EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung.

England

Dieses ganz Neptunische Reich, dessen Seemacht sie Elisabeths Zeiten zu einer ungeheuren Größe anwuchs, dessen Schätze unermesslich, dessen Staatschulden kaum zu berechnen sind, war mit dem benachbarten Frankreich seit Jahrhunderten in Fehde, seit Anfang des achtzehnten aber, fast in beständige Kriege verwickelte. In zwei wichtigen Erbfolge-Kriegen, dem spanischen nach Karls II. und dem östreichischen, nach Kaiser Karl VI. Tode, war Großbritannien der treueste und wichtigste Bundesgenosse Östreichs. Mehrmals würde die hochgespannte französische Macht dem Haus Östreich gefährlich und Karls pragmatische Sanktion vielleicht zertrümmert worden sein, wenn nicht Englands kraftvolle Unterstützung, den Umfang der Östreichischen Monarchie verhütet hatte. In dem kritischen Zeitpunkt der Annäherung des sioebenjährigen Krieges, unterhandelte der nachmalige Staatskanzler in Wien, Fürst von Kaunitz, das von einsichtsvollen Statistikern widernatürlich genannte Bündnis zwischen Frankreich und Östreich. Ebenderselbe war auch der Stifter von Ludwig XVI. Verbindung mit der K.K. Prinzessin Antonia. Sonderbar ist es, das der Wiener und der Versailler Hof, bei dem am 01.05.1756 geschlossenen Schutz- und Trutzbündnis aus ganz verschiedenen Absichten ausgingen. Dem erstern lag Preussens Erniedrigung und der Besitz von Schlesien am Herzen. Dem andern war es um das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg oder Hannover zu tun, um durch dessen Besitznahme dem König von England, als Herrn dieses ansehnlichen Landes, jenes Gewicht fühlbar zu machen, das die französische Seemacht nach der Eroberung von Minorka, gegen Englands Flotten nicht mehr gewinnen konnte. Nebenbei hatte die Kaisl. Königin Maria Theresia, wenigstens den Vorteil, daß der König von Preussen einen Teil seiner Kriegsscharen an seinen mütterlichen Oheim und Bundesgenossen, den König von England, als Kurfürsten von Hannover, überlassen und daher gegen Östreich mit einer mindern Macht auftreten musste. Wenn das Wiener Kabinett Preussens völligen Untergang beschlossen hatte, woran es nicht an überzeugenden Urkunden fehlt, so wars in jener Periode sehr leicht, Frankreichs Beistand zur Ausführung dieses großen Plans länger zu erhalten, als es wohl die Staatsklugheit dem Hof von Versailles anraten sollen. Weil die Englisch-Preussische Verbindung, dadurch der Aufenthalt eines französischen Heeres in Hannover abgewehret werden sollte, nicht zu trennen, dann eine Königlich polnische Prinzessin, an den Dauphin, Vater des unglücklichen Ludwig XVI. vermählet war, welche kniend vor ihrem Schwiegervater, Ludwig XV. weder Flehen noch Tränen schonte, ihm zur Rache gegen den König vorn Preussen, der in Sachsen einfiel und dieses Kurfürstentum in Beschlag genommen hatte, gleich Anfangs des siebenjährigen Krieges, zu bewegen; so bot Frankreich alle Kräfte zu dessen nachdrücklicher Fortsetzung auf. Auch fand der Kais. Königliche Hof. in der Zukunft noch ganz andere Mittel, dem König in Frankreich die Fortsetzung des Kampfes mit Friedrich und seinem Bundesfreunde in England, annehmlich zu machen, daher Deutschland sechs Jahre hindurch die mächtigsten französischen Heere, zum Ruin der schönsten Provinzen, auf seinem Boden trug. Der preussische Einfall in Sachsen wurde allenthalben als ein Vorgang geschildert, der alle Friedensverträge, die Reichsverfassung, ja das ganze Natur- und Völkerrecht über den Haufen werfe, und man überging bei diesen übertriebenen Schilderungen, entweder mit tiefsten Stillschweigen die Beweggründe zum Einmarsch der Preussen in die Kurfürstlichen Lande, oder bedecke sie mit einem, manches Auge blendenden Schleier. Zu dem französischen Eintritt in Hannover, schwieg man in Wien und an den meisten deutschen Fürstenhöfen, ganz stille, ja man übernahm sogar die Verteidigung der französischen Gewalttätigkeiten in den Staaten und Ländern einiger deutscher Fürsten, mit einer Parteilichkeit, die sich weder der Unwahrheit noch des Undanks schämte. Noch 1743 wohnte König Georg II. von England, der Schlacht bei Oettingen bei, deren glücklichen Ausgang seine Gegenwart nicht wenig beförderte. So setzte dieser Monarch sein eignes Leben der größten Gefahr aus, und gab Marien Theresien dadurch den unwidersprechlichsten Beweis, wie sehr er ihre Sache zu seiner eignen mache. Dabei blieb es noch nicht. England setzte zu Gunsten Östreichss, den Krieg bis zum Aachener Frieden mit Nachdruck fort, und die Kaiserin Königin erhielt den zu Preussen abgetretenen Teil von Schlesien ausgenommen, alle von Karl VI. hinterlassene Erblande in ruhigem Besitz. Wenige Jahre hatten das Andenken an Englands wichtige Verdienste um Östreichs Erhaltung verwischt und zum Zeichen, wie gering man den Wert der vormaligen Freundschaft desselben in Wien anschlage, rief der K.K. Hof selbst, den Erbfeind Großbritanniens und des deutschen Reichs, in Georgs II. deutsche Erbstaaten; allein wie der Ausgang jenes Kriegs lehrte, zu eigenen empfindlichsten Nachteile. Unendliche Kriegslasten, in jener Zeit von der Krone Frankreich auf deutsche Länder gewälzt, konnten doch nicht hindern, das die französischen Finanzen sehr mitgenommen und die Staatsschuld mit einigen Hundert Millionen vergrößert wurde. Eben dieses war auch in England der Fall, nur mit dem Unterschied, das durch den Frieden von Paris, Britanniens Aufopferungen an Gut und Blut, die reicheste Vergütung erhielten. Die englische Seemacht, am Ende des Krieges noch im blühendsten Stande, wurde von Jahr zu Jahr den Franzosen ein stärkerer Dorn in dem Auge. Der britische Handel erschien in allen Weltgegenden als der erste und einträglichste. Da die spanische und französische Marine im Jahre 1763, fast ganz vernichtet gewesen, konnten die Engländer gegen Ost- und Westindiens Reichtümer ihre Fabrikate und Manufakturwaren mit unsäglichen Nutzen vertauschen. Ihre Kolonien in Nordamerika stiegen zu einem hohen Grade der Kultur empor. Ganz Kanada war in ihrem Besitz. Die Küste von Florida bis über die Hudsonbai, huldigte Britanniens Zepter. Solche glücklichen Umstände vermehrten Frankreichs lange schon rege Eifersucht und man erwartete hier mit Ungeduld einen Zeitpunkt, da sich Gelegenheit zu Erniedrigung Englands, anböte. Dieser Zeitpunkt erschien, als die englischen Kolonien in Nordamerika dem Mutterlande den Gehorsam aufsagten. Einige Jahre Einige Jahre ließ es der französische Hof bei bloßen Begünstigungen und geheimer Unterstützung der Kolonien bewenden. Da aber diese unter dem General Washington nicht ohne Glück gegen die englischen Waffen gefochten hatten, brach er endlich los, errichtete mit den aufgestandenen Kolonien ein förmliches Bündnis, in welches auch Spanien gezogen wurde, und half den vereinigten nordamerikanischen Staaten zur Unabhängigkeit von Großbritannien. Dieses konnte den erlittenen Verlust nicht gleichgültig ansehen. Doch wehte noch die britische Flagge auf allen Meeren, und die englische Flotte war auch nach dem Kolonien Krieg in den vortrefflichsten Stande. Vier Jahre genossen die Staaten von Nordamerika ihrer, durch Frankreichs Hilfe errungenen Freiheit, als die Franzosen selbst danach zu gelüsten, den Anfang machten. Nicht englische Anstiftungen oder verheißener Beistand, hatten diese Freiheitssucht erzeugt und genährt. Der Londoner Hof, weit entfernt, die Unruhen in Frankreich durch angesponnene Verwirrung sich zu Nutze zu machen, welches die Franzosen im Gegenteil, nie unterlassen hatten, hielt sich in tiefster Stille, woraus er noch nicht gebracht wurde, als Frankreich schon die königliche Gewalt vernichtete, sich für eine freie Republik erklärte, und die gefährlichsten Grundsätze zum Umsturz aller Königs- und Fürstenthrone, in die Welt ausgehen ließ. Wem ist nicht aus der französischen Revolutionsgeschichte bekannt, das die Repräsentanten dieser Nation den koalierten Mächten die Mordfackel fast aufgedrungen haben? England wurde gleichfalls herausgefordert. Es musste also einen Kampf bestehen, dem das Kabinett von St. James, schon wegen der Kurwürde von Hannover, nicht ausweichen konnte. Der Krieg erforderte gewaltige Summen, da England denselben zu Wasser und zu Lande führte. Nachdem aber Preussen, Spanien, das bezwungene Holland und Östreich, eines nach dem andern vom Kampfplatz abtraten, hielt England einige Zeit die Kriegslast allein aus. Der damalige General Bonaparte lief 1798 mit einer großen Macht aus Toulon. Seine Fahrt war nach Ägypten gerichtet, bei welcher derselbe im Vorbeigehen einen von innen schon vorbereiteten Streich auf Malta ausführte und diese Insel in Besitz nahm. Eigentlich ging die Absicht des französischen Befehlshabers auf Eroberung der Englischen Niederlassungen in Ostindien. Ein ungeheurer, doch zur Ausführung nach damaligen Umständen, nicht ganz verwerflicher Plan. Bonaparte konnte mit seinen vierzigtausend Mann mittelst des arabischen Meerbusens leichter und früher in den Ostindischen Gewässern erscheinen, als die Engländer eine ihm gewachsene Macht nach Begalen bringen. Diese mussten demnach die französische Flotte noch auf dem mittelländischen Meer aufsuchen und alles anwenden, sie zu einer entscheidenden Schlacht zu bringen. Admiral Nelson bekam den Auftrag, zu diesem wichtigen Unternehmen. Er ging mit 13 Linienschiffen, 2 Fregatten und einer Korvette unter Segel. Die Franzosen hatten indessen in Ägypten glücklich gelandet und ihre Flotte in der Bay von Abukir eine solche Stellung nehmen lassen, das sie gegen jeden Angriff durch die schrecklichen Strandbatterien gesichert, und zwischen zwei Sandbänken, von einer großen Anzahl Kanonenschluppen gedeckt lag. Der eben so erfahrene als mutvolle Nelson, ließ sich die Gefahren eines Angriffs nicht abschrecken. Sein Sein Schiff war das erste im Angesicht des Feindes, litte daher mehr als die andern und er selbst ward am Kopf gefährlich verwundet. Das Treffen endigte sich mit Vernichtung der ganzen französischen Flotte. Ein Zufall, der dem General Bonaparte zugleich den Anschlag auf das englische Ostindien verrückte oder wenigstens so erschwerte, das er, um ihn auszuführen, unendliche Schwierigkeiten hätte bekämpfen müssen. Nun setzte er sich in Ägypten fest und bemächtigte sich damit eines Eigentums der Ottomanischen Pforte, die bisher mit Frankreich im Frieden gelebt hatte. Bonaparte sparte weder List noch Kunst, sich in Ägypten Anhang zu verschaffen. Den Großherrn aber und seinen Diwan in Konstantinopel, suchte er zu überreden, dass seine Ankunft in diesem Teil des türkischen Reiches nichts weniger als feindliche Absichten zum Grund habe. Man beurteilte ihn jedoch nicht aus seinen Worten, sondern aus der Tat. Die Türken gingen mit Englischen Truppen vereinigt, den Franzosen in Ägypten u Leibe, die endlich sich ergeben mussten, nachdem von vierzigtausenden nur ein unbedeutender Überrest noch vorhanden; Bonaparte mit äußerten Verdruss nach Europa zurückgekehrt; Malta aber bereits von den Briten erobert war. Der Friede von Amiens machte den Kriege zwischen England und Frankreich ein Ende. Wirklich hat ersteres sehr große Mäßigung dabei bewiesen und von allen Eroberungen nichts als Ceylon in Ost- und die Insel Trinidad in Westindien behalten. Zugleich versprach es Malta zu räumen. Es stund jedoch nicht lange an, so zeigte sich aus deutlichen Gründen, dass dem Haupt der französischen Konsularregierung noch immer an Ägypten und Malta so viel gelegen sei, dass beide den neuen Entwürfen eines Bonaparte nicht entgehen würden. Überdies fuhr dieser fort, gegen den klaren Buchstaben des Friedenstraktats, in der Schweiz und Holland den Meister zu spielen, den König von Sardinien die Schadloshaltung zu versagen, in Italien nach Willkür Veränderungen zu treffen und zu einer Menge anderer Klagen, besonders durch Sendung des Obersten Sebastiani in die Türkei, Anlass zu geben. England hatte alle gemachte Eroberungen, bis auf Malta, dem Frieden gemäß geräumt. Frankreich bestund darauf, dass die Engländer auch diesen Felsen verlassen sollten, ohne die Ursachen, warum es nicht geschah, zu heben. Man kann darüber zu Erörterungen, die aber sämtlich fruchtlos blieben. Alle Schritte des Oberkonsuls gaben zu erkennen, dass er nichts weniger as einen dauerhaften Frieden mit England wünsche. Schon glänzte an seinem Pole das Gestirn des Cäsars. Diesen neuen Stern wollte vielleicht mancher, der bei der Armee diente, nicht aufgehen sehen. Hier riet die Klugheit, so lange der Kaiser noch im Entstehen war, Entfernung an. Dazu erbot sich die schicklichste Gelegenheit in der Kriegserklärung wider England. Dieser rechtfertigte die Besetzung der Küste bei Boulogne in den Augen des Volks. Keine Woche verging, da man nicht das große Landungswunderwerk als nahe oder schon vollendet, damit aber das goldne Zeitalter in Frankreich hergestellt, auf allen Gassen in Paris, ja in allen Winkeln der ganzen Republik hochpreisen hörte. Und was ließ sich von einem Napoleon anders erwarten, dessen von Ägypten her bekannter Religionseifer, für das Seelenheil der Christgläubigen bereits die rühmlichste Sorge getragen und sie wieder mit Tempeln und Priestern versehen hatte? Wie konnte ein so gewissenloser Regent sich das Vergnügen versagen, jene, die er in das Reich Gottes geführt, auch in den Überfluss irdischer Güter zu setzen. Freilich ist, um dieses letztere zu bewerkstelligen, eine gewisse Selbstverleugnung nötig, dass man nämlich keins sonderliches Bedenken trage, anderer Nationen rechtmäßige Habe, sei´s durch welche Mittel es wolle, an sich zu bringen. Lehrte ja wohl einst eine angesehenen Gesellschaft geistlicher Väter, man dürfe böses tun, wann nur etwas Gutes heraus erfolge. Desto weniger Gewissensbeschwerde für Napoleon, wenn er seine Heere in alle Länder aussendet, sich fremden Eigentums zu versichern, damit es als gerechtes Gut in Frankreich verpflanzet, reiche Früchte tragen und den Gesegneten des Herrn in diesem Lande wohl bekommen möge. Die großmütige Sorgfalt des französischen Menschen schließt jedoch andere Völker nicht ganz aus. Er bekriegt England, den stolzen Briten den Hochmut zu legen und sie mit ihrem bittersten Schaden zu belehren wie gefährlich es sei, den Augapfel des Glückes anzutasten. Durch seinen Arm soll die Freiheit der Meere (mit Vorbehalt des Näherechts, versteht sich doch?) hergestellt werden. Und wie sticht nicht auch darin Napoleons Weisheit hervor, das er die Luft zur Seefahrt bei viel tausenden, die sonst dem Wasser, weil es keine Balken hat, nicht würden getraut haben, zu erwecken sucht, oder vielmehr notwendig macht? Länder, worin seine Kohorten eine Zeitlang sich aufhielten, werden in Stand gesetzt, unzähliger Hände zu entbehren, denn hier ist kein Verdienst mehr für sie. Hinaus also mit diesem Überfluss auf das große Weltmeer.

Doch können sie für Frankreichs Schiffahrt gebraucht, oder in den Kolonien als Sklaven wohl versorgt werden. Ist das seeräuberische England einmal in Napoleons Gewalt, o dann jauchzet all e Völker der fünf Weltteile, denn ihr habt die Meeresfreiheit. Dem Beglücker der Menschheit zu Ehren, dichtet Gesänge und Loblieder, ihr alle aus der Zunft der Poeten und Reimeschmiede! Preiswürdig ist schon der Vorsatz, an sich, das man die Meeresfreiheit erkämpfen will. Wie sehr verdient nicht erst seine Ausführung erhoben zu werden? Da wird dem Engländer sein Rum und Punsch teuer zu stehen kommen, wenn er ihn von seinem neuen Herrn in Frankreich sich muss zumessen lassen. Und wir Deutsche können, wenn erst Bonaparte für sich und sein Volk des englischen Wohllebens genug hat, auch noch an den Überbleibseln Teil nehmen, die Franzosen sind ja unsere Nachbarn und Verbündete. Lasst aber die Eroberer der Meeresfreiheit mit Verteilung der englischen Reichtümer und Leckerbissen noch so sparsam sein, so hat mich doch gestern meine Großmutter darüber zu beruhigen versucht, denn, sagte sie, liebes Kind, nun kommen die Zeiten gewisslich, von denen die Sibyllen geweissagt haben, ich verstehe kein Latein, doch erinnere ich mich noch, das mein Bruder mir immer vorplemperte; Iam nova progenies... und das soll heißen: Ein neues Geschlecht kommt vom Himmel hernieder. Weil mehrere Himmel sind, wollte ich gern wissen, aus welchem? Hm! gab er zur Antwort: Aus dem Lufthimmel, wo die Adler und andere Raubvögel über den Wolken schweben. Dem sei, wie ihm wolle, mir ist im Traum vorgekommen, der neue französische Kaiser und seine Familie, sei, wie der Blitz aus dem Wolken, heruntergefahren, darauf fings an, Zucker und Kaffee zu regnen. Siehst du, das sind die Zeiten des Saturns, der bei seines Sohnes, Jupiters Vermählung mit der schönen Semele, alle anwesenden Gäste mit dem besten Kaffee und Punsch bewirtete, denn damals waren solche Sachen spottwohlfeil. Jetzt, denke ich, wird es wieder so werden. Der Kaiser Napoleon will alle Zucker- und Kaffeefässer aus England holen, da hoffe ich also, wird das Pfund, wie der siebenzig Jahren, auf fünf Groschen zu stehen kommen. Wenn das ist, so darf ich mich doch, vor meinem seeligen Ende nochmals satt Kaffee trinken und habe alsdann keine Erdmandel, oder Eichorien, die einem den Geschmack verderben, weiter nötig. Meine Großmutter kann´s getroffen haben - Bonaparte ist ein ganz neues Geschlecht. Viele Adler führt er im Wappen, er kann also mit ihnen im Lufthimmel herumgeflogen sein. Bringt ers nun dahin, dass es Zucker und Kaffee so viel gibt, als wenns geregnet hätte, so sind Saturns Zeiten wieder da, und die Weissagung der Sibyllen ist erfüllt. Wie´s aber den Zweiflern geht, dass ihnen bald da, bald dort, Schwierigkeiten aufstoßen, so gings auch mir mit der Hoffnung sibyllischer Zeiten. Ja dacht´ ich, man liest in der Geschichte Englands, das sich vor Alters sehr viel Wölfe darin aufhielten, deren man aber jetzt nicht Einen mehr sehe, so genau war man ihnen auf der Spur. Wird man nicht den Wölfen die von außen dort eindrungen wollen, sich aus allen Kräften widersetzen und ihnen, ehe sie noch ans Land kommen, den Garaus machen, oder sobald sie darauf sind, ihre Vertilgung beschleunigen? Das jetzo Menschen an die Stelle der vormaligen Wölfe treten, tut nichts zur Sache. Wer absichtlich kommt, an mir seine Raubgier zu sättigen, darf sich des schärfsten Widerstandes versichert halten, und ehe er noch seinen Raub in Sicherheit siehet, den Untergang erwarten. Man werde auf die dermalige Lage zwischen Frankreich und England an, und vergleiche noch die Schrift: Gefahren der Landung in England. Jetzt, da der Römisch Kaiserl. Adler mehrere Schwingfedern verlor, der Russische sich auf sein Felsennest zurückgezogen, der Preussische wie auf der Brut sitzen bleibt, jetzt sollte man freilich denken, wärs den französischen Adlern weniger gefährlich, den Flug über den Kanal nach England zu wagen, weil jene weder die Beute mit diesen teilen, noch sie daran hindern zu wollen scheinen. Vielleicht halten sie sich ruhig, weil ihnen die Freiheit der Meere versprochen ist? Wer wäre dazu leichtgläubig genug? Wien, Berlin, Petersburg, müssten nie den Gesang der Lockvögel gehört haben, um Napoleons Sirenenstimme sich einschläfern zu lassen, oder von seiner Großmut mehr als von England zu erwarten. Napoleon weiß auch gar wohl, das er sich von Vertrauen aller europäischer Höfe, ein paar ausgenommen, wenig zu versprechen habe. Deswegen sucht er sie teils durch Heiraten, teils durch eingeräumte Vorteile an sich zu ziehen, oder ihr Interesse mit dem Englischen, wie z.B. bei Preussen, in Widerspruch zu setzen. Das sind die Kunstgriffe des schlauen Imperators, durch welche er sich, wenns ja zur Landung kommen sollte, den Rücken zu decken vermeint. Durch alles dieses hat er aber den Mächten, die er am meisten zu fürchten hat, noch keine Gewährschaft für ihre künftige Sicherheit, oder gar für unausbleibliche Vorteile, im Fall er England besetzen würde, geleistet. Auch bleibt es eine ewige Unmöglichkeit, diese Gewähr leisten zu können. Napoleon sei eben so mächtig zur See, als auf dem Lande, wer wird diesem Koloss nur einen Nagel an der Zehe verstümmeln? Behandelt er doch jetzt schon die größten Mächte, wie einst Alexander einen ihm vorgestellten Korsaren. Östreich bringt z.B. Lindau gegen gewissen Böhmische Herrschaften an sich, Napoleon nicht seinerseits ganze Länder, z.B. Genau, Lukka usw. ohne eine Spanne Erdboden dran zu setzen. Jenem wirft er gefährliche Vergrößerung in seiner erlassenen Kriegserklärung vor. Ihm soll es für ein Zeichen des preiswürdigen Charakters gelten, wenn er freie Republiken zum Schemel seiner Füße legt. Vor den Augen der ganzen Welt errötet er nicht, zu erklären: Er suche keinen Schuh breit Vergrößerung auf dem festen Lande. Nun, so frage ich, in welchem andern Weltteil Venedig, Dalmatien u.a.m. liegen, in deren Besitz er durch letzten Feldzug gelangte. - Das England seine Ost- und Westindischen Produkte, wegen des unermesslichen Aufwandes im noch andauernden Kriege, zu höheren Preisen verkauft, empfinden freilich viele Staaten mit Schmerzen. Lasst uns annehmen, diese Waren seinen in französischen Händen und unter ähnlichen Kriegsverhältnissen, werden sich auswärtige Länder eben so gewaltiger Summen in baren, klingenden Hilfsgeldern zu erfreuen haben, wie sie Großbritannien an seine Alliierte auszahlen ließ? Als noch alle Moden und Kleidertrachten unter Frankreichs Gebiet standen, zogen die französischen Fabriken unermessliche Summen aus allen Reichen Europen, vornehmlich aus Deutschland? Was bekamen sie sämtlich davon zurück? Nicht einen Pfennig. Alles, was höchstens Deutschland zurück erhielt, beschränkte sich auf das nach Straßburg und Paris ausgegangene Mastvieh, welche Einnahme sich zur Ausgabe wie 1 zu 80 verhielt. Wäre die Unentbehrlichkeit des Fleisches nicht so groß, dass man diesen Artikel zu den ersten menschlichen Bedürfnissen rechnen muss und hinge die Zahlung der dafür nach Deutschland übergehenden Gelder von der französischen Regierung ab, wie unendlich oft würde die Zahlung stocken, besonders wo nur der mindeste Scheintitel zu ihrer Verweigerung sich auftreiben ließe? Im siebenjährigen Kriege bekam ein gewisser Reichskreis für Lieferungen an die französische Armee, die Summe von drei und zwanzig Millionen aktiv zu verrechnen. Nach hergestellten Frieden meldete sich dieser Kreis und bat um Erledigung gedachter Forderung. Die Antwort fiel dahin aus: Man wundere sich, das diese Summe in Paris, und nicht in Wien gesucht werde, indem die Krone Frankreich nicht für sich, sondern für die Kaiserin Königin Krieg geführt habe. Welche Sprache! Die Franzosen gingen damals nach Hessen und Hannover für die Sache Marien Theresiens. Napoleons heutige Kaiserliche Regierung betritt in diesem Punkt die Fußstapfen der vorigen Königlichen aufs genaueste? Was ist der Gerechtigkeit gemäßer, als das die französischen Kriegsvölker nicht auf Kosten der armen Untertanen eines alliierten Fürsten, sondern gegen bare Bezahlung für Mann und Pferd, unterhalten werden? Nein, sagt das französische Völkerrecht: das Land meines Bundesgenossen muss sie ernähren. Wenn der Freund diese Sprache führt, woran erkennt man den Feind? Nun noch einen Blick auf England. Als die Franzosen letztens Wien besetzt hielten, entblößte sich Napoleon nicht, dem Kaiser Franz die unanständigsten Infektionen gegen das Ministerium und den Staat von England in den Mund zu legen, und diese in öffentlichen Blättern bekannt zu machen. Der Englische Handlungsgeist, heißt es darin, ist das Verderben der Welt. Das ist ohngefähr der Sinn der dem Kaiser Franz angeschuldigten Rede. Unsere Leser erinnern sich ohne Zweifel der in öffentlichen Zeitungen von Frankreichs Herrscher erzählten Unterredung mit den bei Ulm gefangenen Östreichischen Generalen, worin unter andern auch diese Erklärung vorkommt: Ich brauche kein Land, nur Schiffe. Die Meinung Napoleons kann doch nicht bloß von Kriegsschiffen zu verstehen sein, sonst hätte er mehr Schwäche, denn Stärke des Geistes verraten. Folglich sprach er von Kauffahrtschiffen, dadurch sich in Frankreich der verfallene Handel wieder beleben sollte. Also ist entweder ein kaufmännischer Genius damals an Napoleons Seite gestanden, als er von diesem Bedürfnis seines Volkers etwas erwähnte, oder er wusste selbst nicht was er haben wollte. Napoleon ist völlig überzeugt, das ein Staat nur durch ausgebreiteten Handel glücklich und seinen Nachbarn furchtbar sei. Die englische Regierung hat allenfalls zähen, oder mehrere Millionen Pfund Sterling nötig: Ihr wird deswegen nicht bange; Sie tritt mit einigen Häusern zu London in Unterhandlung und die Summe ist unterschrieben. Das ist der Dorn im Auge des französischen Zerres. Ihm gebrichts nur noch an dem Metall, wodurch England auf allen Straßen des Ozeans seine Flotten in Bewegung setzt. Kann er dieses den Engländern aus der Faust winden, so bekommen wir eben so viel Kriegsschiffe in den französischen Häfen zu sehen, als die Perser einst Galeeren gegen Griechenland auslaufen ließen, nämlich zwölfhundert an der Zahl. Dadurch würde ein großer Teil der Wünsche Napoleons erfüllt, aber noch nicht allen die Krone aufgesetzt. Einheer von siebenmal hunderttausend zu lande und eine Seemacht von zwölfhundert Kriegsschiffen untätig zu sehen, wäre einen Eroberer, dem diese Welt noch zu Enge zu sein scheint, die den un träglichste Qual? Was bleibt ihm zur Beruhigung übrig, als seine Oberherrschaft in allen Weltteilen gelten zu machen, und unter den Königen, die er seinem Zepter unterwarf, eine Einrichtung, wie vormals die Römischen Kaiser mit ihren Hofämtern zu treffen, sie in Klassen zu ordnen und zu gewissen Zeiten an sein Hoflager zu berufen. Jetzt wären wir da, wohin das Lieblingssprichwort blinder Anbeter Napoleons das Ziel steckt, welche beim Aufstehen und Schlafengehen zum Segen über sich sprechen: Ein Gott und Ein Napoleon! Die Arbeit auf, welche auf diesem Blättern geliefert wird, macht an sich keine Ansprüche auf Beifall, am wenigsten bei denjenigen deutschen Schriftstellern, die unserm Zeiten den Himmel voll Sterne oder gar die glänzendsten Sonnen über Deutschlands Horizont ihre Strahlen verbreiten sehen, wie etwa bei der Verfasser der Schrift: Von den höchsten Interessen des Deutschen Reichs, oder Herr Professor Butte zu Landshut, und der Ankündigung seiner bairischen Annalen. Doch glaubt der Verfasser es seiner Überzeugung schuldig zu sein, den Unbefangenen unter seinen deutschen Brüdern frei zu bekennen, das unser Vaterland von Englands Demütigung durch die französischen Waffen (die jedoch so nahe nicht sein dürfte), nichts als das härteste Joch, davon Deutschlands dermalige Erniedrigung zum Vorteil gelten könnte, zu gewarten habe. Wer noch mehr Beweise, als in dieser Abhandlung schon vorkamen, darüber verlangt, kann sich aus dem Betragen des französischen Kaisers gegen die Holländer, diese seine treu ergebenen Freunde und Bundesgenossen, Überzeugung verschaffen. Vor kaum zwanzig Jahren ging Kaiser Joseph mit dem Gedanken um, seiner Stadt Antwerpen ihren Glanz, den sie durch das Aufkommen Amsterdams, vor einigen hundert Jahren verlor, wieder zu geben. Die Holländer merkten gar bald, was für ein Schicksal ihrer Hauptstadt und gesamten Handlung bevorstehe, wenn der Hafen von Antwerpen gereinigt und die Schiffahrt auf der Schelde eröffnet würde. Sie setzten sich daher lieber dem gerüsteten Kaiser zur Gegenwehr, als das sie durch zaghafte Nachgiebigkeit ihren Wohlstand einem andern Handelsplatz überlassen hätten. Der mit Östreich getroffene Vergleich lastete sie zwar dreizehn Millionen, als Schadloshaltung für die Kaiserl. Kriegsrüstung,. Doch zum Glück war diese Summe schon bezahlt: Die Holländer durften nur abrechnen. Tun wir aber der Sache zu viel, wenn wir daraus folgende Schlüsse ziehen, und schlechterdings behaupten, »das Napoleon die Freiheit der Meere bloß zur Maske seiner Entwürfe gebrauche; dass er England nur aus Privatinteresse zu bekämpfen, alle Kräften anstrenge; dass er Britanniens sogenannten Alleinhandel nur hasse, so lang er nicht in französischen Händen ist; das er die Wohlfahrt anderer Nationen nur im Munde, aber nicht im Herzen hab; das er vielmehr an dem Umsturz derselben aus vollen Kräften arbeite; das er mit der dürstigen Armut der seinen Zepter nicht unterworfenen Menschheit, sein Spiel treibe, und Frankreich zur allgemeinen Schatzkammer der Welt zu machen suche; das er die größten, lästigsten Aufopferungen seiner Verbündeten für Schuldigkeit halte; das er , ohne alle Rücksicht auf die übrige Welt, sich und das französische Volk zum ersten und letzten Zweck habe; das dem Deutschen und allen übrigen Europäern, jeder Blick auf seinen Thron, gefahrahndend zurückkomme.« Dass - -

Doch wir wollen´s einstweilen bei diesen Schlüssen bewenden lassen. Vielleicht werden sie bald durch leidige Erfahrungen in noch helleres Licht gesetzt, dann können wir den Leser mit unsern Ideen über Deutschlands Lage weiter zu unterhalten und von ihm hören, ob wir von der Erniedrigung unsers Vaterlandes zu viel oder zu wenig gesagt haben. In der Schrift: Von den höchsten Interessen des deutschen Reichs findet sich ein Schema von einer neuen Ordnung der dinge, worin der dritte Paragraph also lautet: »Kein souveräner Regent eines ausländischen, durch herrschende fremde Nationalsprache von Deutschland losgerissenen Staates, soll unmittelbares Land im bisherigen deutschen Reich besitzen können.« Wer siehts dieser Stelle nicht an, das sie bei einer Bouteille Champagner oder gar unter französischen Inspiration, in die Feder geflossen sei? Der Verfasser will damit die Engländer aus Hannover verweisen, denen bereits von Frankreich und Preussen der Bannbrief aus den Stammhause und eigentlichen Vaterlande des Königlich großbritannischen Hause, geschrieben worden. Doch, nicht den König Georg III. allein, sondern auch den König von Dänemark, von Schweden, von PReussen von Ungarn, diktiert dieser Paragraph den Abschied. Diesmal bleiben wir nur beim König von England stehen, den die französische Staatskunst unter Beitritt einer der zwein ersten deutschen Mächte, der Erzfürstentümer seiner Väter, mitten in Krieg mit Großbritannien, verlustig erklärt. Ob man diesen Vorgang zu Deutschlands tiefer Erniedrigung rechnen müsse? Wir antworten: Freilich! und zwar zu einer sehr tiefen. So lange Georg III. nicht in der Eigenschaft des Kurfürsten von Braunschweig, Lüneburg, mit Frankreich Krieg führte, so lange mussten dessen deutsche Staaten, wenigstens nicht in die Teilungsmasse geworfen werden, deren Besitz nur der künftige Friede zwischen den streitenden Parteien entscheidet. War schon die französische Besitznahme der Hannoverschen Lande eine Gefährde für das Reich, so ist die jetzige Losreisung derselben aus den Händen des gesetz- und rechtmäßigen Fürsten, »schreckliche Folge der Schlacht von Austerlitz, Wirkung der ungebundensten Gewalt in Deutschland, Umsturz der ganzen Reichsverfassung, willkürliche Verteilung nach dem französischen Privatinteresse, trauriges Zeugnis eines an Haupt und Gliedern geschwächten Körpers, unleugbarer Beweis, das Napoleon den deutschen Kaiser mit seinen hohen und niedern Ständen, für blinde Nullen halte." Man will dann, wie es scheint, für ausgemacht annehmen, das England im Kampfe mit seinem Gegner, gewiss unterliegen und den Krieg nicht so lang fortsetzen werde, das auch der Feind über der langen Fehde ermüdet, endlich zum Frieden die Hand bieten muss. Ein Fall, nicht aus dem Reich der Unmöglichkeit erträumt und der so lang eintreten kann, als die englischen Seehelden, die mit Nelson noch lange nicht alle ausgestorben sind, das Glück auf dem Meere beschwören können. Wie? Wenn Großbritannien einer französischen Landungsflotte den Untergang im Ozean bereitete und diese mit Feuer zu vertilgen Gelegenheit fände, wodurch sich die französischen Saiten bald herabstimmen müssten? Würde Napoleon, gegen andere Vorteile, den König von England nicht herzlich gerne zum Besitz Hannovers behilflich sein? Dagegen würde Preussen zwar seine ganze Macht aufbieten, alleine, wahrscheinlich sich zum Verderben, weil Östreich den Rücktritt des Königs von England in die Regierung und den Besitz von Hannover aus allen Kräften unterstützen, und in diesem Punkt, mit Frankreich gemeinschaftlich zu Werk gehen würde. Lassen sich gleich diese und ähnliche Mutmaßungen mit nichts verbürgen, so führen sie doch keinen innern Widerspruch bei sich, und das ist schon genug.

Unzählig oft hört man in Deutschland die von Großbritannien an Östreich und Russland bei der letzten Koalition bezahlten Hilfsgelder, als traurige Ursache des erst entglommenen Kriegesfeuers ausrufen und verwünschen. Napoleon selbst machte in Wien öffentlich bekannt, das die Einwohner dieser Stadt ihre dermaligen Bedrückungen bloß auf Rechnung der Engländer setzen müssten, indem diese teils durch Bestechungen, teils durch Subsidien, zwei Kaiserhöfe gegen ihn bewaffnet und dadurch den Krieg veranlasst hätten. Er setzt also voraus, dass Östreich und Russland viel zu entkräftet gewesen seien, als das sie ohne englische Hilfe ihre Völker ins Feld führen konnten. Dies zugegeben, was folgt daraus? Sie taten was Frankreich seit Jahrhunderten zu tun pflegte. Die Schweden erhielten im dreißigjährigen Krieg französische Gelder. Das nämlich geschah im siebenjährigen. Beide Kriege wurden auf deutschen Boden geführet, folglich war die Absicht des französischen Hofes das Kriegesfeuer, mitten in Deutschland zum Ruin seiner Einwohner zu nähren. England bezahlte Subsidien, um in Italien die täglich angewachsenen Gefahren zu vereiteln, und Deutschland, wo möglich, von den französischen Joche zu befreien. Welche dieser beiden Mächte war also mit ihren Subsidien dem Reich am wenigsten gefährlich? Das Östreich durch sein Betragen gegen Baiern, die Absicht der Entschließung zum Krieg zweideutig machte, ist freilich unleugbar. Unstreitig ist aber auch, das die von Napoleon angenommene Königskrone und die gewaltigen Vergrößerungen seines Reiches in Italien, den vorliegenden Traktaten schnurstracks entgegen, und Östreich von dieser Seite bedrohend waren. In dieser bedenklichen Lage, konnte es seine Waffen nicht ruhen lassen. Russland hatte die Garantie des Lumeviller Friedens auf sich. Aus dem Grund durfte Alexander I. nicht nur von Frankreich dessen pünktliche Beobachtung fordern, sondern auch auf die Erfüllung der Friedensartikel mit Gewalt dringen, wenn man, wie hier geschah, sich dessen weigerte. Der fette Bissen, den Östreich an Baiern sich schmecken zu lassen vorhatte, konnte ihm ohne Russlands, Preussens, Frankreichs Beitritt, nie zu Teil werden. Hierüber hätte sich auch kein Krieg erhoben, daher ist es bloß französische Täuschung, wenn man das Elend, worunter Deutschland seufzt, oder vielmehr erliegt, auf Englands Subsidiengelder, durch welche sich Östreich so sehr hätte verblenden lassen, hinaus schieben will. Seitdem der englische Handel sich durch alle Weltteile verbreitet und zu einer Höhe erhoben hat, die den Handel aller andern Reiche weit hinter sich lässt, ist die französische Eifersucht im gleichem Grade gestiegen, und da jetzt Napoleon Millionen Menschen genug hat, die er der Ausführung seiner, die Grenzen der Erde begreifenden, Pläne, aufopfern kann, so tobt in ihm die Unruhe, welche Ludwig XIV. schon zuweilen schlaflos machte, desto stärker, nämlich durch Eroberung der englischen Schätze und Seemacht, zu allen Regentender Erde das Wort reden zu können: Das will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Möchte doch von meinen lieben deutschen Mitbrüdern die schon in der Mitte des siebzehnten Sekulums erschienene Schrift gelesen und erwogen werden: L´Europe Escalve, si l´Angleterr ne rompt pas fes fers. (Europa in Sklaverei, wenn nicht England seine Fesseln zerbricht.)

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