EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Die Belagerung von Cosel 1807

von Dr. Frank Bauer

Die Belagerung beginnt

Fort Friedrich Wilhelm der Festung Cosel ©Dr. phil. Frank Bauer
Fort Friedrich Wilhelm der Festung Cosel im Jahre 2007

Mittwoch, den 04.02.1807, früh 07:00 Uhr, fiel der erste Schuß der Belagerer, daß bald zu einem Bombardement anwuchs. Von der Festung aus wurde ebenso lebhaft das Feuer erwidert. Die Bürger flüchteten eilig in die Keller oder die Kirchen, die Soldaten wurden in den Kasematten untergebracht. Nach wenigen Minuten war ein Bürgerhaus in Brand geschossen und weitere zwei wurden im Laufe des Vormittags eingeäschert. Mit Gewalt mußten anfangs die meisten Bürger zum Löschen aus den Kellern herbeigeholt werden. Der Schornsteinfegermeister Siebler konnte sie dabei durch sein Beispiel überzeugen, so daß man das Feuer löschen konnte. Ihm zur Seite stand der ehemalige Stadtdirektor Herdt.

Viel schlimmer als der Brandschaden war die Zerstörung eines Viertels der Bürgerhäuser, auch viele Kasernen waren größtenteils unbewohnbar geworden. Eine Bombe fiel in die Hauptwache auf dem Ring und tötete drei Mann. Die übrige Mannschaft zog mit den Offizieren in das Steueramt – zur Kaiserzeit Hotel zum Kronprinzen -, die Wache in das Wolfrathsche Haus.

Zum Schrecken der Beschießung kam hinzu, daß ein großer Teil der Besatzung sich betrunken hatte, in die Häuser eindrang und Ausschweifungen aller Art verübte.

Um 13:30 Uhr endete das Bombardement, 1460 Geschosse waren auf die Stadt geschossen worden, 4 Soldaten und 1 Bürger getötet, 11 Soldaten und 4 Bürger verwundet worden. Die Verwundeten kamen ins Minoritenkloster auf der Ratiborer Straße – später Zeughaus. Von den Festungsanlagen war die Kobelwitzer Redoute am stärksten beschädigt, dort waren 4 Geschütze unbrauchbar geworden. Aber auch der Feind hatte im Feuer von 41 preußischen Geschützen Verluste erlitten, die natürlich nicht feststellbar waren.

Gegen 14:00 Uhr erschien an der Ratiborer Bastion der französische Oberst Morio, um die Stadt zur Übergabe aufzufordern. Morio war Adjutant des Prinzen Jérôme und ins bayerische Hauptquartier geschickt, weil man dem bayerischen General nicht genügend Tatkraft zutraute. Er übergab Deroy ein Schreiben, in dem es hieß, daß er auf Befehl  Jérôme  so lange vor Cosel bleiben sollte bis dieser Platz 24 Stunden lang heftig beschossen und zwei vorgeschoeben Werke gefallen waren. So lange wartete er allerdings nicht.

Am Ratiborer Tor wurde Morio vom Kommandanten und vom Rittmeister Samoggy empfangen. Oberst v. Neumann nahm die Aufforderung zur Übergabe entgegen sowie ein zweites Schreiben, das die Auswechslung von Gefangenen vorschlug. Bis zur Ausstellung der hierfür nötigen Pässe wurde eine Waffenruhe von 24 Stunden verabredet. Am folgenden Tag früh überbrachten Rittmeister Samoggy und Leutnant von Neumann die Antwort des Kommandanten ins feindliche Hauptquartier in Comorno. Oberst von Neumann versicherte, daß er den festen Willen habe, den Befehl seines Königs auf strengste zu erfüllen und die Festung bis zum äußersten zu verteidigen, das gebiete auch seine Ehre. Er lehnte die Übergabe erneut ab. Der vorgeschlagene Gefangenaustausch kam auch nicht zustande.

Die feindlichen Generale versuchten die preußischen Offiziere von der Aussichtslosigkeit ihre Widerstandes zu überzeugen. Sie malten die Lage des preußischen Heeres in den schwärzesten Farben und schlugen vor, ein Offizier der Festung möge nach Warschau reisen, um sich selber von der Wahrheit zu überzeugen. Oberst Morio schlug sogar vor, er wolle die Übergabe so gestalten, daß der Kommandant von jeder Schuld frei zu sein scheine. Er ritt mit den Preußen bis zur Rogauer Redoute zurück, um Eintritt in die Festung zu erhalten und den Kommandanten womöglich im persönlichen Gespräch zu überzeugen. Aber er wurde nicht eingelassen und ihm gesagt, daß die Feindseligkeiten sofort wieder beginnen würden, sobald er in Comorno eingetroffen sei. Um 14:15 Uhr begannen die Kanonen der Festung wieder zu feuern. Der Feind aber antwortete an diesem Tage nicht mehr.

Die kurze Feuerpause war von beiden Seiten zur Ausbesserung der Schäden benutzt worden. Die Bayern hatten außerdem erkannt, daß ihre 1. Batterie auf dem rechten Oderufer zu wenig Wirkung erzielte, daher legten sie in der Nacht zum 06.02.1807 auf dem linken Ufer eine neue Batterie (Nr. 6) an, in die die Geschütze der 1. transportiert wurden.

Königlich bayerische Artillerie: Laden des Geschützes
Königlich bayerische Artillerie: Laden des Geschützes

Am 06.02.1807 begann das feindliche Bombardement früh um 8 Uhr und dauerte bis 13:00 Uhr, begann dann 15:00 erneut, bis 18:00 Uhr die Dunkelheit das Feuer beendete. Gleich am Morgen war bereits eine Kaserne in Brand geschossen worden. Da am Anfang wieder nur wenige Leute zum Löschen bereit waren, konnte sich das Feuer weit ausdehnen. Es bedrohte die noch unbeschädigten Kasernen und die nahe liegenden Bürgerhäuser sowie das Pulvermagazin. Mit großer Anstrengung gelang es, die Gefahr abzuwenden. Der Verlust der Besatzung betrug 3 Tote und 11 Verwundete.

Letzte Änderung der Seite: 29. 10. 2017 - 00:10