EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Georg Adam Forster

* 27.11.1754 in Nasenhuben bei Danzig
† 10.01.1794 in Paris

Georg Forster (1754-1794) war ein deutscher Naturforscher der zusammen mit seinem Vater an der zweiten Reise von James Cook teilnahm und sich nach der Besetzung von Mainz zu den führenden Köpfen der unter dem Schutz der französichen Revolutionsarmee er
Georg Adam Forster (1754-1794)

Geboren wurde der spätere Weltumsegler und Jakobiner Johann Georg Adam Forster am 27.11.1754 in dem kleinen Ort Nassenhuben - heute Mokry Dwór – in der Nähe von Danzig als Sohn des Naturforschers und evangelischen Pastors Johann Reinhold Forster und seiner Frau Justina Elisabeth, geb. Nicolai.

Bereits im Alter von zehn Jahren nahm der Vater, dessen Interesse eher bei der Philosophie und den Naturwissenschaften lag, seinen Sohn auf eine Forschungsreise nach Russland mit. Diese erste Reise führte den jungen Forster bis in die Kirgisensteppe am Unterlauf der Wolga. Er beteiligte sich schon in diesen jungen Jahren an kartografischen Studien und Bodenuntersuchungen. Nebenher erlernte er die russische Sprache, die er fließend beherrschte.

1766 übersiedelte der Vater nach London - die Vorfahren von Forsters stammten aus England - und baute sich eine Existenz als Lehrer und Übersetzer auf. Auch Georg Forster begleitete seinen Vater auf diese Reise. Mit 13 Jahren gab Georg Forster in England eine Übersetzung der »Kurzen russischen Geschichte« von Lomonossow (1711-1765) heraus. Die Übersetzung erzielte lobende Anerkennung in wissenschaftlichen Fachkreisen.

Im Jahre 1772 bekam J.  R. Forster von der britischen Admiralität das Angebot, an der 2. Weltumseglung von James Cook als Naturwissenschaftler teilzunehmen. Sein Bericht über die Reise sollte nach der Rückkehr publiziert werden. Er konnte durchsetzen, das der 17jährige Georg Forster als Zeichner an dieser Reise teilnehmen konnte. So stiegen die Forsters am 13.07.1772 von Plymouth aus in See. Die Reise auf der »HMS RESOLUTION« führte zunächst in den Südatlantik, durch den Indischen Ozean und antarktische Gewässer in den Südpazifik in Richtung Polynesien und um das Kap Hoorn herum wieder zurück nach England. Dort traf die Expedition am 30.07.1775 ein. Die Forsters besuchten und erkundeten mit Cook auf der drei Jahre dauernden Reise Neuseeland, die Tonga-Inseln, Neu-Kaledonien, Tahiti sowie die Marquesas-Inseln und schließlich auch die Osterinsel. Kapitän Cook war mit seiner Expedition so weit in den Süden vorgedrungen, wie vor ihm noch kein Mensch und es konnte die These eines großen bewohnten Südkontinents widerlegt werden.

Zunächst arbeitete der junge Georg Forster unter der Anleitung seines Vaters als Zeichner an Tier- und Pflanzenstudien in der Südsee. Sein eigentliches Interesse galt jedoch der vergleichenden Länder- und Völkerkunde. Auf diesen Gebieten stellte er sehr schnell eigene Forschungen an, lernte die Sprachen der polynesischen Inseln. Durch eine sympathische und von Einfühlung geprägten Beobachtung nähert sich Forster der polynesischen Bevölkerung. Zugleich romantisiert er die Inselbevölkerung nicht als »edle« Wilde oder lässt sich durch christlich-abendländischen Vorurteile beeinflussen. Seine Berichte, die heute noch anerkannt sind, spiegeln differenziert das Gesellschafts- und Sozialgefüge und führte diese auf unterschiedliche Lebensbedingungen der Inselwelten zurück. Die Exponate, die die Forsters auf dieser Reise gesammelt haben, sind im Völkerkundlichen Museum Göttingen ausgestellt. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er in den Jahren 1778/80 seinen Reisebericht »Eine Reise um die Welt«, mit dem er über Nacht Weltruhm erlangte. Wieland preis es als das bemerkenswerteste Werk seiner Zeit und auch heute noch ist es ein bedeutender Reisebericht.

Die Veröffentlichung des Werkes brachten ihm wissenschaftliche Ehrungen aus ganz Europa ein. So wurde er im Alter von noch nicht einmal 23 Jahren Mitglied der Royal Society in London. Ebenfalls verfuhren wissenschaftliche Akademien in ganz Europa. Die Ehrungen brachten jedoch kein Geld ein, sodass er im Jahr drauf nach Deutschland zurükkehrte wo er eine Professorenstelle in Kassel antrat. In Göttingen lernte er seine spätere Frau Therese Heyne kennen, die Tochter des Altertumsforschers Christian Gottlob Heyne an der dortigen Universität, kennen. Die Ehe der beiden wurde 1785 geschlossen und war nicht sehr glücklich. Ihr entstammen 3 Kinder.

Forster arbeitete von 1778 an in Kassel als Professor für Naturgeschichte und ab 1784 im polnischen Wilna. Seit seiner Kasseler Zeit stand er im regen Austausch mit den wichtigsten Vertretern der Aufklärung in ganz Deutschland, wozu z.B. Lichtenberg, Lessing, Herder, Wieland, der Königsberger Philosoph Kant und Goethe. Er veröffentlichte weiterhin auch Aufsätze über Entdeckungsreisen seiner Zeit, wie z.B. Cooks dritter Südsee-Expedition oder auch über die Meuterei auf der Bounty.

Auch begann er als einer der ersten deutschen Wissenschaftler Grundlagen der Indologie zu legen. Der Plan als Leiter einer von Zarin Katharina der Großen finanzierten russischen Indien-Expedition zu fungieren scheiterte. Stattdessen ging er dann als Bibliothekar nach Mainz.

Im Frühjahr 1790 unternahm Forster mit dem jungen Alexander von Humboldt eine ausgedehnte Reise, die ihn die Österreichischen Niederlande, Nach Holland, England und Paris führte. Seine Eindrücke schilderte er in den zwischen 1791 und 1794 erschienenen dreibändigen Werk »Ansichten von Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790«; Goethe urteilte über das Werk:

Man mang, wenn man geendigt hat, gerne wieder von vorne anfangen und wünscht sich, mit einem so guten, so unterrichteten Beobachter zu reisen.

Wie bereits während seiner Südseereise galt Forsters Hauptinteresse den sozialen Verhalten der Menschen. Volksaufstände in Flandern und Brabant und die Revolution in Frankreich hatten sein Interesse geweckt. Seine Reise in diese Gebiete sowie in die Niederlande und England, wo die bürgerlichen Freiheiten vergleichsweise weit entwickelt waren, sollte ihm nicht zuletzt dazu dienen, sein eigenes politisches Urteil zu festigen. Er war zu diesem Zeitpunkt schon ein überzeugter Gegner des Ancien Regime. Er begrüßte, wie viele Gelehrte in Deutschland, den Ausbruch der Revolution als konsequentes Fortschreiten der Aufklärung. In einem Schreiben an seinen Schwiegervater, Christian Gottlob Heyne schrieb er bereits am 30.07.1789 folgende Zeilen:

»Schön ist es aber zu sehen, was die Philosophie in den Köpfen gereift und dann im Staate zustande gebracht hat. […] Also es ist doch der sicherste Weg, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, dann gibt sich das übrige wie von selbst.«

Nach der Besetzung der Stadt Mainz durch die französische Revolutionsarmee unter Führung von General Custine gehörte er am 23.10.1792 zu den Gründern des Jakobinerclubs »Freunde der Freiheit und Gleichheit«. Zu Beginn des Jahres 1793 war er aktiv an der Gründung der Mainzer Republik beteiligt, die die erste auf bürgerlich-demokratischen Grundsätzen aufgebaute Republik auf deutschen Boden wurde. Das Gebiet umfasste etwas das linksrheinische Gebiet zwischen Landau und Bingen. Forster wurde Vize-Präsidenten der provisorischen Verwlatung und ließ sich als Abgeordneter in den Rheinisch-Deutschen Nationalkonvent wählen. Von Januar bis März des gleichen Jahres war er auch Redakteur der »Die Neue Mainzer Zeitung« oder »Der Volksfreund«. In seinem ersten Artikel schrieb Forster:

Die Pressefreiheit herrscht endlich innerhalb dieser Mauern, wo die Buchdruckerpresse erfunden ward.

Die Mainzer Republik konnte nur unter dem Schutz der französischen Armee existieren und diese zog im Juli 1793 aus Mainz ab. Mainz wurde von preussischen Truppen besetzt.

Forster selbst hielt sich zu diesem Zeitpunkt als Abgeordneter des Nationalkonvents in Paris auf. Dort sollte er die Angliederung, der allein nicht lebensfähigen Mainzer Republik, an Frankreich beantragen. Der Antrag hatte sich, trotz Annahme, durch den Verlust von Mainz erledigt.

Auf Grund eines Dekrets Kaiser Franz II., der die Zusammenarbeit zwischen deutschen Untertanen und der französischen Revolutionsregierung unter Strafe stellte, wurde über ihn die Reichsacht verhängt. Er konnte nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Völlig verarmt und allein, seine Frau hatte ihn zusammen mit den Kindern bereits in Mainz verlassen, blieb er in Paris.

Die Revolution in Paris trat gerade in die heiße Phase der Schreckensherrschaft des Wohlfahrtsausschusses unter Robespierre. Forster musste an dieser Stelle den Unterschied zwischen dem Anspruch der Revolution, das Glück der Menschheit zu befördern, und der revolutionären Praxis, die über das Glück und das Leben des einzelnen Menschen auf grausamste Weise hinweg ging. Entgegen anderen deutschen Revolutionsbefürwortern wandte sich Forster auch in dieser Phase nicht von den Idealen der Revolution ab. Für ihm waren die Ereignisse in Frankreich ein Natureignis, welches man nicht stoppen konnte.

Georg Forster starb an den Folgen einer Lungenentzündung in einer Dachwohnung in der Rue des Moulins in Paris.

Werke:

  • Lomonossow, Michael: Kurzen russischen Geschichte (Übersetzung), 1766
  • Johann Reinhold Forster`s Reise um die Welt während den Jahren 1772 bis 1775, Berlin 1778/80
  • Ansichten von Niederrhein, von Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich im April, Mai und Juni 1790., 1791-1794

Letzte Änderung der Seite: 26. 08. 2017 - 01:08