Startseite > Geschichte > Ausschreitungen in St. Antoine 28.04.1789

Ausschreitungen in St. Antoine.

Am 28.04.1789 kam es in der Vorstadt St. Antoine zu Ausschreitungen.

Vor dem Hause eines Bäckers entwickelte sich ein Streit in dessen Verlauf der Bäcker eine Polizeistreife herbeirief. Die Polizeistreife wird jedoch von der wütenden Menge überwältigt und das zusammengelaufene Volk schlug die Scheiben der Bäckerei ein und die Brote wurden aus der Backstube auf die Straße geworfen.

Aus den umliegenden Nebenstraßen laufen immer mehr Menschen zusammen, die sich zu einem Zug formieren der immer lauter werdenden Ruf »Brot, Brot!« durch die Straßen zog. Im Verlauf dieses Protestmarsches kommt es zu Ausschreitungen, Plünderungen und Mißhandlungen.

So wird im Laufe des Protestmarsches die Tapetenfabrik des Monsieur Reveillon, eines angesehenen und sozial denkenden Unternehmers, demoliert, da er angeblich geäußert haben soll, daß die Lebensmittel ruhig teurer werden könnten. Zum ersten Mal kam der Ruf »An die Laterne mit den Reichen« auf. Revillon konnte der drohenden Selbstjustiz der Massen nur durch die Flucht über die Gärten seines Hauses entkommen.

Aufmarschiertes Militär, das den Aufstand niederschlagen sollte, wird mit Dachziegeln und Pflastersteinen begrüßt. Die Straßen werden barrikadiert , auf die Straße geworfene Möbel angezündet. Erst nachdem weitere Soldaten erscheinen und mit verhängten Zügeln und blanken Säbeln hinein ritten, gelang es, diese zu zerstreuen und zumindest die äußere Ruhe wurde wieder hergestellt. Zurück blieben einige Tote und eine große Anzahl Verletzter.

In den folgenden Tagen fanden sich an verschiedenen Häuserfronten handgeschriebene Zettel, deren Verfasser unbekannt blieben, in denen die Bürger aufgefordert wurden, die behördlichen Maßnahmen nicht zu befolgen. Sondern es sollte vielmehr damit begonnen werden, die Magazine zu plündern und Kaufleute, die sich weigerten Lebensmittel herauszugeben, sollten an der nächsten Laterne aufgehängt werden.

Später wurde der Herzog von Orléans (der nachmalige Philipp Égalite) beschuldigt, Zusammenrottungen dieser Art durch geheime Getreidekäufe hervorgerufen zu haben. Damit wollte er das Volk gegen seinen Vetter, König Ludwig XVI., aufwiegeln. Sein späteres Verhalten während der Revolution lässt diesen unbewiesenen Verdacht nicht ganz ungerechtfertigt erscheinen.