EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Eulogius Schneider's ehemaligen Professors in Bonn etc. Schicksale in Frankreich.

von Christoph Friedrich Cotta

06.

Ohne hier die eigentliche Untersuchung der Sache mich einzulassen, welche die Trennung der Volksgesellschaft verursachte, kann ich doch nicht umhin, so viel von derselben anzumerken: daß Dietrich's Vorgehen, als könne es Niemand besser mit dem Fortgange der neuen Einrichtung der Sachen meinen, als er, nicht ganz mit seinen Handlungen übereinstimmte. Wahrscheinlich hatte er geheime Absichten und Anschläge mit dem Elsasse vor; und er war vielleicht ganz davon überzeugt, daß ohne Schneider's Dazwischenkunft Niemand sobald sie würde bemerkt, oder doch die übrigen Staatsbürger, die nun in sehr kleiner Anzahl gegen ihn waren, eben so willfähig sich mit ihm würden einverstanden und verbunden haben, als die Uebrigen, die iezt als getreue Anhänger von ihm eben so eifrig und leidenschaftlich ihre Parthei zu verstärken, und ganz nach ihrem Willen zu leiten sich angelegen seyn liessen. Auch muß man sagen, daß die Strasburger überhaupt in der Sache die blindeste Anhänglichkeit an Dietrich und seine Mithelfer verriethen, denen sie Alles aufs Wort glaubten, was man ihnen von dem guten

Bürgersinne, »ihres Herrn Maires«, von seinen Verdiensten um die neue Verfassung etc. etc. etc. vorzulegen für gut fand. Immer nur sprachen die Herren von Dietrich's patriotischen Handlungen, die er damals ausübte, als er sie, ohne noch so gar sehr das Interesse der Constitutionsfeinde kränken zu müssen, wohl ohne großes Bedenken auch öffentlich verrichten konnte. Jetzt aber hatte sich die Lage der Dinge schon so geändert, daß Dietrich nun nicht mehr patriotisch scheinen konnte, sondern handeln mußte, wenn er wirklich Der seyn wollte, für den man ihn, zumal in seiner Stelle als Maire von Strasburg halten sollte; handeln mußte er, und zwar gerade gegen die sogenannten Aristokraten. Und das wollte er nicht, darüber entstand unter den bisherigen Freunden der neuen politischen Verfassung Mißtrauen gegen seinen Bürgersinn, gegen die Reinheit seiner Handlungen und Absichten; man äusserte allmählig sich öffentlich darüber, und endlich trennte man sich ganz.

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