmung der Bastille und der Ermordung des Prévôt de marchands von Paris wurden die Köpfe von Flesseles und Launay auf Mistgabeln aufgespiest durch Pariser Straßen getragen.
Nach der Erstürmung der Bastille und der Ermordung des Prévôt de marchands von Paris wurden die Köpfe von Flesseles und Launay auf Mistgabeln aufgespiest durch Pariser Straßen getragen.

Das Amt eines Pariser Bürgermeisters wurde erst am Tage nach dem Sturm auf die Bastille geschaffen.

Bis zum diesem Zeitpunkt wurde Paris durch einen Prévôt (Vogt) regiert, der seinen Sitz in Grand Châtelet, heute der Place du Châtelet liegt. Er wurde durch den König berufen und hatte die Aufgaben eines Bailli wahrzunehmen. Hier gehörte insbesondere die Gerichtbarkeit zu seinen Pflichten.

Seit der Zeit König Louis IX. gab es in Paris noch einen durch die Gilde der Seineschiffer gewählten Prévôt de marchands. Dieser Vogt wurde bis zum ausgehenden Mittelalter durch die Kaufleute der Gildeschiffer gewählt und galten insbesondere bei wirtschaftlichen Fragestellungen als Ansprechpartner für den König. Etwa seit dem ausgehenden Mittelalter wurden diese Vögte mit ihrem vier Stellvertretern nicht mehr aus den Reihen der Seineschiffer gewählt sondern stammten aus den Reihen der königlichen Beamten.

Von 1766 bis zum Ende der Monarchie war Anne Gabriel de Boulainvilliers Prévôt der Stadt. Zum Prévôt de marchands war Jacques de Flesselles, der im gleichen Jahr erst Louis Le Peletier de Morfontaine im Amte folgte, gewählt worden. Die Wahl erfolgte am 25.05.1789.

Nach der Erstürmung der Bastille strömte die aufgebrachte Menge zum Pariser Rathaus um den Prévôt de marchands Flesselles vor Gericht zu stellen. Als die Aufständischen keine Waffen fanden zog man zum Rathaus und beschuldigte ihn, mit der Regierung gemeinsame Sache gemacht zu haben. Als er den Platz querte wurde er durch einen Unbekannten erschossen. Man trennte ihm den Kopf ab und zusammen mit Bernhard-René Jordan de Launay, den Gouverneur der Bastille, gehörte er somit zu den ersten Opfern der Französischen Revolution. Man trug die Köpfe durch die Stadt.

Am folgenden Tag schuf man das Amt des Bürgermeisters von Paris, der an die Stelle des Prévôt de marchands trat, und wählte Jean-Sylvain Bailly zum ersten republikanischen Bürgermeister von Paris. Während im Laufe der fortschreitenden Revolution die Aufgaben des Bailli an die Präfektur Seine und die Polizeipräfektur von Paris übergingen, diese wurde jedoch noch im Revolutionsjahr 1789 aufgelöst und erst durch Napoleon I. im Jahre 1800 wiederbelebt.

Erster Bürgermeister wurde der angesehene Astronom und monarchisch gesinnte Führer der Nationalversammlung Bailly. Er übte das Amt bis zum Herbst des Jahres 1791 aus. Er gab sein Amt auf, da er spätestens mit dem Massaker auf dem Marsfeld jegliche Unterstützung bei Royalisten und Jakobinern verloren hatte.

Ihm folgte am 18.11.1791 Jérôme Pelitier de Villeneuve in diesem Amte, der zuvor Präsident des Pariser Kriminaltribunals war. In seine Amtszeit fiel der Sturm auf die Tuillerien am 10.08.1792, die das Ende der Monarchie besiegelte. Pelitier de Villeneuve war als Parteigänger der Radikalen bekannt. Sein Amt als Pariser Bürgermeister verlor er am 01.12.1792 an Nicolas Chambon.

Doch schon wenige Monate später, im Februar 1793 musste auch Chambon das Amt wieder aufgeben, da er schnell in Gegnerschaft zu den Jakobinern geriet. So verurteilte er das Dekret vom 18.12.1792 wonach alle nicht in Haft befindlichen Mitglieder der königlichen Familie aus Frankreich verbannt werden. Der offizielle Antrieb zum Rücktritt war das Verbot des Theaterstücks »L'Ami du Peuple« und die damit einhergehenden Proteste.

Am 14.02.1793 übernahm der bisherige Kriegsminister Jean-Nicolas Pache die Aufgaben des Pariser Bürgermeisters. Er ließ alle öffentlichen Gebäude der Stadt mit dem Wahlspruch der Revolution »Liberté, Egalité, Fraternité« schmücken. Er führte im April 1793 eine Abordnung der Pariser Sektionen an, die vor dem Nationalkonvent den Ausschluss von 22 Abgeordneten der Gironde forderten. Er gehörte auch zu den Befürwortern des Pariser Sansculotten-Aufstandes von September 1793. Als er im Frühjahr 1794 in eine Auseinandersetzung zwischen Anhängern Héberts und Robespierres geriet, erfolgte am 10.05.1794 seine Abberufung als Bürgermeister von Paris. Zugleich wurde er verhaftet und konnte erst im Rahmen der Generalamnestie vom Oktober 1795 in Freiheit entlassen werden.

Noch am gleichen Tage wurde Jean-Baptiste de Fleuriot-Lescot zum Bürgermeister von Paris berufen. Er war in der Hochphase der Schreckensherrschaft mit dem Amt vertraut. Als am 27.07.1794 Robespierre durch den Konvent gestürzt und für vogelfrei erklärt wurde, organisierte der Jakobiner Fleuriot-Lescot zusammen mit Hanriot und anderen Anhängern, diesen durch einen Aufstand gegen den Nationalkonvent zu befreien. Dieser Aufstand fand jedoch in den Pariser Sektionen wenig Zuspruch und am nächsten Tag wurde er zusammen mit 21 weiteren Anhängern und Freunden guillotiniert.

Das Amt des Pariser Bürgermeisters wurde nach dem Sturz des Wohlfahrtsausschusses suspendiert. Später wurde die Pariser Stadtverwaltung in zwölf dezentrale Gemeindeverwaltungen aufgegliedert und durch den vom Staat ernannten Präfekten des Departements Paris beaufsichtigt.

Im Rahmen der Verwaltungsreform von 1789 wurde mit Datum vom 04.03.1790 auch das Département Paris geschaffen, das aus der Stadt Paris und umliegenden Gemeinden bestand. Es wurde im Jahre 1795 in das Département de Seine umbenannt. Erst nach der Februarrevolution von 1848 wurde für wenige Monate erneut das Amt des Bürgermeisters von Paris geschaffen.

Amtszeiten der Pariser Bürgermeister

vonbisBürgermeister
15.07.1789 18.11.1791 Jean-Bailly
18.11.179101.12.1792Jérôme Pelitier de Villeneuve
01.12.179214.02.1792Nicolas Chambon
14.02.179310.05.1793Jean-Nicolas Pache
10.05.179427.07.1794Jean-Baptiste de Fleuriot-Lescot
27.07.1794 Suspendierung des Amtes

Letzte Änderung der Seite: 03. 10. 2017 - 22:10