EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Eulogius Schneider's ehemaligen Professors in Bonn etc. Schicksale in Frankreich.

von Christoph Friedrich Cotta

20.

 

 Wie gesagt, Schneider's Aufruf blieb ohne weitere Wirkung. Das ärgerte ihn über die Maßen, zumal, da er vollends in den Zeitungen las, daß  Rühl den Convente die Nachricht ertheilt habe, ganz Strasburg sey aufgestanden, um gegen die Rebellen der Vendee auszumarschieren etc. etc. Er konnte sichs einbilden, auf welchem Wege Rühl zu dieser falschen Nachricht gekommen sey, und schrieb also

Die Krähe.

»Die Krähe erfuhr einst, daß manim Thierreiche viel Aufhebens von den schönen Federn des Pfauen und andrer Vögel machte. Ei! Dachte sie, wen ich auch keine so schöne Federn habe; so wird es och Mittel geben, mich mit fremden zu schmücken. Gedacht, gethan. Sie sammelte in Höfen, Wald und Feld schönes Gefieder und schmückte sich damit. In diesem Putze trat sie vor den Adler, und wollte sich von allen Thieren bewundern lassen. Aber sieh! Da kam der Pfau und sagte: dieser stralende Streif ist von mir. Da kam der Grünspecht und sagte: diese sanftgrünen Fittiche sind von mir. Da kam die Taube, und sagte: dieser Goldring um den Hals ist von mir. Da kam der Papagay und sagte: diese glatten Bauchfedern sind von mir. Und so gieng es denn lange fort.

Was ist denn d e i n Eigenthum, fragte der Adler die Krähe, sind denn alle deine Zierrathen nur gebort, und willst du mit fremder Schönheit prahlen? Wohlan! Nehme jeder von euch zurück, was ihm gehört; damit wir sehen, was der Krähe bleibt. Da nahm der Pfau seinen Schweif, der Grünspecht die samtgrünen Fittiche, die Taube den Goldring, der Papagay die glatten Bauchfedern, und so jeder das Seinige zurück, und die Krähe stand in ihre Blöse da.

Diese Fabel passet vollkommen auf die, welche sich gerne die Ehre zueignen möchten, als hätten sie zur Errichtung des Bataillons wider die Rebellen etwas beigetragen. Lasset die Patrioten zurücknehmen, was sie lieferten. Was bleibt dn Feuillants übrig? – Nichts! Als ihre Blöße und Häßlichkeit.«

Letzte Änderung der Seite: 30. 07. 2017 - 15:07