EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Den dritten August 1806

Als dem Geburtsfest Seiner Majestät des Königs gewidmet

Ein heitrer Genius, bekränzt mit Aehren,
des Frohsinns und der Menschenliebe Bild;
sah’n wir dich, schöner Festtag wiederkehren,
der, hochgefeiert an des Danks Altären,
des Patrioten Herz mit Freude füllt.

Des Volks Entzücken grüßt dein Niederschweben,
das stets Verkündung neune Segens war.
Mit heil’gen Bande, das die Parzen weben,
Knüpfst du an Friedrich Wilhelms edles Leben
ein neues hoffnungsreiches Thatenjahr.

Dich feiern nicht bluttriefende Trophäen!
Der Menschenfreund hält Mavors Schert zurück!
Er baut in Stürmen, die vorübergehen,
sein Ehrendenkmal auf der Menschheit Höhen,
geweiht dem Frieden und dem Völkerglück!

Gerecht und groß in mächt'gem Wirkunskreise,
ist er, den Irrthum schonend, streng der Schuld.
Der Dank des Armen tönt zu seinem Preise,
geweckt durch neue, herrliche Beweise
der Fürstensorgfalt und der Vaterhuld.

Er sucht sein Glück nur in dem Lohne,
Beglücker seines biedern Volks zu seyn;
und in dem süßen, selt’nen auf dem Throne, -
der Gattentreue schöne Myrthenkrone,
zur Bürgschaft seines innern Glücks zu weih’n.

Verehrend sieht die Welt in diesem Bilde,
den durch sein Herz beglückten Menschenfreund!
Selbst die Natur, mit schöpferischer Milde,
shmückt neu den Wohnsitz, durch ein Lustgefilde,
der zwei erhabne Gatten neu vereint.

Und segenwünschend ihrem schönen Bunde
ertönt, dem innigsten Gefühl getreu.
Des Herzens Flehn aus jenes Edlen Munde:
daß einst ihr, Ruhm in ferner Zeiten Kunde,
ein Denkmal hoch beglückter Tugend sey!

Quelle:
Spenersche Zeitung vom 07.08.1806

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