EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Was ist Landsturm und Landwehr?

Der Landsturm und die Landwehr sind bei dem sonst großen und mächtigen deutsche» Volke eine uralte und löbliche Sitte gewesen, und haben manche Jahrhunderte bestanden, bis die großen stehenden Heere mehr und mehr eingeführt wurden, und die meisten Regierungen glaubten, es bedürfe ihrer nicht mehr, und die Völker seyen durch diese Heere sicher genug vor Ueberziehung und Unterjochung von Fremden. Daraus entsprang, daß der Bauer und Bürger zuletzt glaubte, er müsse nun einmal ein wehrloser und wehrscheuer Mann seyn, und habe mit dem Kriege nichts weiter z« thun, als im unglücklichsten Falle sich von den Feinden plagen zu lassen: und so geschah es durch diese Einrichtung der Staaten, und durch die Meinung der Menschen, daß die Uebungen und Künste der Waffen vergessen wurden, wodurch unsere Vorfahren weiland so gepriesene und gefürchtete Männer waren. Erst in de« letzten Jahren ward der alte Glaube wieder aufgeweckt, daß ein ganzes Volk waffengerüstet und waffengeübt seyn müsse, wenn es nicht Freiheit, Ehre, Glück, Gut und Much verlieren wolle. Vor zwanzig Jahren trieben die Franzosen, von Wuth und Verruchtheit entbrannt, ihre ganze Jugend gegen die Nachbarn, und wurden durch List und Betrüg, durch die Zaghaftigkeit und Zwietracht ihrer Gegner, am meisten aber durch die überlegene Menge ihre Sieger und Meister. Denn jene hatten blos stehende Heere, die nicht so geschwind zu schaffen waren, das Volk aber wußten sie nicht zu gebrauchen oder wollten es nicht gebrauchen; ja auch in der größten Noch des deutschen Vaterlandes hinderten die Fürsten den Aufstand, welchen die Bauern in Schwaben und Franken und Westphalen so gern gegen die räuberischen und hinterlistigen Franzosen unternehmen wollten.- Nachdem sie zehen Jahre gewüthet und sich selbst und alle Nachbarländer unglücklich gemacht hatten, ward Napoleon Bonaparte ihr Herr, welcher alle Völker unterjochen und die Welt bezwingen wollte. Dieser drohete zuerst gegen England; aber die Engländer boten die Volkswehr auf, und binnen einem halben Jahre standen, außer der großen Flotte und dem stehenden Heere, 400,000 Engländer unter Waffen, und der stolze Tyrann fürchtete sich, und dachte nicht weiter daran, über's Meer zu gehen. Darauf rannte er mit seiner Uehermacht gegen die beiden größten deutschen Staaten, gegen Oesterreich und Preussen.ait, und gewann schimpfliche Frieden über sie, denn er hatte alle wehrhafte französische Männer zu seinem Gebot, und konnte sie treiben, wohin er wollte, sie aber hatten nur stehende Heere, und diese waren nicht hinreichend. Erst als er Spanien angriff, dessen Könige und Prinzen er du.ch bübische Hinterlist ins Gefängniß brachte, und das Volk schänden und unterjochen wollte — da erst lernte er, daß jeder Mensch ein fürchterlicher Soldat ist, der im Vertrauen auf Gott und sein Recht für sein Vaterland in den Krieg zieht; denn die spanischen Bauern und Bürger wurden von den Franzosen bald mehr gefürchtet, als die erdenklichen Soldaten. Zugleich als dieser Krieg in Spanien brannte, rüstete sich auch das Haus Oesterreich, die verlorne Ehre und Herrschaft wieder zu gewinnen und das unterdrückte Deutschland zu befreien. Und Oesterreich bot jetzt auch eine große Landwehr auf in Oesterreich und Böhmen und Mähten, und diese Landwehr war dem Vaterlande von großer Hülfe, und wäre ohne sie das Vaterland verloren gewesen, und sie fochten so tapfer und standhaft, als die gewöhnlichen Soldaten. Daß aber in diesem herrlichen Kriege vom Jahr 1809 die Franzosen nicht vernichtet, und die deutschen Lande nicht befreiet wurden — das lag nicht in der Gleichgültigkeit noch Feigheit der österreichischer Unterthanen, sondern in vielen unglücklichen Ereignissen und Begebenheiten, die hier nicht erzählt werden dürfen. Das aber ist wahr und wird ewig unsterblich bleiben, daß in dieser Zeit die tapfern Tyroler Landleute und Bauern unter ihrem heldenmüthigen Anführer, dem Sandwirth Andreas Hofer von Passeir, und die spanischen Landleute von Navarra, Arragonien, Katalonien und Kastilien durch ihren frommen und treuen Muth berühmter geworden sind, als alle stehende Heere. Auch diesen vergangenen Sommer und Herbst ist erschienen und durch Gottes gnädige Hülfe recht hell erschienen, was ein Volk vermag, das Gott fürchtet und Freiheit und Ehre liebt. Der französische Tyrann drang mit zahllosen Heeren in Rußland ein, und meinte, das Land zu plündern und zu unterjochen; aber es gerieth ihm anders. Das ganze Volk ergrimmte, rüstete und bewaffnete sich; sie beteten zu Gott, knieete vor den Altären, zeichneten sich in den Kirchen mit dem heiligen Kreuze für den heiligen Krieg, ließen sich und ihre Fahnen durch priesterliche Gebete und Segen weihen, und so zogen sie gegen den Feind. Leben und Gut, Städte und Dörfer — alles gaben sie im Blut und Feuer dahin, damit ihr Land gerettet, der Feind vertilgt, und ihr Schwur erfüllt würde. Was diese tapfern Bauern und Bürger in Rußland und Polen löbliches und Gewaltiges gethan, und wie sie das Reich aufgerichtet und erhalten, wie auch mit ihnen der Adel, die Priester, die Beamten einmüthiglich und gemeinschaftlich gestritten, gearbeitet Und gewirkt haben — das wird die Geschichte einst mit goldenen Buchstaben schreiben. So ging das französische Heer unter, gegen solche Frömmigkeit und solchen Muth konnte Bonaparte's Bosheit nicht bestehen mehr als 400,000 Mann verdarben durch das Schwerdr, den Hunger, die Kälte und die Gefangenschaft; etwa 40,000 elende Flüchtlinge ohne Waffen, ohne Kleider, viele verkrüppelt, die meisten, mit dem Keim des Todes im Leibe, entkamen, und zogen eben so lächerlich als traurig durch die Städte und Orte zurück, durch welche sie vor einem halben Jahre trotzig und übermüthig gegangen wären. An ihnen erschien sichtbar der Wechsel der menschlichen Dinge, die Strafe Gottes, und wie nahe dem Uebermuthe der Fall ist.

Jetzt ist Bonaparte durch Gott geschlagen, es ist kein französisches Heer mehr, er bedarf Monate, um wieder ein neues aufzurichten; seinen Ruhm aber und den Wahn-, woraus seine Siege hervorgingen, vermag er nimmer wieder aufzurichten. Nun, da Gott den Weg gewiesen hat, müssen alle Völker sich erheben; vor allem aber muß in allen Landschaften, Kreisen und Gauen das deutsche Volk sich erheben, denn kein Volk ist von ihm mehr geplagt und gemißhandelt worden, als gerade das deutsche Volk. Weil er aber, wenn man, ihm Zeit giebt, alle Kräfte ausbieten und, wieder neue Haufen von Menschen an sich ziehen wird, so ist die größte Geschwindigkeit noth, daß man die Länder und Festen vor ihm gewinne, und ihm die Hülfen abschneide; auch ist es nicht genug, daß auf das schnellste die stehenden Heere gebildet, ergänzt und vermehrt werden, sondern, weil er die ganze Volkskraft in die Hand nimmt und wie er will gebraucht, so muß das deutsche Volk gegen ihn in die Waffen gerufen werden. Wenn das geschieht, so ist es nicht zweifelhaft, daß für Gott, Freiheit und die gerechte Sache gesiegt werden wird gegen die Tyrannei, Knechtschaft und Ungerechtigkeit.

Diese Volksbewaffnung, die alle wehrhafte Männer des ganzen deutschen Landes, so wie es von Franzosen gereinigt wird, sogleich versammeln muß, begreift vom zwanzigsten bis sechzigsten Jahre alles, was nicht durch Aemter oder körperliche Gebrechen am Dienst gehindert wird. Sie zerfällt in zwei Theile. in die Landwehr und in den Landsturm.

Die Landwehr besteht aus den jungen Männern vom zwanzigsten bis dreißigsten oder fünf und dreißigsten Jahre, doch mag von den älteren ein jeder freiwillig beitreten. Sie wird ordentlich soldatisch geübt und bewaffnet, und ist bestimmt, nicht allein die Landschaft, wo sie errichtet wird, zu vertheidigen, sondern auch, weiter auszuziehen und das wirkliche Kriegsheer zu verstärken. Sie ist die Wehr des Vaterlandes in Zeit des Krieges, besonders wann ein feindliches Volk mit zahlreiche» Haufen sich heranwälzt und das Vaterland zu unterdrücken droht.

Der Landsturm besteht neben und ausser der Landwehr ans allen waffenfähigen Männer» ohne Unterschied des Alters und des Standes. Er ist bloß bestimmt, die Landschaft und des nächsten eigenen Herd zu beschützen, und wir» nicht aus der Landschaft in entfernte Gränzen geführt. Wo der Feind ein- und andringt, da sammeln sich die Männer, fallen auf ihn, umrennen ihn, schneiden ihn ab, überfallen feine Zufuhren und Rekruten, erschlagen seine Kuriere, Boten, Kundschafter und Späher, kurz, thun ihm allen Schaden und Abbruch, den sie ihm möglicherweise thun können; welches ihnen durch die Kenntniß von Stegen- und Wegen und von allen Gelegenheiten und Schlupfwinkeln möglich ist. Sie sind dem Feinde ein furchtbares Heer, weit furchtbarer als ordentliche Soldaten, weil sie allenthalben und nirgend sind, weil sie immer verschwinden und immer wieder kammen. Dieser Landsturm steht nun auf, wann der Feind da oder doch nahe ist; wann die Gefahr vorüber, so geht jeder, wie ihm gefällt, wieder in sein Haus, an seine Arbeit, an sein Geschäft. Er gebraucht alles, was Waffen heißt und wodurch man Ueberzieher und Bedränger ausrotten kann: Büchsen, Flinten, Speere, Keulen, Sensen u.s.w.; auch sind ihm alle Kriegskünste, Listen und Hinterlisten erlaubt, wodurch es mit der mindesten Gefahr bei Tag und Nacht den Feind vertilgen kann: denn der Räuber und Ueberzieher hat in seinem Lande nichts zu thun.

Ein solcher Volkskrieg ist jetzt da für alle Deutsche: nur durch allgemeinen Aufstand gegen den Feind, nur durch eine brüderliche und treue Vereinigung aller deutschen Kräfte kann Europa und das Vaterland gerettet, und die scheußliche Gewalt niedergerissen werden, welche die Freiheit und das Glück der Welt bedrohete. Bonaparte ist geschlagen und beschimpft. Bonaparte wird fallen ; aber in seinem Tode ist für Deutschland noch keine Rettung und Sicherheit. Wollen deutsche Männer künftig in Ehren leben, so müssen die uralten deutschen Grunzen, so weit Gott in deutscher Zunge angebetet wird, wieder erobert werden, der Rhein und die schönen deutschen Landschaften jenseits des Rheins müssen wieder gewonnen werden. Bleibt der Rhein französisch, so steht das treulose und räuberische Volk immer noch, nicht nur auf Deutschland's, sondern auch auf Europa's Nacken. In dem Besitze des Rheins liegen zwei Drittel von Deutschland ihm offen. bis an die Elbe, bis an den Lech, bis an den Böhmerwald darf er ungestraft laufen; an dem Rhein hangt auch die Herrschaft über die Schweiz und Oberitalien. Frankreicht bleibt der gebietende Staat in Europa, wenn es den Rhein behält, und jeder Tropfen deutschen Blut wird vergeblich vergossen werden, wenn seine Wiedereroberung nicht das große allgemeine Ziel des Krieges wird. Nicht an der Donau, nicht an der Elbe, ja nicht an der Oder und Weichsel und Pregel werden deutsche Männer sicher und ehrlich wohnen können, wenn die Franzosen ferner den heiligen germanischen Strom besitzen, der durch so ^viele Siege über sie und ihre Vorfahren geweihet ist.

Also Volkskrieg muß seyn, Landwehr und Landsturm muß aufgeboten und gerüstet werden. Dies ist allen deutschen Männern Ehre und Pflicht. Denn Gott will Stolz und Ehre und Gerechtigkeit auf Erden; für sie soll jedermann freudig jeden Augenblick Gut und Blut einsetzen: denn in der Sklaverei vergeht alle Tugend, ein sklavisches Volk wird nicht allein von den fremden Unterjochen geplagt und geschändet, es muß sich zum Uebermaaße des Jammers noch von den eigenen Schelmen, Bösewichtern und Weichlingen, welchen unter Fremden vorzüglich die Herrschaft zufällt, plagen und schinden lassen.

Also Volkskrieg muß seyn, Landwehr und Landsturm muß aufgeboten werden ; die Franzosen, welche immer vor unsern Vorvätern zitterten, müssen vor uns auch zittern lernen. So muß die Schande gelöst werden, die sie über uns brachten, so muß die deutsche Liebe und Treue und Streitbarkeit, wovon alle alte Geschichten klinge» und welche in Elendigkeit und Weichlichkeit fast verloschen waren, wiedergeboren werden.

Wen» also Haß gegen die Franzosen, Krieg gegen die Franzosen, Wiederherstellung deutscher Freiheit und Herrlichkeit die große Loosung aller redlichen und biedern Deutschen ist, so muß jeder Mann des Volkes an seinem Theil arbeiten und wirken, was er kann, damit die Kleinen von den Großen das Beispiel nehmen, dem sie nachfolgen.

Der Adel muß voranziehen und vorangehen mit, Ehre und Stolz und Seelenhoheit für das Vaterland zu opfern und für das Vaterland zu sterben.

Die Beamten groß und klein müssen bedenken, daß sie nur darum da stehen, damit Gerechtigkeit und Tugend in der Welt sey, und daß sie lieber tausendmal umkommen sollen, als gegen ihr Volk und ihres Volkes Ehre helfen, anordnen und befehlen.

Die Gelehrten, die Priester, die Lehrer des Volks und der Jugend sollen nie vergessen, daß sie neben den Herrschaften das höchste Amt verwalten, daß es ihnen gegeben ist, das gegenwärtige Geschlecht zu jeder Tugend und Hoheit zu entstammen, daß aber die Welt in Lastern und Unehren vergeht, sobald sie kleines und geiziges Herzens werden.

Der Beamte, welcher in solchem Volkskriege dem Volke absteht und dem Feinde beispringt, welcher aus Geiz und Feigheit oder gar aus Schelmerei oder Verrätherei ihm dient und die Seinigen verläßt; der Priester und Gelehrte, der für ihn redet und schreibt und verkündigt; jeder endlich, der ihm etwas zum Nutzen und nicht alles zum Schaden thut; jeder, der mit seinem Volk nicht Glück und Unglück, Noth und Tod theilen will, ist nicht Werth, daß er unter ihm lebe, und muß als ein Bube oder Weichling aus ihm ausgestoßen oder vertilgt werden.

Alle endlich, denen Gott irdische oder himmlische Güter, Wissenschaft oder Verstand, Rath , oder Klugheit gegeben hat, - sollen in dieser großen Zeit nur das Eine fühlen, daß das liebe Vaterland gerettet werden muß; alle Eifersuchten, alle Zwiste, alle Unterschiede der verschiedenen Stände sollen sich in dem Einen Gefühl aufheben und darin untergehen, daß nur einmüthige Liebc und Begeisterung den Kampf siegreich machen kann, und daß derjenige vor Gott und Menschen der würdigste und glücklichste, seyn wird, der zum hohen Dienste des Vaterlandes der demüthigste und freundlichste ist ; denn in solchem Kriege ist der kleinste Mann so wohlgefällig und ehrwürdig als der größte.a

Der Krieg, der nicht für Raub und Eroberung geführt wird, sondern für das Vaterland und für die Freiheit, ist ein heiliger Krieg, und die Menschen müssen also ihre Herzen und Gedanken zu Gott und zum Himmel erheben; denn durch Frömmigkeit . und Treue allein werden sie die Verruchtheit und Treulosigkeit besiegen.

Wenn also der Landsturm die Glocken läutet gegen den Feind, und auszieht, soll das große Werk mit Gottesdienst und Gebet begonnen werden, denn die Herzen gehen desto muthiger in den Streit.

Bei der Landwehr aber wäre folgende Zucht wohl löblich:

So wie die junge Mannschaft eines Kreises versammelt ist, wird feierlich Gottesdienst gehalten, und es wird den Jünglingen ausgelegt, was Krieg überhaupt und Krieg für das Vaterland und gegen die Franzosen bedeutet, und wie sie ein viel besseres und edleres Volk sind, als die Franzosen, und also nicht leiden dürfen, daß diese ihre Herren bleiben; es wird ihnen erzählt und vorgehalten, wie ihr Land sonst glücklich und ruhmvoll gewesen, und wie es durch ihre Tugend und Redlichkeit das wieder werden soll; es wird ihnen eingeschärft, daß der Tod für das Vaterland im Himmel und auf Erden ein großes Lob ist; es wird durch Reden und Predigen und durch geistliche und kriegerischr Lieder ihr Gemüth zu Treue, Ruhm und Tugend entzündet.

Das auch ist eine fromme und christliche Sitte, daß jeden Tag nach geschehenen Kriegsübungen die Mannschaft sich feierlich in Reihen stellt und, ehe sie auseinander geht, ein geistliches Lied singt; das geschehe auch vor und nach der Schlacht unter offenem Himmel. Solches giebt Muth und Freudigkeit und bewahrt vor vielem Bösen. Noch gebrauchen es die Schweden so, die ein frommes und tapferes Volk sind, und bei unsern Vätern, ward Gott bei keinem Dinge vergessen, und darum lebten sie auch in Freiheit.

Beim Eintritt in die Landwehr wird ein theurer und fester Eid geleistet, immer aber in großer Gemeinschaft, so daß einige Hunderte oder Tausende zugleich schwören und vorher feierlicher Gottesdienst und Einsegnung ist.

Auch werden die Fahnen mit christlichem Gebet und ernster Andacht eingeweiht.

Zieht eine Landwehr aus der Heimath gegen, den Feind, so ist feierlicher Gottesdienst und Einsegnung; die ganze Mannschaft empfängt das heilige Abendmahl zum christlichen Gedächtniß und zu christlicher Freudigkeit, und geht so mit Gott, wie er es will, in den Sieg oder in den Tod.

Aeussere Zierlichkeit ist nicht noth, wo nur das Herz und der Arm gefordert wird. In Zeiten der Ruhe und des Wohlstandes ist es wohl lustig, wenn ein Heer auch mit Waffen und Pferden und Kleidern schön geschmückt auszieht; aber wir sind in dem Zustande, daß Glanz und Reichthum wieder gewonnen werden müssen, wir haben sie nicht. Für einen Vaterlandskrieger bedarf es nur warmer Kleidung und Wehr und Geschütz, und nichts weiter: der rechte Muth und die rechte Treue ersetzen alles, und wollen keinen Prunk. Doch muß ein gemeinsames Zeichen seyn, woran alle Deutsche, welche für das Vaterland ausziehen, sich erkennen mögen. Da sind neben dem Zeichen jeder Landschaft zwei Zeichen die besten: erstlich ein Kreuz, woran ein Schwerdt hangt; das Kreuz weift auf die Heiligkeit der Sache, das Schwerdt auf den Rachekrieg gegen die fremden Unterdrücker, — zweitens ein bloßes Schwerdt mit Eichenblättern: Eichenlaub war weiland der Lorberkranz der freien Deutschen, die Eiche ist Deutschlands rechter Baum, das Schwerdt bedeutet Krieg gegen die Fremdlinge.

Dies ungefähr ist die Bedeutung und der Zweck der Landwehr und des Landsturms: die Bewaffnung des ganzen Volkes zu einem großen und heiligen Kriege, damit Friede und Ruhe ehrenvoll wieder gewonnen werden. Es ist nicht gemeint, daß in deutschen Landen das eingerichtet werden soll , was die Franzosen Konscription oder Ausschreibung nennen, und was so willkührlich verwaltet und gebraucht wird, daß alle Freiheit und alle Wissenschaft dadurch untergeht; es ist bloß eine Einrichtung für den Krieg. Wenn das deutsche Volk aber diesen Krieg tüchtig und tapfer besteht, so wird in ihm wohl ein solcher Geist erwachen, der Einrichtungen herbeiführt, die nicht geradezu soldatisch sind, die aber das Volk so wehrhaft und kriegerisch machen, daß es künftig vielleicht zwei Drittel der stehenden Heere abschneiden und dadurch eine unendliche Last, von seinem Nacken walzen kann.

In diesem Sinn, in diesem treuen, gemeinsamen und brüderlichen Sinn allein darf eine Volkswehr aufgerufen und eingerichtet werden. Geschieht es so, dann wird auch der kühne und freie Geist nicht fehlen , der Sieg und Ehre allein wieder bringen und von den Franzosen für viele Gräuel und Hinterlisten Rache nehmen kann. Geschieht es nicht so, so ist der Kampf vergeblich, und die Uebermüthigen werden für's Erste noch die Herren bleiben. Sie haben vielen Geist, zwar einen Geist der Lüge und des Stolzes, aber immer einen Geist. Diesen werden wir nur überwinden, wenn wir den höheren Geist der Frömmigkeit, der Treue und der Tugend in den Kampf setzen. Mit den gewöhnlichen Mitteln und Arten wird nichts ausgerichtet werden: Gott hilft nur dem, der wagt ihm selbst zu helfen.

Deutsche Landsleute! Ihr habt das Beispiel. Spanien und Rußland gingen euch im Volkskriege voran, sie brauchten alle Kräfte gegen die tückischen Feinde; sie sind nicht besiegt, sie rühmen sich unsterblicher Thaten. Deutsche Landsleute! die Tyroler gingen euch' voran. Männer eures Volkes, deutsche Brüder, sie gingen euch in einem herrlichen Kampfe voran, trostreich für euch, unglücklich für sie: sie bewiesen, was ein kleiner Haufe vermag, der Gott fürchtet und sein Vaterland liebt. Auf denn alle! auf in Einmütigkeit, Sanftmuth, Verleugnung und Demuth! Auf ihr Herren und Edle, ihr Freie und Bürger, ihr Landleute und Bauern! Auf, jeder deutsche Mann, dem ein deutsches Herz in der Brust schlägt, dem in dem Verstande oder in der Faust, in der Wissenschaft oder in der That eine lebendige Kraft lebt —Auf alle! helfet, rächet, redet, handelt! wollet das Rechte und das Freie! wolltet lieber ehrlich sterben als schändlich dienen! Und Gott, der Schirm der Freiheit und Gerechtigkeit, wird mit euch seyn! —

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