EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

An meinen kranken Freund.

Lebt ich, o Freund, in jener alten,</ br>

Nun leider längst verfloßnen, Wunderzeit,</ br>

Da Wanderung in Thiergestalten</ br>

Mit dem Gefühl der vollen Menschlichkeit</ br>

Der Seele möglich war, wie uns Ovid erzählet,</ br>

Was meinst du wohl, was hätt' ich mir erwähnet)

 

Nicht das vieläugigte Gefieder</ br>

Von Juno's Pfau, des Vogelreiches Zier,</ br>

Die Kehle nicht für Zauberlieder,</ br>

Nicht Adlers Aug und Fittig wünscht' ich mir;</ br>

Nein! ich erköhre mir ungeschätzt und simpel</ br>

Zur zweyten Hüll' das Körperchen vom Gimpel.

 

Von Iris und Apoll vergessen,</ br>

Hat Aesculap ihm, wie die Sage geht,</ br>

Die schöne Gabe zugemessen,</ br>

Die manches Herz umsonst; vom Himmel fleht;</ br>

Die Gabe, andere von Schmerzen zu befreyen,</ br>

Will es sich selbst für sie zum Opfer weihen.

 

So, als befiederte Alceste,</ br>

Flog' ich zu Dir an's Fenster, sicherlich</ br>

Empfiengest du den Gast aufs Beste,</ br>

Er aber sög' dein Uebel still in sich.</ br>

Der Freandinn Herzen wär's die seligste der Freuden,</ br>

Statt nur mit dir, für dich, o Freund! zu leiden.

Letzte Änderung der Seite: 27. 03. 2017 - 22:03