EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Paul I. von Russland

* 01.10.1754 in St. Petersburg
† 24.03.1801 in St. Petersburg

Paul I. von Russland (1754-1801) war ab 1796 russischer Zar. Er wandte sich komplett von der Politik seiner Mutter ab und trat zunächst auf Seiten der Koalition in den Krieg gegen das revolutionäre Frankreich. Er beendete auch die langen Kriege mit dem
Paul I. von Russland (1754-1801)

Zar Paul I. (1754-1801) suchte während seiner Amtsperiode eine Annäherung an Frankreich.

Paul Petrrowitsch Romanow-Holstein-Gottorp wurde am 20.09.1754 – nach dem julianischen Kalender - als Sohn der Großfürstin Katharina (1729-1796) , der späteren russischen Zarin Katharina II., geboren. Obwohl die Vaterschaft des Großfürsten Peter (1728-1765) angezweifelt wurde, erkannte er diesen zeitlebens als seinen leiblichen Sohn an. Bei seinen anderen Kindern hegte der russische Zar Zweifel an der Treue seiner Gattin.

Vielmehr galt Graf Sergej Wassiljewitsch Saltykow (1726-1765) als Vater des späteren Zaren. Seine Kindheit verlebte Paul am Hofe seiner Großtante der Zarin Elisabeth Petrowna (1709-1761), die plante den Jungen als ihren Nachfolger einzusetzen und damit seinen Vater zu übergehen.

Im Jahre 1762 wurde Zar Peter III. durch seine Gattin Katharina gestürzt und später – vermutlich auf deren Geheiß hin – ermordet. Der Zarewitsch lebte mit seiner Familie zusammen im Gatschina-Palais, wo er einen eigenen kleinen Hofstaat aufbaute. Hierzu schenkte ihn seine Mutter, die Zarin, eine eigene kleine Armee. Paul Petrowitsch war gegenüber seiner Umgebung stets sehr misstrauisch, dies ließ sich wohl auf die Entfremdung zur Mutter und die erlittene Gewalt in der Kindheit zurückführen.

Im Jahre 1773 musste er auf Druck seiner Mutter auf das väterliche Erbe, das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf verzichten.

Die Mutter beabsichtigte den jungen Thronerben zu verheiraten und ihre Wahl fiel auf die Prinzessin Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt, die zusammen mit ihrer Mutter und ihren zwei Schwestern auf Einladung der Zarin in St. Petersburg weilte. Die Ehe wurde am 10.10.1773 vollzogen.

Im folgenden Jahr begleitete der Zarewitsch Paul I seine Mutter nach Moskau. Hier erhielt er von Andrej Rasumowsky versucht wurde, in Umsturzpläne gegen seine Mutter verwickelt zu werden. Dieser lehnte ab und die Zarin, die die Umsturzpläne nicht verborgen blieben, versuchte die Freundschaft zwischen ihrem Sohn und Rasumowsky zu hintertreiben. Seine Gattin Natalija Alexewna versuchte diese Absicht zu untergraben, starb jedoch frühzeitig im Kindbett. Es kam der Verdacht auf, dass Rasumowsky und die Großfürstin ein Verhältnis hatten und er wurde vom Hof entfernt und trat eine Stelle als Gesandter in Venedig und später Neapel an.

Nun fädelte Katharina II. eine weitere Ehe ihres Sohnes ein. Unter Vermittlung von Prinz Heinrich von Preußen versuchte sie mittels der Unterstützung Friedrich II. die bereits eingeleitete Verbindung zwischen der württembergischen Prinzessin und dem Erbprinzen Ludwig von Hessen-Darmstadt (1753-1830) zu hintertreiben. Auf Einladung des preußischen Königs reiste der Zarewitsch nach Berlin, wo er seine zukünftige Gattin, die württembergische Prinzessin kennen lernte. Sie gefiel ihm und Paul beschloss seine Hochzeit. Durch zahlreiche Feste verstand es Friedrich II., den russischen Thronfolger in seinen Bann zu ziehen. Nach seiner Rückkehr nach St. Petersburg wurde die Ehe am 07.10.1777 vollzogen.

Die Zarin hielt ihren Sohn weiterhin aus der politischen Verantwortung, so durfte er zum Beispiel als Großadmiral der russischen Marine nicht einmal den Flottenstützpunkt in Kronstadt besuchen. Die Aussicht auf das häusliche Glück und eine Reise durch Europa ließen ihn das Schicksal ertragen. So reiste er zusammen mit seiner Gattin im Jahre 1780 nach Polen, Deutschland, Italien, Frankreich und Holland waren seine Reisestationen. Nach einer Abwesenheit von 12 Monaten kehrte das Paar an seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort nach Gatschina zurück.

Seine Mutter untersagte ihm die Teilnahme am Feldzug gegen die Türken, auch sonst band sie ihn weiterhin nicht in die Staatsgeschäfte ein. Für kurze Zeit durfte er am finnischen Krieg gegen König Gustav III. Doch als er auch hier erkannte, dass ihm keine Macht zur Verfügung stand, kehrte er missmutig auf sein Anwesen zurück. Als im Jahre 1789 die Französische Revolution ausbrach, kamen auch viele französische Emigranten nach Russland, wo sie im Großen und Ganzen freundlich aufgenommen wurden. Der junge Thronfolger sprach sich für einen Beitritt Russlands in einer Koalition gegen das revolutionäre Frankreich aus. Seine Mutter hielt es jedoch für die bessere Entscheidung, die beiden ihr in Europa gefährlich werdenden Mächte Österreich und Preußen alleine marschieren zu lassen. Erst kurz vor ihrem Tode sah sie sich gewogen, auf Seiten der Koalition in den Krieg einzutreten.

Am 17.11.1796 schloss Zarin Katharina II. die Augen für immer und Paul ließ sich als neuer Zar ausrufen. Ein Testament, dass noch von der Zarin aufgesetzt wurde, sah vor, dass nicht Paul sondern sein erstgeborener Sohn Alexander wurde von Minister Potemkin zurückgehalten, da das Ansehen des berechtigten Thronfolgers im Volk zu groß war.

Zu seinen ersten Anordnungen gehörte die Überführung des Leichnams seines Vaters in die Kaisergruft Russlands. Am 05.04.1797 erließ er ein Gesetz, wodurch die weibliche Thronfolge ausschlossen wurde. Am 17.04.1797 erfolgte die feierliche Krönungszeremonie in St. Petersburg.

Auch mit der gesamten Politik seiner Mutter brach der neue Monarch vollständig, vielmehr knüpfte er an die Vorstellungen seines Vaters Zar Peter III. an, die er durch seine kurze Regierungszeit selbst nicht mehr verwirklichen konnte.

So entließ er zunächst alle Gefangenen, die durch den Geheimen Staatsrat verurteilt wurden. Er befreite ebenso die Gefangenen des polnischen Aufstandes von 1794 und schaffte die allgemeine Wehrpflicht ab. Auch für die Leibeigenen gab es unter ihm Reformen. So schränkte er zum einen die grundherrlichen Freiheiten ebenso ein, wie er die Pflichtarbeit der Leibeigenen begrenzte. So mussten diese nur noch drei Tage in der Woche für ihre Grundherren arbeiten.

In der russischen Armee führte Paul I. die durch seine Mutter abgeschafften Soldatenzöpfe wieder ein. Er war, wie sein Vater ein großer Liebhaber des preußischen Militärs in Zeiten Friedrich des Großen.

Auch außenpolitisch vollzog die Politik des Zaren einen Wandel in den fünf Regierungsjahren. So schloss er zunächst mit den Osmanischen Reich einen Frieden und entsandte als Teil der Koalition ein Heer von 100.000 Mann unter dem Befehle Suworows nach Europa. Es kämpfte in der Schweiz, in Italien, sogar in den Niederlanden und eine Flotte unter dem Befehle Admiral Uschakows wurde in den Mittelmeerraum entsandt. Nach der Niederlage von Zürich zog er seine Truppen zurück, wurde von Napoléon Bonaparte umschwärmt. Auf diese Weise wurde sein Unbehagen gegen die englische Politik und den englischen Premierminister Pitt wuchs.

Nun folgte eine Annäherung Russlands an die Republik Frankreich, die seit 1799 durch Napoléon Bonaparte als Konsul geführt wurde. Dies führte soweit, dass nicht nur der im Exil lebende französische König Louis XVIII. das Land verlassen mussten, sondern alle französischen Emigranten. Auch wurde dem französischen Exil-Monarchen eine durch den russischen Staat gezahlte Pension gestrichen. Unter Pauls Sohn Alexander I. sollte es zu einer Annäherung zwischen Frankreich und Russland kommen. So ließ er zuletzt Pläne für eine Besetzung der britischen Besitzungen in Indien durch den russischen Generalstab erarbeiten.

In dieser Zeit gewährte er den Rittern des Malteserordens in seinem Reiche eine Zuflucht gegen die französischen Expansionspläne im Mittelmeerraum. Aus Dankbarkeit wurde der Großmeister des Ordens Hompesch abgesetzt und dem Zaren der Titel eines Großmeisters der Malteser verliehen. Im Jahre 1803 wurde wieder ein römisch-katholischer Großmeister in diesem Amt bestätigt.

Ab November 1800 zog Paul mit seiner Familie in das Michaels-Schloss, das sich auf einer kleinen Kanalinsel, die sich aus den Flüssen Fontanka, Moika und zwei Kanälen bildete. Die Bauzeit für das Schloss betrug 6 Jahre und all die vielen Sicherheitsmaßnahmen wie beispielsweise Zugbrücken, Wachen, den vielen Räumen, Gängen und Ebenen retteten ihm nicht das Leben.

Nachdem er auf die Abdankung zugunsten seines Sohnes Alexander nicht einging wurde er in der Nacht zum 24.03.1801 durch eine Adelsverschwörung unter Führung des Fürsten Zubow und von der Pahlens erstickt. Diese Absetzung sollte mit stillschweigender Zustimmung des Zarewitschs Alexander erfolgt sein.

Seine letzte Ruhestätte fand der Zar in der Peter-und-Paul-Kathedrale in St. Petersburg.

Paul heiratete im Jahre 1773 die deutsche Prinzessin Wilhelmina Luisa von Hessen-Darmstadt (1755-1776), die nach dem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben Natalja Alexejewna hieß. Sie starb nur 2 Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes am 28.04.1776.

Am 07.10.1777 heiratete er Prinzessin Sophia Dorothea Augusta Luisa von Württemberg (1759-1828), die als Maria Fjodorowna dem Zaren 6 Mädchen und 4 Jungen gebar. Zu seinen Söhnen gehörten die späteren Zaren Alexander I. und Nikolaus I. Romanov.

Im Jahre 1928 verfilmte Ernst Lubisch das Leben Paul I. in seinem Film »Patriot«. 

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