EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Knospen

Bergmannsleben

In das ew'ge Dunkel nieder
Steigt der Knappe, der Gebieter
Einer unterird'schen Welt.
Er, der stillen Nacht Gefährte,
Atmet tief im Schoß der Erde,
Den kein Himmelslicht erhellt.
Neu erzeugt mit jedem Morgen
Geht die Sonne ihren Lauf.
Ungestört ertönt der Berge
Uralt Zauberwort: »Glück auf!«
Da umschwebt uns heil'ges Schweigen,
Und aus blauen Flammen steigen
Geister in die grause Nacht.
Doch ihr eignes Tun verschwindet;
Fester sind sie uns verbündet,
Bauen uns den düstern Schacht.
Nimmer können sie uns zwingen,
Und sie hält ein ew'ger Bann:
Wir bekämpfen alle Mächte
Durch der Mutter Talisman.

Auch die lieblichen Najaden,
Die im reinen Quell sich baden,
Stürzen hilfreich in die Gruft,
Mit den zauberischen Händen
Das gewalt'ge Rad zu wenden,
Und es rauscht in ferner Kluft.
Selbst Vulkan, der Eisenbänd'ger,
Reicht uns seine Götterhand,
Und durch seines Armes Stärke
Zwingen wir das Mutterland.

Auch mit Proserpinens Gatten,
Mit dem schwarzen Fürst der Schatten,
Flechten wir den ew'gen Bund,
Und er läßt auf schwankem Steige
Eingehn uns in seine Reiche,
In des Todes grausen Schlund.
Doch der Weg ist uns geöffnet
Wieder auf zum goldnen Licht,
Und wir steigen aus der Tiefe,
Denn der Gott behält uns nicht.

Durch des Stollen weite Länge,
Durch das Labyrinth der Gänge
Wandern wir den sichern Weg.
Über nie erforschte Gründe,
Über dunkle Höllenschlünde
Leitet schwankend uns der Steg.
Ohne Grauen, ohne Zaudern
Dringen wir in's düstre Reich,
Führen auf metallne Wände
Jauchzend den gewalt'gen Streich.

Unter unsers Hammers Schlägen
Quillt der Erde reicher Segen
Aus der Felsenkluft hervor.
Was wir in dem Schacht gewonnen,
Steigt zum reinen Glanz der Sonnen
Zu des Tages Licht empor.
Herrlich lohnt sich unser Streben,
Bringet eine goldne Welt
Und des Demants Pracht zu Tage,
Die in finstrer Tiefe schwellt.

In der Erde dunklem Schoße
Blühen uns die schönsten Lose,
Strahlet uns ein göttlich Licht.
Einst durch düstre Felsenspalten
Wird es seinen Sitz entfalten;
Aber wir erblinden nicht.
Wie wir treu der Mutter bleiben,
Lebend in dem düstern Schacht,
Hüllt uns in der Mutter Schleier
Einst die ewig lange Nacht.

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03