EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Der versunkene Ring

Nach dem Litthauischen.

Der Himmel offenbart sich nur in Träumen,
So lang wir noch im Erdenthale wallen:
Entfesselt schweben wir durch Wolkenhallen
Und brechen Blüten von den Lebensbäumen.
Hörst du das Kind entzückt im Traume lallen?
Sein Geist ergeht sich in den ew'gen Räumen.
Der Ring ist mir entfallen,
Ins tiefe Meer versenkt,
Den einst im Taubenmonat
Lieb' Anka mir geschenkt.

Sie sprach mit süßem Munde:
Trag' ihn und denke mein;
So lang' du trägst das Ringlein
Will ich dein eigen sein.

Ich kniet' am alten Strande
Und wusch die Netze rein,
Da sank von meinem Finger
Der Ring ins Meer hinein.

Nun thut mich Anka meiden
Und liebt mich nimmermehr.
Ihr Pfand hab' ich verloren,
Mein Himmel ruht im Meer.

O Wind im fernen Norden,
Erwach', ich flehe dir,
Spül' ihn an Anka's Wiese,
Sie gibt ihn wieder mir.

Ihr Mitleid ward jüngst rege,
Als sie mich weinend fand,
Sie ließ ins Gras sich nieder
Und bot mir ihre Hand.

Hab' Dank für Trost und Mitleid –
Was frommt es mir und dir?
Ich will nur Liebe, Liebe!
Und die entzieht sich mir.

Laß Andre Bernstein sammeln,
Der Fischer sucht den Ring,
Den er im Taubenmonat
Von Anka's Hand empfing.Ein gleiches Loos ist auch für dich gefallen.
Nur Kindern steht das Thor des Himmels offen,
Um sie nur spielt in unbegrenztes Hoffen,
Sie fühlen nicht die schwere Erdenkette
Und brauchen keinen Heiland, der sie rette.
Geliebte, laß uns werden so wie diese –
Um Kinder blühen Unschuldsparadiese.

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03