EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Nach einem alten Liede

 Sagt, wo sind die Veilchen hin,
Die so freudig glänzten,
Und der Blumen-Königinn
Ihren Weg bekränzten?
    »Jüngling, ach! der Lenz entflieht:
    »Diese Veilchen sind verblüht.«

 Sagt, wo sind die Rosen hin,
Die wir singend pflückten,
Als sich Hirt' und Schäferinn
Hut und Busen schmückten?
    »Mädchen, ach! der Sommer flieht:
    »Diese Rosen sind verblüht.«

 Führe denn zum Bächlein mich,
Das die Veilchen tränkte,
Das mit leisem Murmeln sich
In die Thäler senkte.
   »Luft und Sonne glühten sehr:
    »Jenes Bächlein ist nicht mehr.«

Bringe denn zur Laube mich,
Wo die Rosen standen,
Wo in treuer Liebe sich
Hirt’ und Mädchen fanden.
    »Wind und Hagel stürmten sehr:
    »Jene Laube grünt nicht mehr.«

Sagt, wo ist das Mädchen hin,
Das, weil ich’s erblickte,
Sich mit demuthvollem Sinn
Zu den Veilchen bückte?
    »Jüngling! Alle Schönheit flieht:
    »Auch das Mädchen ist verblüht.«

Sagt, wo ist der Sänger hin,
Der auf bunten Wiesen
Veilchen, Ros’ und Schäferinn,
Laub und Bach gepriesen?
     »Mädchen, unser Leben flieht:
    »Auch der Sänger ist verblüht.«

Letzte Änderung der Seite: 23. 05. 2017 - 12:05