EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Eulogius Schneider's ehemaligen Professors in Bonn etc. Schicksale in Frankreich.

von Christoph Friedrich Cotta

41.

Endlich gegen Ein Uhr hin machte man die Ursache seiner so auffallenden und schnellen Bestrafung bekannt. Um halb drei Uhr Nachmittags ließ man ihn von der Guillotine herabtreten, und sogleich einen wohl verwahrten Wagen besteigen, worin er, begleitet von etlichen Gensdarmen und an den Füßen geschlossen, nach Paris abfuhr, wo er nach sechs Tagen anlangte, und in die Abtei gebracht wurde.

Am Abende, nachdem Schneider von Strasburg abgeführt war, erschien der Repräsentant Lehmann XE "#Lehmann" , ehemaliger Weihbischoff von Brunbrut, äusserst betrunken in der Volksgesellschaft, wand sich mit Mühe auf die Tribune und brüllte, indem er wie ein Gassenjunge die Zunge aus dem Halse streckte, der Versammlung zu: »Ich – bin - - es - - ich - - habe Schnei - - - der das He – He – Herz – der Stra - - Stras – burgischen Pa – tri – oten an die Guillotine gebracht, und nun – vors Revolutionsgericht zu Paris geschickt.« - Nun lachte er- wie - - - Doch hinweg von einem Anblicke, der so beschämend für die Menschheit ist.

Die Volksgesellschaft konnte selbst ihren Unwillen hierüber nicht bergen und setzte sogar einen Verbalprozeß darüber auf, mit dem Vorgehen, ihn an den Convent zu schicken. – Aber das thtat sie denn doch nicht.

Indessen schien man sichs zum Gesetze gemacht zu haben, selten, aber nie viel von Schneidern im Klubb zu sprechen. Monet besonders beobachtete für allezeit in der Sache das geheimnisvolle Stillschweigen; insgeheim aber arbeitete er nun so thätiger gegen seinen Feind. Erst verschiedene Monate nach Schneiders Tode hielt er im Klubb eine Rede über die Verschwörung der Fremden, worin er dathun wollte, daß die Deutschen, als immerwährende Feinde Frankreichs, im Elsasse zur zeit, als Schneider gefangen genommen wurde, sich wirklich gegen Saint-Just XE "Saint-Just, Louis Antoine de" und andre Representanten mehr verbunden hätten, und was des unzusammenhängenden Unsinns mehr war, der sogar gedruckt und ins Deutsche übersetzt wurde.

»So sprach jetzt Monet, der Schneidern so viel zu verdanken immer gegen Schneidern als seinen wärmsten Freund sich betragen hatte. Eben er war es nun, der Schneider aufs Blutgerüste gebracht; der Jung und die Brüder Edelmann ebenso boshafterweise seiner Rachsucht aufgeopfert hat, und doch hatte er, kurz nach Schneiders Tod, im Klubb behauptet, Schneider sey ein Verbrecher, aber nie Verräther an Frankreich gewesen.Jetzt, im Sommer 1794 sprach er freilich schon wieder anders; denn es war ihn um den Untergangs Jungs XE "Jung, Johannes" etc. etc. zu thun.

 

 

Letzte Änderung der Seite: 30. 07. 2017 - 15:07