EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Die Liebende in dem Fluss Silemnus

Ein Bad in dem Fluss Silemnus wirkte Vergessenheit der Liebe und des Geliebten.

Ha! wie ist mir? bin ich neu geboren?
Welche selige Verwandelung!
Hat sich wirklich meine Qual verloren,
Oder täuscht mich die Erinnerung?

Nein, ich fühl' ein neu'res bess'res Leben:
Sanfter fühl' ich meines Herzens Schlag,
Seit mir Kühlung diese Wellen geben,
Süsse Kühlung, nach dem schwülen Tag.

Wie? o Lieb! fühl' ich nicht mehr deine
Schadenfrohe, bittre Peinigung?
Ja, zurückgegeben ist mir meine
Würde, Selbstheit und Beruhigung.

Schnell entthronet wurde der Besieger
Meines Herzens; ach, ich sah' in ihm
Nur Cytherens listigen Betrieger,
Und schwur ewig – ewig ihn zu fliehn!

Dort, wo ihm das reinste Feuer brannte,
Auf des Herzens heiligem Altar,
Wann ich weinend den Geliebten nannte,
Und das Echo seines Namens war;

Dort verlöscht' im kühlen Wunderbade
Des Silemnus, jenes Zauberbild,
Welches noch am blühenden Gestade
Seines Flusses, dieses Herz erfüllt.

Habe Dank! du reine Götterquelle!
Mehr als Leben gabst du mir zurück.
Denn in deiner sanften Silberwelle
Find' ich wieder, mein verlornes Glück.

Das Idol der Lieb' ist hingeschwunden:
Statt des Gottes, seh' ich nur den Mann
Der sich treulos, selbst von dem entbunden,
Wovon Liebe nie entbinden kann.

Und im sanften Kräuseln deiner Fluten,
Fühl' ich, Liebe, mich von dir geheilt.
Heil, sey dir, Silemnus! nicht mehr bluten
Wird dies Herz, das fröhlich dir enteilt.

Nein! nie wird mich Eros mehr bethören!
O, jetzt lach' ich seiner Tyranney.
Keine Thräne wein' ich mehr Cytheren,
Denn, ich Glückliche! bin wieder frey!

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03