EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Albert Kasimir von Sachsen-Teschen

* 11.07.1738 in Moritzburg bei Dresden
† 10.02.1822 in Wien

Albert Kasimir von Sachsen-Teschen (1738-1822) war ein österreichischer Reichs-Generalfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Zunächst Reichsstatthalter in Ungarn und dann Generalgouverneur in den Österreichischen Niederlanden
Albert Kasimir von Sachsen-Teschen (1738-1822)

Albert Kasimir August Ignaz Pius Franz Xaver von Sachsen Sachsen-Teschen, Albert Kasimir von war das 13. Kind und der sechste Sohn des sächsischen Kurfürsten und Königs von Polen Friedrich August von Sachsen (1696-1763) und der aus Österreich stammenden Erzherzogin Maria Josefa (1699-1757). Der Großvater war Friedrich August I. (1670-1733), der als August der Starke in die Geschichtsbücher einging. Der Großvater mütterlicherseits war von 1705 bis 1711 als Joseph I. Kaisr des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Als auch während des Siebenjährigen Krieges in Sachsen und der Residenzstadt Dresden einmarschieren, hielt er sich mit seiner Mutter Maria Josefa in Dresden auf. Er musste, wie sein Bruder Clemens Wenzeslaus die Drangsale der preußischen Besatzung erleben. So erhielt der Prinz, der bisher einen eigenen Kinderhofstaat besaß, von den preußischen Behörden ein geringes Taschengeld. Nach dem Tode der Mutter, der Vater war nach Polen geflüchtet, entschlossen sich die beiden Geschwister zum Eintritt in die österreichische Armee. Er nahm in der Folge an den Gefechten von Maxen und Meißen teil. Im Jahre 1760 wurde der junge Prinz der Erzherzogin Maria Theresia von vorgestellt. Er erhielt das Kommando über ein österreichisches Kürassier Regiment sowie zeitgleich ein Patent als Generalleutnant. Dieser hohe militärische Dienstgrad ergab sich aus der königlichen Abstammung des Prinzen, dessen Vater zugleich König von Polen war. Unter Feldmarschall von Daun (1708-1766) zeichnete sich der junge Prinz bei Hohenfriedberg und Hennewalde aus. Auch nach dem Frieden von Hubertusburg im Jahre 1763 blieb er in österreichischen Diensten.

Im Jahre 1764 wurde Albert Kasimir von Sachsen in die Freimaurerloge »Zu den drei Schwertern« aufgenommen.

Am 08.04.1766 ging Herzog Albert Kasimir die Ehe mit seiner Cousine 2. Grades Erzherzogin Marie Christine (1742-1798) ein. Seine Gattin war die Lieblingstochter der österreichischen Regentin Maria Theresia (1717-1780) und Kaiser Franz I. Stephan (1708-1765). Da der Brautvater kurz zuvor verstarb wurde auf der Hochzeit Trauer getragen. Diese Ehe wurde nicht nur aus politischen Gründen, wie es bei den Geschwistern Marie Christines üblich war, geschlossen sondern war eine Liebesheirat. Albert Kasimir erhielt aus der Erbmasse seines verstorbenen Schwiegervaters das Herzogtum Teschen im österreichischen Teil Oberschlesiens.

Im Jahre 1767 wurde Albert Kasimir von Sachsen-Teschen zum Reichsgeneralfeldmarschall ernannt. Die Ernennung erfolgte im Einvernehmen zwischen den jungen Kaiser Joseph II. und den Immerwährenden Reichstag.

In den Jahren 1765 bis 1780 fungierte der Herzog von Teschen als Statthalter von Ungarn und übersiedelte nach Preßburg. Schloss Halbturn wurde zu seinem Sommersitz. In jener Zeit setzte er sich für die von Kaiserin Maria Theresia angedachten Reformbestrebungen ein. Während des bayerischen Erbfolgekrieges führte er ein Reservekorps in Mähren.

Ab dem Jahre 1780 übernahm er die Aufgaben des Generalgouverneurs in den Österreichischen Niederlanden und richtete sich in Brüssel häuslich ein. In jener Zeit ließ er auch das Schloss Laeken, das heute Sitz des belgischen Königshauses ist, erbauen. Schon in jener Zeit versammelte der Herzog zahlreiche Kunstwerke in seinem Wohnsitz. In jener Zeit gärte es jedoch schon in den Niederlanden.

So wurde der am 15.11.1715 zwischen den Vereinigten Niederlanden und Österreich geschlossene 3. Barriere-Traktat. Durch diesen Vertrag sicherte sich Österreich, dass durch die Friedensschlüsse von Utrecht und Rastatt die Spanischen Niederlande übertragen bekamen, in den Städten Veurne, Knokke, Ypern, Menen, und Dorrnik sowie in Namur und Warneton das ausschließliche Besatzungsrecht wahrzunehmen, während sie es in Demdermonde und Roermond nur gemeinsam mit den Österreichern ausüben konnten. Österreich verpflichtete sich jährlich 500.000 Reichstaler für die Instandhaltung der festen Plätze bereitzustellen. Während des österreichischen Erbfolgekrieges wurden die Plätze durch die Franzosen größtenteils erobert und entsprechend geschleift. Im Jahre 1781 hob Kaiser Joseph II. das Barriere-Traktat einseitig auf. Im folgenden Jahr räumten die Truppen der Vereinigten Niederlande die Plätze und verzichtete im Jahre 1785 auf formell auf ihr Besatzungsrecht.

Ein weiterer Konfliktpunkt in den Österreichischen Niederlanden war der sogenannte Scheldestreit. König Joseph II. forderte die Öffnung der seit dem Westfälischen Friedensschluss von 1648 gesperrten Schelde. Dies lehnten die Vereinigten Niederlande mit Hinweis auf ihre Sicherheit entschieden ab. Die Vereinigten Niederlande sperrten die Schelde-Mündung und hinderten – auch gewaltsam -österreichische und flandrische Schiffe an der Durchfahrt. Erst im Friedensschluss von Fontainbleau zwischen Österreich und den Vereinigten Niederlanden am 08.11.1785. Die Schelde blieb, unter Bestätigung der Beschlüsse von 1648, weiterhin zwischen Saafringen und dem Meer für österreichische und flandrische Schiffe gesperrt. Für seine Ansprüche auf Maastricht erhielt Österreich eine Entschädigung in Höhe von 9,5 Millionen holländischen Gulden zugesprochen. Die Garantie dieses Friedens gewährte Frankreich, dass den Vertrag durch die Vermittlung des Ministers Vergennes (1717-1787) zustande kommen ließ.

Auch die Umsetzung der Josephinischen Reformen gehörte zu seinen Aufgaben. Im Rahmen der Organisationsreform des Jahres 1787 sollte der Herzog von Sachsen-Teschen die alte föderalistische und feudale belgische Verwaltung durch eine zentrale absolutistische umwandeln, was jedoch nur mit Zustimmung der Stände möglich wäre. In der folgenden belgischen Revolution verließ der Herzog mit seiner Gattin das Land. Erst mit der Unterwerfung der österreichischen Niederlande durch Kaiser Leopold II. kehrte er für kurze Zeit wieder zurück.

Während des Feldzuges gegen Frankreich kommandierte Herzog Albert Kasimir die belgisch-österreichische Armee und siegte bei Maulbeuge und belagerte später Lille. Am 06.11.1792 musste er sich jedoch in der Schlacht von Jenappes geschlagen geben. Diese österreichische Niederlage führte dazu, dass das gesamte Gebiet der Österreichischen Niederlande von kaiserlichen Truppen geräumt wurde und die französischen Revolutionstruppen die österreichische Herrschaft beendeten.

Im Jahre 1794 übernahm der Herzog als Reichsfeldmarschall das Kommando über die deutsche Reichsarmee am Rhein im Krieg gegen das revolutionäre Frankreich. Unter seinem Befehl gelang es zunächst die Neufranken - wie das revolutionäre Frankreich genannt wurde - über den Rhein zu treiben und bis in die Vogesen zurückzudrängen. Doch dieser Erfolg war nur kurzzeitig und letztlich musste er sich über den Rhein nach Mannheim zurückziehen. Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen konnte - mangels Unterstützung der verbündeten Preußen - den Rhein nicht mehr verteidigen. Nach den im April 1795 der preußische König Friedrich Wilhelm II. in Basel einen Sonderfrieden mit Frankreich geschlossen hatte, löste sich die Reichsarmee auf und Herzog Albert reichte am 23.05.1795 seinen Abschied ein und zog sich ins Privatleben zurück.

Albert Kasimir von Sachsen-Teschen ging zunächst nach Dresden und später nach Wien. In Wien ließ er das Palais von Emanuel Teles de Silva beziehen. Es gelang ihm auch einen Großteil seiner Kunstsammlung vor den anrückenden Franzosen nach Wien zu retten. Noch heute befindet sich an dieser Stelle die nach ihm benannte Kunstsammlung Albertina. Eine Schiffsladung mit Kunstgegenständen ging bedauerlicherweise während eines Sturmes im Ärmelkanal unter.

Die Ehe mit Marie Christine kinderlos. Die 1767 geborene Tochter starb am Tage nach der Geburt. In Folge der missglückten Geburt erkrankte die Herzogin an Kindbettfieber. Sie starb im Jahre 1798 an den Folgen eines Magenleidens.

Mit dem Bau der Albertinischen Wasserleitung von Hütteldorf nach Wien realisierte Albert Kasimir von Sachsen-Teschen eine Idee seiner verstorbenen Ehefrau. Im Dezember 1802 nahm die Niederösterreichische Regierung das Angebot an und Ende 1804 wurde das Bauwerk für 400.000 Gulden fertiggestellt. Es war das erste Wasserleitungsprojekt mit weiträumig, angelegten Rohrnetz in der Wiener Stadtversorgung. Die Leitung wurde bis in das Jahr 1890 betrieben.

Der Witwer Albert Kasimir von Sachsen-Teschen heiratete nicht mehr und widmete sich seiner wachsenden Kunstsammlung. Seiner verstorbenen Ehefrau ließ er in der zur Wiener Hofburg gehörenden Augustinerkirche ein Grabmal aus den Händen Antonio Canovas (1757-1822) erschaffen.

Herzog Albert Kasimir von Sachsen-Teschen starb am 10.02.1822 in der österreichischen Hauptstadt Wien. Seine letzte Ruhestätte fand der Herzog in der Kapuzinergruft während sein Herz getrennt bestattet wurde. Dieses befindet sich noch heute in der Herzgruft der Habsburger in der Loretokapelle der Wiener Augustinerkirche.

Nach dem Tode des Herzogs ging die Kunstsammlung in den Besitz seines Neffen und Adoptivsohnes Erzherzog Carl (1771-1847) über. Dieser wurde auch nach dem Tode Albert Kasimirs Herzog von Teschen. Sein Neffe Erzherzog Johann (1782-1859) wurde ebenfalls von ihm in seinem Testament bedacht und konnte sich so zu einem Wohltäter der Steiermark entwickeln.

Noch heute erinnert die Albertgasse im Wien-Josefstadt (8. Bezirk) an den Herzog von Albert Kasimir von Sachsen-Teschen.

Letzte Änderung der Seite: 24. 09. 2017 - 21:09