Nicolas Luckner
* 12.01.1722 in Cham in der Oberpfalz
† 04.01.1794 in Paris

- Nikolaus von Luckner
Nikolaus Graf Luckner entstammte einer bürgerlichen Familie. Sein Vater, Samuel Luckner, war Bierbrauer und Hopfenhändler in der Stadt Cham im bayerischen Wald. Als Besitzer des Gasthauses »Zur Gans« konnte die Familie ein kleines Vermögen anhäufen und ihren Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen. Nikolaus Luckner wurde am 12.01.1722 als zweitjüngstes Kind von insgesamt 8 Kindern geboren.
Zunächst besuchte der junge Luckner die Lateinschule in Cham. Nach dem frühen Tod des Vaters verließ die Familie im Jahre 1730 die Stadt Cham und zog nach Kötzting, woher die Mutter stammte. Nikolaus besuchte das Jesuitenkolleg in Passau. Doc seine Begeisterung für wissenschaftliche Studien lag dem jungen Chamer nicht. Statt eines geordneten bürgerlichen Lebens war er eher für Abenteuer und Abwechslung zu begeistern. Wie schwer es den Lehrern fiel, den jungen Mann zu bändigen, zeigte sich schon in seinem Spitznamen »Libertinus« - was soviel wie »Freigeist« oder »Wildfang« bedeutete. Schon früh entschied sich der Jüngling, statt einer Laufbahn als Beamter, zu den Soldaten zu gehen.
So bot sich im Jahre 1737, der junge Luckner war gerade 15 Jahre alt, die Chance, in de kurfürstlich-bayerische Armee einzutreten. Neben Ruhm und Ehre, versprachen die Werber auch ein stattliches Einkommen. Er trat als Kadett in das Infanterieregiment Morawitzky ein, mit dem er in der Folge gegen die Türken in Ungarn kämpfte.
Während des bayerischen Erbfolgekriegs (1742-1745) trat er in das Freikorps des Michael Gschrey ein und machte durch kühne Vorstöße und durch seinen Mut auf sich aufmerksam. In dieser Zeit lernte er als Husarenleutnant auch den sogenannten „kleinen Krieg“ kennen. Im sogenannten „kleinen Krieg“ kämpften kleine, zum Teil aus Freiwilligen bestehende Regimenter als leichte Truppen, ganz auf sich selbst gestellt, im Rücken des Feindes operieren. Ausgeklügelte Schlachtpläne oder taktische Vorschriften waren hier eher sinnlos, vielmehr wurden die operativen Fähigkeiten der Anführer gefordert.
Luckner ergriff in jener Zeit mehrmals die Gelegenheit, seine Fähigkeiten als militärischer Führer unter Beweis zu stellen. Als im März 1745 das Freikorps Gschray zwischen Ismaring und Freising angegriffen und in die Flucht geschlagen wurde, sammelte er einige Reiter sich, brachte sie in Ordnung und verhinderte damit den weiteren Vormarsch des Gegners.
Luckner zog sich, im Zuge der Verkleinerung der bayerischen Armee, in das Privatleben zurück. Er heirate in eine reiche holländische Familie und zog sich auf seine Güter in Holstein zurück.
Mit Ausbruch des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) trat Luckner in die Dienste des Kurfürsten von Hannover, wo er im Range eines Majors sein eigenes leichtes Regiment erhielt. Oft preschte Major Luckner an den Feind heran und bewies in kühnen und oft gewagten Einsätzen vor und hinter den Linien der feindlichen Armee. Dort führte er manchmal unter grausamen Bedingungen einen kleinen Krieg. Oft richtete das Freikorps Luckner schreckliche Blutbäder an, die selten ohne Plünderung und Erpressung der Zivilbevölkerung von statten gingen. Er zeichnete sich bei Krefeld, Marburg, Eisenach, Göttingen, Hameln, Kassel und Nordheim im Kampf gegen die Franzosen besonders aus. Eine erste Beförderung zum Oberst wurde im zuteil, als er im August 1759 das Portefeuile eines französischen Marschalls erbeutete. In diesem befanden sich geheime Anweisungen des Pariser Kriegsministeriums für die weitere Kriegsführung.
Luckner selbst konnte die Ausnahmesituation des Krieges in Verbindung mit seinem Dienst bei den Leichten Truppen sehr erfolgreich nutzen. In nur sieben Jahren gelang es ihm, durch persönlichen Mut und kühnen Einsatz, vom Major in den Range eines Generalleutnants aufzusteigen. Eine solche Karriere war im 18. Jahrhundert eher eine Ausnahme. So waren z.B. alle Offiziersstellen in der Infanterie und Kavallerie Adeligen vorbehalten. So konnte man mit herausragenden Leistungen die gesellschaftlichen Schranken überwinden. In preußischen Diensten konnte Konstantin Nathanael von Salomon eine ähnlich außergewöhnliche Karriere vorweisen.
Neben der militärischen Auszeichnung kehrte er auch mit einem stattlichen Vermögen aus dem Krieg zurück. Neben seinen regulären Einkünften vermehrte er sein Vermögen durch Geschenke des Herzogs von Braunschweig und durch die Beute seiner Streifzüge.
Nachdem im Jahre 1763 der Krieg mit dem Hubertusburger Frieden endet, wird auch das Regiment Luckners verabschiedet und seine Bezüge werden halbiert. Bei entsprechender Gelegenheit warf er vor dem versammelten Offizierskorps seinen mit Orden dekorierten Generalsmantel in das Kaminfeuer und bat verärgert um seine Entlassung.
Durch die militärischen Erfolge aufmerksam geworden, warben sowohl Frankreich als auch Russland um die Gunst des arbeitslosen Generalleutnants. Ohne Zögern bot Frankreich ihm die Stelle eines Generalmajors mit einem Einkommen von 30.000 Livres an. In den folgenden Friedensjahren verbrachte er die meiste Zeit auf seinem ausgedehnten Gütern in Holstein. Im Jahre 1778 wurde Luckner als dänischer Freiherr in den Adelsstand aufgenommen und 6 Jahre später zum Grafen erhoben.
Als in Frankreich im Jahre 1789 die Revolution ausbrach sah Luckner auch das Ende der Friedensphase gekommen. Er befand sich trotz seines hohen Alters in guter gesundheitlicher Konstitution und rüstig genug, um noch ein Kommando zu übernehmen. Er brachte sich den Franzosen wieder in Erinnerung als er im Jahre 1790 der Nationalversammlung huldigte, wurde ihm durch Kriegsminister Narbonne in Metz der Marschallstab überreicht.
Luckner übernahm das Kommando über die Französische Rheinarmee, die zu dieser Zeit etwa 24.000 Mann stark war. Sein Hauptquartier bezog er in Straßburg. Er ließ zunächst die Engpässe von Brundrur besetzen. Luckner übernahm auch das Oberkommando über die Nordarmee und stellte Ordnung sowie Mannszucht bei derselben wieder her. Es folgte eine Versetzung von der Nord- zur Zentralarmee und sein Hauptquartier befand sich in Metz.
Als Kommandant der Zentralarmee versagte jedoch Luckners kriegerischer Geist. Ohne Widerstand konnten die gegnerischen Truppen unter Führung des Herzogs von Braunschweig tief nach Frankreich vorrücken. Erst der Sieg von Valny unter dem Oberbefehlshaber der Nordarmee, General Doumouriez stoppte den alliierten Vormarsch. Die Ursachen, die zu Luckners zögerlichen Handeln führten, sind bis zum heutigen Tage nicht geklärt. So werden als Gründe neben Eigensinn oder hohem Alter auch der schlechte Zustand der Armee oder die Unfähigkeit zur Führung eines solch großen Truppenverbandes angeführt. Evtl. könnte auch der Widerstand seiner Untergenerale, die sich gegen einen Ausländer an der Spitze der Armee stellten, ein Grund für Luckners Verhalten sein. Er wurde seines Amtes enthoben und Oberst Kellermann übernahm dasselbe.
Er erhielt ein neues Kommando in Chalons. Dort wurde ihm Oberst Laklos zur Seite gegeben, ohne dessen Unterschrift er keinen Brief mehr absenden durfte. Durch eine solche Demütigung gekränkt bat er um seinen sofortigen Abschied, der ihm auch sofort – mit einem Gnadengehalt von 36.000 Livres – gewährte wurde.
Graf Luckner entschie sich als Privatmann im Elsaß zu bleiben, anstatt sich auf seine Güter in Holstein zurück zu ziehen. Doch in jenen Tagen war der französische Staat eher damit beschäftigt Gelder einzunehmen, als diese auszuzahlen. Da ihm die Auszahlung durch den dortigen Rentbeamten verweigert wurde, begab sich Nikolaus von Luckner nach Paris um dort selbiges zu fordern. Statt Gelder zu erhalten, wurde Luckner verhaftet und der Wohlfahrtsausschuss unter Maximilian de Robespierre klagte ihn als Hochverräter an. Graf Luckner wurde am 04.01.1794 guillotiniert. Seine letzten Worte lauteten:
»Ich zweiundsiebzigjähriger Greis sterbe im Bewusstsein meiner Unschuld.«
Bereits im folgendem Jahre wurde er durch den Nationalkonvent rehabilitiert. Seinem ältesten Sohn Nikolaus Graf Luckner (1750-1824) wurde der Marschallstab mit Bestallungsurkunde sowie die zurückgehaltenen Gelder ausgehändigt.
