EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Karl Ludwig von Le Coq

* 23.09.1754 in Eilenburg
† 14.02.1829 in Berlin

Karl Ludwig von Le Coq wurde am 23.09.1754 als Sohn des sächsischen Generalleutnants Johann Ludwig von Le Coq (1719-1789) geboren. Die Familie gehörte zu den aus Frankreich geflohenen Hugenotten.

Schon im Alter von 6 Jahren wurde der junge Karl Ludwig in die sächsische Armee aufgenommen, er begann seine militärische Laufbahn im Jahre 1770 als Sous-Lieutenante im Regiment von Riedesel (Nr. 10), wo er bis zum Jahre 1779 zum Kapitän und Kompaniechef befördert wurde. Im April des Jahres 1787 nahm er seinen Abschied aus der sächsischen Armee.

Schon im folgenden Monat trat der junge Offizier in die preußische Armee ein. Ihm wurde das Kommando über das preußische Füsilierbataillon Legat Nr. 20 übertragen. Wenige Monate später, im Dezember des gleichen Jahres, trat er in den preußischen Generalstab ein.

Am ersten Koalitionskrieg zwischen 1792 und 1795 nahm er im Stabe des Herzogs von Braunschweig teil. So nahm er an der Schlacht von Valny am 20.09.1792 teil. Bei der Belagerung von Mainz im Jahre 1793 zeichnete sich der Generalstabsoffizier besonders aus und wurde mit dem Orden Pour le Merite dekoriert. Nach Ende der preußischen Kampfhandlungen - durch Abschluss des Baseler Friedens im April 1795 - übernahm der Herzog von Braunschweig das Kommando über die preußische Observationsarmee, die die Demarkationslinie zwischen Frankreich und Norddeutschland überwachte. Le Coq wurde im Range eines Obersten zum Generalquartiermeisterleutnant der 33.000 Mann großen Armee bestellt.

Im Rahmen seiner Aufgabe als Generalquartiermeisterleutnant erkannte Oberst Le Coq, dass das vorhandene Kartenmaterial des nordwestdeutschen Raumes nur sehr unzureichend war. So beauftragte er schon im Jahre 1796 eine kleine Gruppe von Offizieren mit der Erfassung von Gebieten, deren Kartenmaterial nur unzulänglich gewesen ist. Dieses Gebiet reichte vom Herzogtum Westfalen bis zu den ostfriesischen Inseln im Norden.

Als Vorbild diente ihm die bereits in Frankreich vorhandene »Carte Géometrique de la France 1 : 86 400«. Dies war eine auf Basis einer genauen Vermessung Frankreichs erstellte Karte César François Cassini de Thury (1714-1787).

Bis zum Jahre 1803 konnte der Offizier nur die Fertigstellung von insgesamt 7 Karten melden, die auch für militärische Zwecke brauchbar gewesen sind. Eine Gesamtkarte für das Gebiet zwischen Nordsee und Köln und zwischen Kleve und Hannover konnte auf Grund der politischen Geschehnisse und des großen Territoriums nicht mehr realisiert werden. Er äußerte sich dazu:

Bey diesem [unbefriedigendem] Zustande des Kartenwesens konnte ich die Musse des Friedens in den Ländern innerhalb der Demarcation nicht besser benutzen, als diesen Zustand durch neue Aufnahmen und durch Rectificirung der vorhandenen Karten zu verbessern. Allein die Ungewissheit über die Dauer dieser Aufnahme, welche von dem Kriege abzuhängen schien, und Störungen durch politische Ereignisse, die auch sehr oft eintraten und den Fortgang hemmten, gestatteten nur einen eingeschränkten Plan, den man nach den Umständen zwar erweitern konnte, aber im Ganzen auf die Ausführung doch immer einen nachtheiligen Einfluss haben musste.

Durch seinen persönlichen Einsatz im ersten Koalitionskrieg zwischen 1792 und 1795 erwarb sich der talentierte Offizier das Vertrauen von König Friedrich Wilhelm II. und des Kronprinzen und späteren Monarchen Friedrich Wilhelm IIl.. Dies bedeutete für den Generalstabsoffizier auch die Verwendung für heikle diplomatische Missionen. Diese Verwendung führte ihn im Jahre 1801 an den russischen Hof nach St. Petersburg. Zuvor vermittelte Le Coq den Übertritt des aus Hannoverschen Diensten kommenden Oberstleutnants Scharnhorst in eine preußische Anstellung. Le Coq gehörte auch als einer der ersten der von Scharnhorst in Berlin gegründeten »Militärischen Gesellschaft« an, die der General Ernst von Rüchel vorstand.

Im Jahre 1801 verlieh ihm König Friedrich Wilhelm IIl. die Stelle eines Kommandeurs und Chefs des Potsdamer Grenadier-Gardebataillons Nr. 6, das aus den Langen Kerls hervorgegangen war. Bis zur preußischen Niederlage im Jahre 1806 führte es den Namen des Regimentsinhabers Karl Ludwig Le Coq. Zugleich wurde der Offizier auch in die Prüfungskommission für angehende Generalstabsoffiziere berufen. Im Jahre 1803 wurde er zum Generalmajor befördert. Im Folgejahr gründete er noch eine Junkerschule.

Mit Ausbruch des Krieges von 1806 gegen Frankreich wurde ihm das Kommando über das Observationskorps in Westfalen übertragen. Le Coq traf am 02.10.1806 in Münster ein und wurde von General von Blücher über die ausgebrochenen Kampfhandlungen in Kenntnis gesetzt. Als am 14.10.1806 das preußische Herr in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt vernichtend geschlagen wurde, versuchte er zunächst seinen Truppenverband an die Elbe zurückzuführen. Da Generalmajor von Le Coq fürchtete den Fluss nicht mehr rechtzeitig zu erreichen schwenkte er mit seinem Truppenkorps in Richtung der preußischen Festung Hameln, die er am 24.10.1806 erreichte.

Die Festung wurde von General von Schoeler befehligt, während in der Nähe noch ein Truppenverband des Generals von Hagken lag. Zusammen umfassten die Truppen eine Gesamtzahl von circa 10.000 Mann. Nach unbedeutenden Gefechten am 07.11.1806 begann General von Schoeler bereits am 10.11.1806 mit Unterhandlungen. Die Franzosen waren am 07.11.1806 vor der Festung erschienen.

Mitte November zogen sich die Truppen des Generals von Le Coq aus ihrem Lager in die Stadt Hameln zurück. Zunächst schien es, als ob der General an eine ernsthafte Verteidigung der Festung dachte. Doch als am 20.11.1806 der französische General Savary mit einem Truppenverband von 6.000 Soldaten vor der Festung auftauchte, entschied man sich zur Kapitulation. Am 22.11.1806 um 9 Uhr morgens wurde die preußische Festung, obwohl für mindestens einen Monat ausreichend munitioniert und proviantiert gewesen, ohne direkt angegriffen worden zu sein, an den Gegner übergeben. Die preußischen Mannschaften sollten nach Frankreich in die Kriegsgefangenschaft marschieren während die Offiziere auf Ehrenwort in diesem Kriege nicht mehr gegen Frankreich die Waffen in die Hand zu nehmen, in die Heimat entlassen wurden. So kehrte der Generalmajor nach Potsdam zurück und erbat seine Entlassung um in dänische Dienste zu treten. König Friedrich Wilhelm IIl. lehnte dieses Ansinnen jedoch ab und untersagte ihm zugleich Preußen zu verlassen.

Im Jahre 1809 wurde durch die Immediatkommision zur Untersuchung der Kapitulationen der Festungen auch die Kapitulation der Festung Hameln untersucht und bewertet. In Folge der Untersuchungen wurde Generalmajor Karl Ludwig von Le Coq im Dezember 1809 aus der preußischen Armee entlassen und zugleich zu lebenslanger Haft in der Festung Spandau verurteilt.

Doch schon früh wurden ihn Hafterleichterungen eingeräumt. So durfte er sich schon im Januar 1810 auch in der Stadt Spandau aufhalten. Seit dem Jahre 1812 durfte er auch sein Gut Pichelsdorf besuchen. Ein Gnadengesuch lehnte der König zunächst ab und zu Beginn des Befreiungskriegs wurde ihm Anfang April gestattet, seinen Wohnsitz in Oranienburg zu nehmen. Erst nach Ende des Befreiungskriegs wurde der entlassene Generalmajor begnadigt.

Karl Ludwig von Le Coq nahm seinen Wohnsitz in Berlin. Dort widmete er sich weiterhin der Kartografie. Er veröffentlichte sein bereits im Jahre 1805 abgeschlossene Kartenwerk über den nordwestdeutschen Raum unter den Titel »Das nordwestliche Deutschland, oder Generalblatt zu der vom G. M. von Le Coq in 22 Bl. Herausgegebenen gr. Karte von Westphalen«.

Privat schloss der preußische Offizier die Ehe mit Marie Charlotte Lautier (1760-1826). Von den vier Kindern des Paares erreichten jedoch nur zwei Töchter das Erwachsenenalter.

Insgesamt führte der ehemalige General ein zurückgezogenes Leben. Im Laufe der Zeit verschlechterte sich auch ein Sehvermögen deutlich. Er starb am 14.02.1829 verwitwet und völlig erblindet in Berlin. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Französischen Friedhof.

Insgesamt hat sich Generalmajor Karl Ludwig Edler von Le Coq um die kartografische Erschließung des nordwestdeutschen Raumes sehr verdient gemacht. Insbesondere ist auf den Karten erkennbar, wie sich zum Beispiel die friesischen Inseln in den letzten 200 Jahren verändert haben. Seine Arbeit wurde von Karl von Müffling fortgesetzt.

Werke:

  • Topographische Karte in 22 Blättern den größten Theil von Westphalen enthaltend, so wie auch das Herzogthum Westphalen und einen Theil der hannövrischen, braunschweigischen u. heßischen Länder ; nach astronomischen und trigonometrischen Ortsbestimmungen / hrsg. vom General-Major von LeCoq im Jahr 1805. Gest. von Carl Jäck (u. a.). - Berlin, ca. 1805.

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