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Hudson Lowe

* 28.07.1769 in Galway/Irland
† 10.01.1844 in London

Hudson Lowe (1769-1844) war von 1816-1821 Gouverneur von St. Helena und Bewacher Napoleon Bonapartes.
Generalleutnant Hudson Lowe (1769-1844)

Geboren wurde Hudson Lowe am 28.07.1769 im irischen Galway, dem Heimatland seiner Mutter. Sein Vater John Lowe war Chirurg in der britischen Armee. Obwohl der Junge die meiste Zeit in wechselnden Garnisionen des Vaters verbrachte, erhielt er an der Salisbury Gramma School seine Ausbildung. Als er noch nicht einmal 12 Jahre alt war, erhielt er 1781 eine Stelle als Soldat in der East Devon Miliz. Im Jahre 1787 wechselte er in das Regiment des Vaters, dem 50th Regiment, das in Gibraltar stationiert war.

Als der Krieg mit dem revolutionären Frankreich ausbrach versah Lowe aktiven Dienst auf Korsika, Elba und in Portugal und Minorca, wo er das Kommando über ein Regiment Exil-Korsen, genannt Corsian Rangers, übernahm. Im gleichen Jahr nahm er auch an der Besetzung Toulons durch französische Royalisten und britische Soldaten teil. Einer seiner Gegner war der junge Artillerie-Hauptmann Napoleon Bonaparte.

Mit dem korsischen Jägern kämpfte Lowe im Mittelmeerraum und kämpfte im Jahre 1800/01 erfolgreich in Ägypten.

Nach dem Friedensschluss von Amiens im gleichen Jahr wurde Lowe als Major in den Generalstab als Quartiermeister versetzt. Nach einer kurzen Friendeszeit kämpfte er 1803 im Range eines Oberstleutnants an der Spitze der korsischen Jäger. Er nahm an der Verteidigung des Königreichs Neapel teil und besetzte die Insel Capri, die er mit seinem Bataillon korsischer Jäger und einem Regiment Malteser verteidigte. Erst als im Oktober 1808 König Joachim I (Murat) Capri angriff, musste er sich einer dreifachen Übermacht ehrenvoll ergeben. Lowes 1362 Männern stand eine Streitmacht von 3.000 bis 4.000 Männern gegenüber. Lowe erhielt das Zugeständnis mit allen Waffen und der gesamten Ausrüstung ehrenvoll über das Meer abzuziehen.

Im Jahre 1809 unterstützte er mit seiner Truppe die Besetzung einiger griechischer Inseln (Ischia, Zakynthos, Kefalonia). Er wurde für kurze Zeit auch Gouverneur auf Kefalonia und Ithaka, später noch von Santa Maura. Erst im Jahre 1812 kehre der erfolgreiche Offizier nach England zurück, wo er zum Obersten befördert wurde.

Im Januar 1813 wurde Lowe auf den Kontinent gesendet. Er sollte den Aufbau einer deutsch-russischen Legion beobachten. In den Befreiungskriegen wurde Hudson Lowe britischer Verbindungsoffizier im Stabe des preussischen Generals von Blücher. Im Jahre 1814 überschritt er mit Blüchers Korps auch die Grenze nach Frankreich. Blücher und Gneisenau lernten den englischen Offizier wegen seiner Tapferkeit schätzen, nahm er doch an 13 wichtigen Schlachten der Befreiungskriege teil.

Nach Napoleons erster Abdankung in April 1814 wurde er ausgewählt, diese Kunde nach England zu bringen. Er wurde zum Generalmajor befördert und zugleich mit dem Bath Orden ausgezeichnet. Zugleich wurde er mit zahlreichen preussischen und russischen Auszeichnungen geehrt.

Im Jahre 1815, er war im Begriff Generalquartiermeister der Armee unter dem Herzog von Wellington zu werden, bot man ihm das Kommando eines Oberbefehlshabers der Truppen in Genua an. Am 01.08.1815, er befand sich auf dem Weg nach Genua, erreichte ihn die Nachricht von der Ernennung zum Gouveneur von St. Helena und Gefangenwärters Napoleons. Dieser begab sich am 15. Juli 1815 freiwillig an Bord des englischen Linienschiffes „HMS Bellerophon“. Lowe traf am 14.04.1816 mit seiner Familie und Dienerschaft sowie Sekretären auf der Insel ein und trat am folgenden Tag offiziell seinen Dienst an.

Sofort begann er die Haftbedingungen von Napoleon und seinen Begleitern zu verschärfen. Hatte sich doch bei seiner Ankunft gezeigt, dass Napoleon bemüht war, seinen Bewegungsradius, in dem er unbeobachtet von britischen Soldaten war, zu vergrößern. Sofort ließ Lowe die Anzahl der Wachposten erhöhen, das Gelände um Longwood House einzäunen und auch nachts mit Posten umstellen. Zweimal täglich musste sich ein Offizier persönlich von der Anwesenheit Napoleons überzeugen. Auch durfte von nun an kein Schriftverkehr mehr passieren, der zuvor in Plantation House – dem Wohnsitz Hudson Lowes – passiert hat.

Das Verhältnis zwischen Lowe und Napoleon war von Anfang an durch Imponiergehabe und Taktlosigkeiten auf beiden Seiten geprägt. Napoleon, der sehr unter dem Klima, den Bewegungseinschränkungen und den eintönigen Tagen litt, beantwortete alle Bemühungen Lowes, ihm die Gefangenschaft durch Milderungen der Haftbedingungen zu erleichtern, mit absichtlichen Brüskierungen und gezielten Provokationen. Lowe reagierte – insbesondere nachdem Gerüchte über eine mögliche Befreiung des Gefangenen laut wurden – mit strengeren, wenn auch manchmal unsinnigen, Sicherheitsvorkehrungen. Ein letztes Zusammentreffen zwischen Napoleon und Lowe fand bereits am 20.08.1816 im Garten des britischen Admirals Sir Pulteney Malcom statt. Von diesem Augenblick an erfolgte alle Kommunikation nur noch über Dritte.Zu diesen Sicherheitsvorkehrungen gehörte auch die Entfernung einiger Begleiter Napoleons. So wurde der Graf Las Casas und sein Sohn im November 1816 ausgewiesen und 2 Jahre später folgte Napoleons Leibarzt Barry O’Meara.

Nach dem Tode Napoleons am 05.05.1821 kehrte Gouverneur Lowe nach England zurück wo König Georg IV. ihm seinen Dank erwies.

Am 22.10.1822 forderte Emmanuel de Las Casas, Sohn des Grafen Las Casas, der mit Napoleon auf St. Helena weilte, auf öffentlicher Straße zu einem Duell heraus. Im Lowe lehnte das Duell jedoch ab. Im Jahre darauf veröffentlichte er zusammen mit seinem Vater »Erinnerungen von St. Héléna«, die den Ruf von Hudson Lowe in Großbritannien erheblich beschädigten.  Insgesamt wurde das Bild Lowes durch diese Veröffentlichungen in der englischen Öffentlichkeit falsch wahrgenommen. Sicherlich war er nicht die beste Besetzung für dieses heikle Amt. Napoleon konnte, selbst wenn er gewollt hätte, mit ihm nicht klarkommen, führte Lowe doch als Kommandeur der korsischen Ranger, Desateure und Verräter. Hinzu kam, das er sich mehr auf seine Befehle aus London stützte, als die Gefangenschaft Napoleons durch Zugeständnisse zu erleichtern. So war seine Ernennung 1815 auch in der britischen Führung umstritten, selbst Wellington, der ihn als Offizier schätzte, hielt ihn nicht für den richtigen MAnn auf diesem Posten. 

Im Jahre 1830 veröffentlichte Hudson Lowe seine Erinnerungen auf St. Helena unter dem Titel »Mémorial relatif à la captivité de Napoleon à Ste-Hélène.«, die im Jahre 1830 in Paris erschienen. Im gleichen Jahr erschien auch eine deutsche Übersetzung.

Im Jahre 1823 wurde Lowe Gouverneur der Bermudas und zwei Jahre später Oberbefehlshaber der britischen Truppen auf Ceylon. Als 1830 die Stelle des Gouverneurs vakant wurde, erfolgte jedoch nicht seine Ernennung. Er wurde zum Generalleutnant befördert und wurde 1842 Inhaber seines alten Regiments, dem 50th. Linienregiment.

Er starb am 10.01.1844 in Chelsa.

Werke

  • Mémorial relatif à la captivité de Napoleon à Ste-Hélène, Paris 1830