EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Carl Theodor von Dalberg

* 08.02.1744 in Herrnsheim bei Worms
† 10.02.1817 in Regensburg

Carl Theodor von Dalberg (1744-1817) war Kurfürst von Mainz und wurde nach der Gründung des Rheinbundes Fürstprimas. Er gründete die Universität von Aschaffenburg, der er auch als Rektor vorstand. Zwischen 1810 und 1813 war er Großherzog von Frankfu
Carl Theodor von Dalberg (1744-1817)

Geboren wurde dem kurpfälzischen Kämmerer und kurmainzischen Geheimen Rat Franz Heinrich Freiherrn von Dalberg(1716-1776) und seiner Gemahlin Maria Sophie Anna, geborene von Eltz-Kempenich (1722-1763) am 08.02.1744, in der Nähe von Worms, der Sohn Carl Theodor Anton Maria.

Schon In der Jugend wurde Carl Theodor von Dalberg ohne Zwang auf eine geistliche Laufbahn hingewiesen, die er später dann auch ergriff und zeitlebens freiwillig verfolgte. Der hochbegabte Knabe genoss eine katholische Erziehung, die ihm ein vielseitiges Wissen vermittelte. Als junger Mann widmete er sich in Heidelberg dem Studium der Rechtswissenschaften. Seine naturwissenschaftliche Ausbildung schloss er im Jahre 1761 erfolgreich ab, nebenbei galt sein Interesse übrigens den lateinischen Klassikern philosophischen und theologischen Fragen. Im Jahre 1762 unternahm er eine längere - und damals übliche - Studienreise nach Italien, Paris und in die Niederlande

Nachdem er seine Reise beendete, trat er im gleichen Jahr in den kurmainzischen Dienst ein. Seit 1754 war er bereits Domizellar in Mainz und wurde 1779 Domherr in Würzburg und im Jahre 1786 in Mainz. Des weiteren war er Domkanonikus von Worms und Konstanz. Im Jahre 1780 wurde Karl Theodor von Dalberg Rektor der Universität von Würzburg und seit dem Jahre 1771 war er Statthalter von Erfurt. In dieser Stellung vertrat der Geistliche gleichzeitig den kurmainzer Staat an den sächsischen Höfen in Gotha und Eisenach. Er war der Hofkammer in Mainz unterstellt. Dieses Amt übte er bis zum Ende von Kurmainz im Jahre 1802 aus.

Die 70er und 80 Jahre in Erfurt waren für Karl Theodor von Dalberg die glücklichsten Jahre seines Lebens, da sie durch ein nachbarschaftliches Verhältnis zum Musenhof in Weimar, der Neuorganisation der Universität Erfurt und der Hebung der Volksbildung und Volkswohlfahrt begleitet wurden. Als Katholik lagen ihm, trotz aller Aufgeklärtheit, die religiöse Erziehung, die Priesterbildung, Predigt und Katechese besonders am Herzen.

Im Jahre 1777 veröffentlichte er sein Werk »Betrachtungen über das Universum«. In diesen Betrachtungen zeigte sich Dalberg als scharfsinniger Denker, der seine Betrachtungen über die Welt, den Schöpfer sowie die Menschen, Religion und das Band zwischen Allem nicht aus seinem angehäuften Schulwissen erworben hatte, sondern durch seine eigene Fülle des Nachdenkens erhielt.

»Worin besteht der Zusammenhang aller Wesen? wohin trachtet, zweckt ihr Streben, Wirken, Daseyn? wo liegt der einzige Knoten, der alles: Welt, Körper, Geist, Zeit und Raum in ein Ganzes zusammenknüpft? Das ist's, was ich aufzufinden, was ich darzustellen trachte,«,

Diese Schrift selbst unterteilt sich in drei Bänden. Der erste Band beschäftigt sich mit dem Schöpfung während der zweite Band sich mit dem Schöpfer auseinandersetzt. Der dritte Band ist mit Zwischen Schöpfer und Schöpfung betitelt. In den nächsten Jahren erschienen noch weitere Schriften des Theologen.

Am 05.06.1787 wurde er, durch preußische Unterstützung, zum Koadjutor des Erzbischofs von Mainz, Friedrich Karl Joseph von Erthal, gewählt, die Wahl zum Koadjutor des Bischofs von Worms, , erfolgte wenige Tage später und im Folgejahr wurde Dalberg zum Koadjutor des Bischofs von Konstanz, Maximilian Christoph von Rodt, gewählt. Die Priesterweihe Dalbergs erfolgte erst am 03.02.1788 und im Folgemonat wurde er vom Papst zum Titularbischof von Tarsus in Kilikien ernannt und am 31.08.1788 in Aschaffenburg geweiht.

Erst am 17.01.1800 konnte Dalberg als regierender Fürstbischof von Konstanz die Geschäfte lenken. Zu diesem Zeitpunkt befand sich jedoch die alte Reichsordnung in Auflösung und viele geistliche Gebiete wurden in den Besitz weltlicher Staaten überführt. Am 25.07.1802 wurde er noch letzter regierender Kurfürst-Erzbischof von Mainz und Bischof von Worms. Die Gebiete links des Rheins gehörten zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr zu seiner Herrschaft. Trotz der bevorstehenden Umbrüche bemühte sich Dalberg, der Reichskirche die geistliche Hoheit (jus dioecesanum) zu erhalten.

Karl Theodor von Dalberg setzte sich für die Schaffung eines neuen Amtes - dem Fürst-Primas - ein. Unter der Aufsicht des Fürst-Primas sollte das kirchliche Leben dann erhalten werden, wobei es ihm niemals um die Schaffung einer papstfreien Nationalkirche ging. Sein Leitmotiv war die Erhaltung der Kirche in Deutschland. Entsprechend des Reichshauptschlusses vom 25.02.1803 wurde die Würde des Kurfürsten, das Amt des Reichserzkanzlers wie auch die Ämter der Erzbischöfe von Mainz und des Primas für Deutschland auf das Bistum Regensburg. Mainz fiel endgültig an Frankreich. Gleichzeitig wurde das neue Bistum Regensburg aus dem ehemaligen Fürstentum Aschaffenburg, dem Bistum und der Reichsstadt Regensburg und der Grafschaft Wetzlar gebildet, an dessen Spitze Dalberg als Bischof stand.

Am 04.04.1803 trat das neue Domkapitel in seine kanonischen Rechte ein und Bischof Karl Theodor von Dalberg wurde mit der administrativen Verwaltung betraut. Da Bayern die Herrschaft über Regensburg anstrebte, verzögerte sich die Ernennung Dalbergs als Erzbischof von Regensburg bis zum 01.02.1805. Anlässlich der Kaiserkrönung Napoléon I. wurde Karl Theodor von Dalberg durch Papst Pius VII. das Pallium verliehen, jedoch nicht der Titel eine Metropoliten für Deutschland. Eine solche Zusage wurde ihm vom Papst nur mündlich gegeben, sodass er bis zu seinem Tode den Titel eines Primas von Deutschland führte.

Im Jahre 1806 ernannte Dalberg, Kardinal Joseph Fesch, den Onkel Kaiser Napoléon I., zu seinem Koadjutor. Damit versuchte er seine Herrschaft zu stärken. Diese Wahl bekam nicht die päpstliche Zustimmung und wurde ihm auch von vielen Freunden sehr verübelt. Sein Anliegen war allein die Stärkung der Kirche in Deutschland. Durch Napoléon wurde der Erzbischof von Regensburg, Karl Theodor von Dalberg, bewegt an die Spitze des neu geschaffenen Rheinbundes zu treten. Bei Dalberg wurde diese Entscheidung als Verrat gesehen, während der Beitritt anderer Fürsten zum napoleonischen Staatenverbund als schiere politische Notwendigkeit betrachtet wurde. Im Jahre 1810 wurde das Fürstentum Regensburg an Bayern übergeben und der Fürstprimas wurde Großherzog von Frankfurt. Das neu geschaffene Großherzogtum Frankfurt umfasste Frankfurt, Wetzlar, Aschaffenburg und Teile des Bistums Fulda und der Grafschaft Hanau. In Wetzler gründete der Großherzog bereits im Jahre 1808 die Rechtsschule, die bis zum Jahre 1813 bestand. Rechtsschule Am 27.12.1810 wurde ihm durch Napoléon auch das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen.

Die Zusammenarbeit mit Napoléon brachte Dalberg immer stärker in ein falsches Licht des Franzosenfreundes. Vielmehr entschied er sich aus reiner politischer Verzweiflung zu dieser Zusammenarbeit. Im Jahre 1811 nahm er in Paris am Nationalkonzil teil und setzte sich für die Freilassung Papst Pius VII. ein. Seit 1814 war er nur noch Bischof von Regensburg und verließ seinen Bischofssitz nur noch sehr selten.

Dalberg war ein sehr gewissenhafter Mensch, der seiner Amtsführung kantische Pflichterfüllung zeigte und zugleich auch von gewinnende, menschliche Güte und Hilfsbereitschaft an den Tag legte. Sein ganzes Leben glaubte er an die starken Möglichkeiten des Guten im Menschen und war ein Regent im Sinne der Aufklärung. Theologisch war er, obwohl kein Theologe im klassischen Sinne, gut gebildet.

Nach seinem Tod folgte ihm Prinz Eugène de Beauharnais auf den Thron des Großherzogs von Frankfurt.

 

Werke:

  • Betrachtungen über das Universum., 1777
  • Gedanken von der Bestimmung des moralischen Werths, 1792.
  • Verhältnisse zwischen Moral und Staatskunst, 1786. Das Resultat dieser Untersuchung oder vielmehr Betrachtung ist, daß die Staatskunst nichts als ein Theil der Moral sey (seyn solle), nur in besonderer Beziehung und auf besondere Verhältnisse angewandt.
  • Grundsätze der Aesthetik, 1791. Ein Versuch, wie die Moral mit der Aesthetik näher zu verbinden sey. Der Werth dieser Schrift beruht mehr auf einzelnen seinen Bemerkungen, als auf Gründung oder Entwicklung allgemeiner neuer Grundsätze.
  • Von dem Bewußtsein als allgemeinem Grunde der Weltweisheit, 1793.
  • Von dem Einflusse der Wissenschaften und schönen Künste in Beziehung auf öffentliche Ruhe, 1793.
  • Von Erhaltung der Staatsverfassung, 1795.
  • Betrachtungen über den Charakter Carls des Großen, 1806.
  • Perikles: über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glück, 1806.

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