EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Peter Andrejewitsch Kleinmichel

* 11.12.1789 in St. Petersburg
† 15.02.1869 in St. Petersburg

Peter Andrejewitsch Kleinmichel (1789-1869) nahm an der Schlacht von Borodino und dem Feldzügen von 1813/14 teil. Später sollte er General der Infanterie und Kriegsminister unter Zar Nikolaus werden.
Peter Andrejewitsch Kleinmichel (1789-1869)

Geboren wurde der spätere russische Offizier und Minister Peter Andrejewitsch Kleinmichel am 11.12.1789 in St. Petersburg. Sein Vater war ein finnischer Bauer, der in russische Dienste trat und es bis zum Generalleutnant bringen sollte.

Der junge Peter Andrejewitsch Kleinmichel trat in die russische Armee ein. Er erhielt am 07.02.1808 sein Patent als Leutnant im Leib Grenadierregiment und wurde wenige Monate vor Ausbruch des Krieges mit Frankreich in das Preobražensker Regiment versetzt.

Kleinmichel nahm am Krieg gegen Napoléon I. teil. So wurde Stabskapitän Kleinmichel für seine Teilnahme an der Schlacht von Borodino am 07.09.1812 mit dem Wladimir-Orden ausgezeichnet. Im folgenden Jahr kämpfte er auf deutschen Boden bei Lützen, Bautzen und Leipzig.

Im Jahre 1814 wurde er zum Flügeladjutanten berufen und zog in Paris ein. Im gleichen Jahre wurde er noch Platzmajor von St. Petersburg. Seine Beförderung zum Obersten erfolgte am 01.01.1816.

Im Jahre 1819 erhielt Kleinmichel die Stellung eines Stabschefs in den Militärkolonien unter dem General Araktchejew (1769-1834) gelangt. In den Militärkolonien wurden Soldaten auf dem Lande angesiedelt um den Militärdienst mit der Landwirtschaft zu verknüpfen. Bis zum Jahre 1856 hatte diese Einrichtung Bestand. Dem Volke war der Befehlshaber der Militärkolonien Alexej Araktchejew verhasst, weil er im Jahre 1801 an der Ermordung des Zaren Paul I. teilnahm. Und bis zu dessen Sturz folgte Kleinmichel seinem Vorgesetzten blind.

Im Jahre 1820 wurde er zum Generalmajor befördert und nach der Krönung Zar Nikolaus I. am 07.09.1826 erfolgte seine Berufung zum kaiserlichen Generaladjutanten.

Im Jahre 1831 erfolgte seine Kommandierung in die Armee des Generals Tolstoi, der in Polen stand. Nachdem unter den Soldaten, durch die fortschreitende Cholera, vermehrt Unruhe ausbrach, unterdrückte der General diese mit eiserner Faust und ersetzte diese durch Personal aus den Militärkolonien. Am 13.05.1832 erfolgte seine Ernennung zum diensttuenden General im kaiserlichen Generalstab.

Nachdem im Dezember 1837 der Winterpalast des Zaren abbrannte, versprach Kleinmichel seinem Regenten dieses Gebäude innerhalb eines Jahres neu zu errichten. Hierzu bediente er sich zahlreicher Menschen, von denen jedoch Tausende den Tod fanden, und im Dezember 1838 stand das Gebäude wieder im alten Glanze dar. Der Zar dankte es ihm am 03.04.1839 mit der Erhebung in den Grafenstand. Zu seinem Wahlspruch wählte der Offizier: »Alles überwunden!« während sein Wappen in der oberen Hälfte den russischen Doppeladler ziert und im unteren blauen Schild den Winterpalast zeigt.

Im Jahre 1842 erhielt er sein Patent zum General der Infanterie und übernahm für kurze Zeit auch die Leitung des Kriegsministeriums.

Schon im folgenden Jahr wurde er dann Generaldirigent der Verwaltung der Wege und öffentlichen Bauten. Dieser Aufgabe erwies er sich jedoch nicht gewachsen. So plante er den Bau von Chausseen nur nach militärischen Aspekten anlegen ließ ohne wirtschaftliche Aspekte zu berücksichtigen.

Kleinmichel, eigentlich ein Gegner der Eisenbahn, erbaute die prestigeträchtige Eisenbahnverbindung zwischen Petersburg und Moskau. Bei diesem Vorhaben, aus den ersten Regierungsjahren seines Gönners, kamen mehrere Tausend Arbeiter auf Grund von Krankheiten und Mangelerscheinungen ums Leben.

Der deutsche Unternehmer Werner Siemens schrieb über den Einfluss des Grafen Kleinmichel in seinen »Lebenserinnerungen«:

Graf Kleinmichels Macht war damals so groß, dass ihr, so lange Kaiser Nikolaus lebte, niemand zu widerstehen wagte. Der Graf hatte Vertrauen zu mir gewonnen und übertrug dasselbe später in vollem Maße auf meinen Bruder Karl. Nur seinem mächtigen Schutze verdanken wir die Möglichkeit, die großen Werke, deren Ausführung er uns übertrug, glücklich durchzuführen.

Jedoch war die Stellung des Grafen unter Nikolaus I. unangefochten, da er es verstand die Gunst des Zaren durch Schmeichelei zu erwerben.

Im Jahre 1851 wurde er Mitglied der estländischen Ritterschaft.

Nach der Thronbesteigung Zar Alexander II. reichte Graf Peter Andrejewitsch Kleinmichelam 22.10.1855 dem neuen Zaren sein Entlassungsgesuch ein. Der neue Zar konnte so einen der verhasstesten Menschen in Russland aus der politischen Leitung entfernen.

Graf Kleinmichel wurde Mitglied des russischen Reichsrats und Senats. Er verlor schnell an Bedeutung und Einfluss.

Peter Andrejewitsch Kleinmichel verstarb am 15.02.1869 in St. Petersburg.

Letzte Änderung der Seite: 15. 09. 2017 - 01:09