EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Der Wirt von der Mahr

Einen Tag vergisst der Tiroler nicht!
Zu Bozen tagte das Kriegsgericht,
Ein neuer Rebell wart ausgespürt;
Der Wirt an der Mahr wird vorgeführt.

Der General spricht, den jeder kennt:
Sofern Du gewusst von des Königs Patent,
So lautet das Urteil auf Pulver und Blei;
Doch wenn du´s nicht wusstest, so bist du frei.

So sprach der Mann, es kam ihm leicht,
Ihm hat der Gemahlin Bitten erweicht:
Ich weiß, das dein Herz ihn nicht töten kann,
Blick deine eigenen Kinder an!

Sein junges Weib kam heut zu mir,
Vier blühende Kinder hingen an ihr,
Ein fünftes trägt sie in ihrem Schoß,
O mach´ die Kinder nicht vaterlos.

Und nochmals fragt er, im Saal wird´s still,
Und jeder den Biedern retten will,
Und erwartungsvoll klopft jede Brust;
Doch der spricht fest: Ich hab´ es gewusst.

Als vom Frührot gefärbt am nächsten Tag
Wie Blut der Schnee auf dem Bergen lag,
Da hat zu des Landes ewigen Schmerz
Verblutet das Tirolerherz;

Da lag, von Kugeln dahingestreckt,
Ein Leben, das wie eine Lüge befleckt,
Ein Held der Wahrheit, wie keiner war,
Das ist die Geschichte vom Wirt an der Mahr.

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03