EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Johann Nikolaus Forkel

* 22.02.1749 in Meeder bei Coburg
† 20.03.1818 in Göttingen

Johann Nikolaus Forkel (1749-1818) war Professor für Musik in Göttingen. Er gilt als Begründer der modernen Musikwissenschaften und verfasste als erster eine Biographie des Komponisten Bach. Seine Variationen zu »God Save The King« führte zu einem D
Johann Nikolaus Forkel (1749-1818)

Johann Nikolaus Forkel war Sohn des Schusters Nikolaus Forkel, der sich auch noch als Zöllner und Kastenmeister den Lebensunterhalt aufbesserte, aus Meeder bei Coburg. Vater Nikolaus Forkel starb im Jahre 1781 und

Im Alter von 17 Jahren ging er - wie sein großes Vorbild Johann Sebastian Bach - nach Lüneburg. In Lüneburg wurde er im Schulchor des Johanneums aufgenommen um den dortigen Schulchor zu unterstützen. Schon 1767, im Alter von gerade 18 Jahren, übernahm er in Schwerin die Stelle eines Präfekten am Schweriner Domchor. Er lernte die Orgel zu spielen und vertiefte sich auch in die Schriften des Musikschriftstellers und Mäzens Johann Mattheson (1681-1764). Im Jahre 1769 trat er ein juristisches Studium an der Universität Göttingen an. Durch eine Anstellung als Organist an der Universitätskirche sicherte sich der junge Mann seine finanzielle Basis.

Ab 1772 begann Forkel Privatvorlesungen im musischen Bereich anzubieten. Im Jahre 1779 wurde er als Universitäts-Musikdirektor angestellt. Diese Aufgabe nahm er bis zum Jahre 1815 wahr. Seine Bemühungen sich im Jahre 1789 auf die Nachfolge Carl Philipp Emanuel Bachs (1714-1788) in Hamburg scheiterten jedoch.

Forkel selbst blieb, bis auf eine Unterbrechung von einem halben Jahr - der Grund hierfür war eine Forschungsreise in die Wiener Bibliotheken - bis an sein Lebensende in Göttingen.

In Göttingen eignete sich der junge Forkel die Gedankengänge der universalhistorischen Schule an. Die Musikwissenschaft sah er unter diesen Gesichtspunkte als eine Grundwissenschaft, die den menschlichen Fortschritt befördern sollte. Unter diesem Aspekt begann er nun den gesamten musikhistorischen Stoff neu aufzuarbeiten und systematisch zu sortieren.

Er veröffentlichte in den Jahren 1778/79 seine dreibändige »Musiklaisch-kritische Bibliothek« und ihm Jahre 1792 die »Allgemeine Literatur der Musik«. Im letzteren Werk sortierte er mehr als 3.000 Titel systematisch nach Veranlassung Er versah sie mit Anmerkungen und Ergänzungen sowie Bewertungen. Sein wohl herausragendes Werk dürfte wohl die »Allgemeine Geschichte der Musik« sein.

Der unermüdliche Musiktheoretiker darf allgemein als Begründer der Musik als wissenschaftliche Disziplin angesehen werden. Zugleich war er auch einer ihrer ersten öffentlich anerkannten Vertreter.

Forkel bewunderte Zeit seines Lebens den großen Johann Sebastian Bach (1685-1750). In seinen späteren Lebensjahren erhob er Bachs Musik zu eine dogmatischen Norm.

Im Jahre 1802 veröffentlichte er unter dem Titel »Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke« die erste Biographie seines großen Vorbildes. Es war die erste musikhistorische Monographie überhaupt. Zur Vorbereitung des Werkes korrespondierte der Biograf direkt mit den Kindern Bachs. In ihren Briefen gaben Carl Philipp Emanuel Bach und Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784).

Auch als Komponist war Forkel fleißig. Bemerkenswert sind seine Klavier Variationen zur englischen Nationalhymne »God Save The King« sowie die scharfe Kritik von Abt Georg Joseph Vogler daran.

Im Jahre 1781 heiratete Professor Johann Nikolaus Forkel die 15jährige Margaretha Wedekind. die Tochter des Göttinger Theologieprofessors Rudolf Wedekind (1716-1778).Die Ehe wurde bereits 1793 wieder geschieden und »Madame Forkel« war auch zukünftig als Schriftstellerin und Übersetzerin tätig. Ihre zweite Ehe ging sie mit dem späteren Appellationsgerichtsdirektor Liebeskind ein.

Nach dem Tode Professor Forkels am 20.03.1818 wurde seine umfangreiche Bibliothek versteigert. Nach den Aufzeichnungen seines Sohnes Carl Gottlieb Forkel umfasste die Sammlung 2305 Bände Musikliteratur und 1592 Bände Musikalien, d.h. Notensammlungen, die unter anderem zahlreiche verschollene Werke Johann Sebastian Bachs hervorbrachten. Die Sammlung, die im Jahre 1819 in Göttingen auch in gedruckter Form erschien, wurde Bestandteil der königlichen Bibliothek zu Berlin und des Königlichen Instituts für Kirchenmusik.

 

Werke;

  • Vorlesungen über die Theorie der Musik, gehalten im Winter-Halbjahr 1772
  • Ueber die Theorie der Musik, insofern sie Liebhabern und Kennern nothwendig und nützlich ist. Einladungsschrift zu musikalischen Vorlesungen, Göttingen 1777
  • Commentar über die 1777 gedruckte Abhandlung „Über die Theorie der Musik, insofern sie Liebhabern und Kennern nothwendig und nützlich ist zum Gebrauch akademischer Vorlesungen entworfen von Johann Nic. Forkel“ (Manuskript), ca. 1780
  • Musikalisch-kritische Bibliothek, Gotha 1778
  • Ankündigung seines akademischen Winterconcerts, 1779
  • Genauere Bestimmung einiger musikalischer Begriffe zur Ankündigung des akademischen Winterconcerts, 1780
  • Musikalischer Almanach für Deutschland auf das Jahr… 1782, 1783, 1784, 1789
  • Musikalischer und Künstler-Almanach, 1783
  • Allgemeine Geschichte der Musik, 1788 und 1801
  • Allgemeine Litteratur der Musik; oder, Anleitung zur Kenntniss musikalischer Bücher, welche von den ältesten bis auf die neusten Zeiten bey den Griechen, Römern und den meisten neuern europäischen Nationen sind geschrieben worden; systematisch geordnet, und nach Veranlassung mit Anmerkungen und Urtheilen begleitet, 1792
  • Ueber Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke, 1802
  • Miscellanea musica, 5 Bde.

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