Therese de Cabarrus - Madame de Thermidor
* 31.07.1773 in Caravanchel bei Madrid
† 15.01.1835 im Schloss Chirmay / Belgien

- Theresé de Carrabus
Die später als Madame Thermidor bekannte Therese Tallien wurde am 31.07.1773 in Madrid als Tochter des spanischen Bankiers und Gründers der spanischen Nationalbank Francios Cabarrus (1752-1810) und seiner Gemahlin Maria Antonia Galabert Casanova geboren. Im Alter von 15 Jahren heiratete die junge Frau 1788 den Jean-Jacques Devin, Marquis de Fontenay. Sie begab sich mit ihrem Mann nach Paris. Während der Revolution verfolgte sie die Debatten der Konstituante auf den Tribünen des Sitzungssaals in den Tuilerien. Ihr Mann verließ das revolutionäre Frankreich im Jahre 1791 und schloss sich den royalistischen Emigranten an. Im April 1793 wurde ihre Ehe mit Fontenay geschieden.
Zur gleichen Zeit begab sich Thérésia de Fontenay nach Bordeaux. In Bordeaux verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt als Theaterdarstellerin, wo sie als geborene Marquise und Ausländerin kurze Zeit nach ihrer Ankunft inhaftiert wurde. Für ihre Freilassung setzte sich der »Repräsetant in Mission« Jean Lambert Tallien ein, der durch die Schönheit Térésias verzaubert war. Sie wurde zu Talliens Gefährtin und beeinflusste ihn in Richtung einer gemäßigteren Politik. Im Mai 1794 folgte sie ihrem Geliebten nach Paris, als dieser sich vor dem Wohlfahrtsausschuß rechtferigen musste. Bei ihrer Ankunft in Paris wurde sie verhaftet und in das Frauengefängnis Petite-Force gebracht, wo sie auch Joséphine de Beauhamais kennenlernte. Im Juli 1794 ließ sie einen Kassiber an Tallien schmuggeln:
Ich hatte einen Traum. Ich träumte, ich werde am nächsten Tag hingerichtet. Dies könnte man ändern, wenn es nicht kleinmütige Schwächlinge, sondern richtige Männer gäbe.
Tallien, der immer noch von seiner Gefährtin verzaubert war, wollte seine Geliebte retten indem er sich mit den Gegnern Robespierres verbündete. Zusammen mit Barras, Billaud-Varenne, Carrier, Collot d´Herbois, Fréron und Fouche, leitete er den Umsturz von 9. Thermidor (27.07.1794) ein. Nachdem Thérésia aus dem Gefängnis befreit wurden, feierten ihre Bewunderer sie als »Notre-Dame de Thermidor«. Am 26.12.1794 heiratet sie Jean Lambert Tallien, der bereits im März 1795 zur Westarmee beordert wurde. Im Jahre 1802 wurde diese Ehe geschieden.
Zusammen mit ihrer Freundin Joséphine de Beauhamais prägte sie die die Mode im neogriechischen Stil. Sie trugen ihr Haar kurz und lockig und kleideten sich in durchsichtigen, nach antiken Vorbildern geschnittenen Stoffen. Dadurch wurde insbesondere Théresias Schönheit und erotische Ausstrahlung unterstrichen. Sie teilten ihre Vorlieben für Schmuck, Seide sowie Spitzen und waren für ihre Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit bekannt.
Thérésias Haus am Champs Elysées war einer der bekanntesten und einflussreichsten Orte des spätrevolutionären Frankreichs. In ihrem Hause trafen sich die Neureichen des Direktoriums, egal ob neureiche Spekulaten, Bankiers, Heereslieferanten, Militärs oder Politiker. Durch ihre Verschwendungssucht erhielt sie schnell den Beinamen »Königin des Direktoriums« vom Volke.
Während ihrer Ehe mit Tallien hatte Thérésia immer wieder kürzere oder längere Affären mit Lazare Hoche und Napoleon ehe sie die Geliebte von Paul Barras wurde. Im Jahre 1798 wurde sie, mit Zustimmung von Barras die Geliebte des neureichen Heereslieferanten Gabriel Ouvrard (1770-1846), der ihrem Bedürfnis nach Luxus auf dem Schloss Raincy nachkam.
Thérésia verlor unter dem Konsulat ihren Einfluss. Der Marquis de Sade veröffentlichte im Jahr 1800 ein pornografisches Werk: »Zoloé und ihre zwei Genossinnen oder Einige Wochen aus dem Leben dreier hübscher Frauen«, welches dem Ersten Konsul Frankreichs gewidmet war, aber von diesem als Verleumdung von Joséphines Beziehung zu Thérésia verstanden wurde. Bonaparte ließ deswegen de Sade in das Staatsgefängnis Sainte-Pélagie bringen. Des Weiteren schränkte er den Umgang Joséphines mit Thérésia ein das schließlich einem Verbot derselben nachkam.
Auslöser für das endgültige Umgangsverbot, das Napoleon I. gegenüber Madame de Tallien aussprach, war ihre dritte Ehe im Jahre 1805 mit Francios-Joseph-Philippe de Riquet, Graf von Caraman und 16. Fürst von Chimay.
Ich verbiete Dir, Madame Tallien zu sehen, unter welchem Vorwand auch immer. Ich werde keine Entschuldigung mehr gelten lassen. Wenn Dir etwas an meiner Wertschätzung liegt und Du mir gefallen möchtest, wirst Du Dich über diesen Befehl niemals hinwegsetzen. Sie kommt in Deine Gemächer, verbringt dort sogar die Nacht. Verbiete Deinen Türhütern in Zukunft, sie einzulassen. Ein jämmerlicher Kerl hat sie mit acht Bastarden geheiratet. Ich verachte sie jetzt nur noch mehr. Sie war ein liebenswertes junges Mädchen, doch sie hat sich in ein ehrloses und liederliches Frauenzimmer verwandelt.
Joséphine hielt sich an die Anweisung Napoleons gehalten und empfing Thérésia nie wieder. Sie zog sich daraufhin aus der Pariser Gesellschaft zurück und kümmerte sich um die Erziehung ihrer insgesamt elf Kinder. Im Jahre 1815 zog sie auf das Schloss Chimay - im heutigen Belgien - wo sie einen kleinen Musenhof führte. Zu den von ihr geförderten Künstlern gehörten Daniel Auber, Charles de Bériot, Luigi Cherubini, Rodolphe Kreutzer und Maria Malibran.
