EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Der letzte Ritt des Dragoner-Lieutenants

Joachim Murat (1767-1815) war Marschall von Frankreich und Schwager Kaiser Napoléons. Er nahm an den Kämpfen der Republik teil und befehligte die Kavallerie der Grande Armée. Nach der Völkerschlacht versuchte er das Königreich Neapel für sich zu retten trat auf alliierte Seite über.
Joachim Murat (1767-1815)

In den Morgenstunden des 14.10.1813 rastete das 3. Dragoner-Regiment an der Schäferei von Goldengossa. Die Leutnants von Richthofen, von Lippe, von Schöning und von Sommerfeld ritten von Flankeurs begleitet dem Regiment voraus. Sie sollten die Bewegungen des Feindes erkunden.

»Herr Oberst-Lietutenant ! Herr Oberst-Lieutenant!« rief der junge Leutnant von Lippe als er auf seinen Regimentskommandeur zu ritt »Lauter feindliche Kavallerie sehen Sie da, das wird eine offene Feldschlacht!«

Zwei Stunden später, das Gefecht erlebte eine Ruhepause sammelten sich die preußischen Reiter und gönnten ihren Pferden eine Verschnaufpause. Auch auf der französischen Seite sammelten sich die Soldaten. Von hinten stürmte, mit einer kleinen Begleitung, deren Kommandeur heran um seinen Soldaten Mut zu zusprechen. Leutnant von Lippe ritt zu seinem Regimentskommandeur und rief »Ihn will und muss ich haben!« da er im gegnerischen Offizier den Oberbefehlshaber der französischen Kavallerie und König von Neapel Joachim Murat erkannte. Noch ehe der Angriffsbefehl für das gesamte Regiment gegeben wurde, stürmte von Lippe mit einigen Flankeurs auf den gegnerischen Offizier und seine Begleitung zu.

Nach dem Ende des Gefechtes, der für die preußischen Dragoner einen Sieg bedeutete, verlor sich zunächst jede Spur des Leutnants von Lippe. Erst zwei Tage später fand der Bursche des tapferen Offiziers dessen Leichnam. Neben den Wunden, die er sich bereits beim Gefecht von Lützen zugezogen hatte, weiß der Leichnam eine frische Hiebwunden und einen Stich durch den Körper auf.

Otto von Odeleben schreibt in seinem Werke »Napoleons Feldzug in Sachsen im Jahre 1813« über die Tat des jungen Offiziers wie folgt:

Er (der König von Neapel) setzte endlich, nur von einem kleinem Gefolge begleitet, seine eigene Person so sehr aus, dass eine feindliche Eskadron, die ihn an seinem auffallenden Anzug und der Begleitung erkannte, förmlich auf demselben Jagd machte. Ein Offizier an ihrer Spitze verfolgte mit wilden Eifer den König, welcher bei dem schnellen Umkehren des Gefolges, als der Letzte Haufens, ein wenig zurück blieb, nur noch von einem einzigen Reiter begleitet. In der glänzenden Aussicht ihn zu fangen, ruft der ihm pfeilschnell folgende Offizier mehreremale ihm zu: »Halt, halt König!« Eine Krone stand in diesem Augenblicke auf dem Spiele! Schon hatte der Offizier eine Hiebwunde von dem Reiter erhalten; als er jedoch noch immer nicht von seinem Vorsatz abließ, so stieß jener ihm den Degen durch den Leib. Er sank entseelt zu Boden und sein Pferd ritt am folgenden Morgen jene treue Diener des Königs, aus dessen Munde ich diese Umstände weiß, die die von mehreren Seiten bestätigt wurden. Der König ernannt ihn sogleich zum Stallmeister und versprach demselben eine Pension von Seiten der Stadt Neapel. Der Kaiser gab ihm das Kreuz der Ehrenlegion.“

Odeleben, der zu dieser Zeit als sächsischer Offizier im kaiserlichen Hauptquartier Dienst tat, merkt über den preußischen Offizier an, dass es sich um einen Leutnant von Leppe aus dem 1. Neumärkischen Dragoner-Regiments handelte. Doch irrte sich an dieser Stelle Odeleben vermutlich und alle Hinweise deuten auf den Leutnant von Lippe im 3. Dragoner-Regiment hin.

Letzte Änderung der Seite: 29. 10. 2017 - 14:10