Samuel Thomas Soemmerring
* 28.01.1755 in Thorn / Westpreussen
† 02.03.1830 in Frankfurt

- Samuel Thomas Soemmerring
Geboren wurde Samuel Thomas Soemmerring in Thorn als 9. Kind des Arztes Johann Thomas Soemmerring (1701-1781) und seiner Frau Regina.
Von 1774 bis 1778 studierte Samuel Thomas Soemmerring in Göttingen Medizin, wo der aufklärerische Professor Albrecht von Haller (1708-1777) wirkte. Schon während des Studiums spezialisierte er sich auf den Schwerpunktbereich Anatomie bei Ernst Gottfried Baldinger (1738-1804) und Johann Friedrich Blumenbach (1739-1808). Schon mit seiner Dissertation "Über die Basis des Gehirns und den Ursprung der Hirnnerven" revolutionierte der junge Mediziner die Hirnforschung und machte ihm schnell zum angesehensten Anatomen seiner Zeit. Nach seinem Studienabschluss unternahm der junge Wissenschaftler eine ausgedehnte Studienreise durch die Niederlande, England und Schottland ehe er im Jahre 1779 dem Ruf, der ihm durch die Vermittlung seines Freundes Georg Forster erreicht, als Professor für Anatomie am Collegium illustre Carolinnum in Kassel folgte.
Im Jahre 1780 durfte Professor Soemmerring einen tödlich verunglückten Elefanten der landgräflichen Menagerie sezieren und präparieren. So lieh er z.B. den Elefantenschädel später an Johann Wolfgang von Goethe aus, der diesen für Studienzwecke benutzte. und eigenhändig Kupferstiche von diesem anfertigte. Beide Männer hatten sich während eines Aufenthalts Goethes in Kassel kennen gelernt.
Neben Goethe pflegte Soemmerring auch den Austausch mit anderen Größen seiner Zeit, wie zum Beispiel Immanuel Kant, die Gebrüder Humboldt. Alexander von Humboldt fühlte sich "dem großen Zergliederer [...] in dankbarer Verehrung und Freundschaft" verbunden.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die Schrift "Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer" aus dem Jahre 1784. Soemmerring bekam Körper von Sklaven, die Offiziere aus Hessen-Darmstadt aus Amerika mitgebracht hatten, zur Sezierung. Viele dieser entwurzelten Menschen starben an der mangelnden klimatischen Anpassung, aber auch durch Infektionskrankheiten und dem aus der Einsamkeit resultierenden Suizid.
Nach der Auflösung des Kasseler Collegium Carolinum begab er sich bis zum Jahre 1797 nach Mainz. Diese Zeit war durch manche Unterbrechungen auf Grund der politischen Ereignisse gekennzeichnet. In der Mainzer Zeit vertiefte sich die Freundschaft zu Georg Forster, der nach einem kurzen Gastspiel in Wilma die Stelle eines Universitätsbibliothekars bekleidete. Für ihm war Mainz der "Sitz des Aberglaubens", so schilderte der Protestant und durch die Weltoffenheit Kassels geprägte Professor seine neue Heimat. Die Mainzer Zeit nutzte Soemmerring zur Publikation seiner bisherigen Studienergebnisse aus Kassel und in den Jahren 1791 - 1796 veröffentlichte er das 6bändige Lehrbuch "Vom Baue des menschlichen Körpers", das sich zu einem Standardwerk der Goethezeit entwickelte.
Am 06.03.1792 heiratete Soemmerring Margarethe Elisabeth Grunelius, Tochter einer angesehenen Frankfurter Familie, und verlebte bis zu ihren Tod im Jahre 1802 eine äußerst glückliche Ehe. Mit der Hochzeit wurde ihm übrigens das Frankfurter Bürgerrecht verliehen. Doch zog er es vor, zusammen mit seiner jungen Frau weiterhin in Mainz zu wohnen. Während des Frankreichfeldzuges 1792 besuchte auch Freund Goethe, der seinen Landesherren Herzog Karl August von Weimar (1757-1828) begleitete, den Professor in Mainz. Diesem Ereignis gedenkt Goethe übrigens 1822 in seinem Werk "Die Campagne in Frankreich". Durch die Zuspitzung der Verhältnisse in der Mainzer Republik zieht es Soemmerring immer mehr nach Frankfurt.
Im Jahre 1795 erhielt er seine Zulassung als praktischer Arzt in Frankfurt, wo er sich zusammen mit dem Stiftsarzt Georg Philipp Lehr (1756-1823) um die Einführung der Pockenimpfung verdient gemacht hat. Bis 1804 arbeitete er als Arzt und zu seinen Patienten gehörte die damalige Frankfurter Prominenz.
Nach dem frühen Tod seiner Frau im Jahre 1802 wurde Soemmerring an die Akademie der Wissenschaften nach München berufen. Diesem Ruf folgte er im Jahre 1805, doch verzögerte sich der Bau des Anatomischen Instituts in München und Soemmerring wandte sich mehr und mehr der Physik zu. So setzte er seine bereits in Mainz und Frankfurt begonnenen Studien auf dem Gebiet der Elektrizität fort und kombinierte die vom italienischen Physiker Alessandro Volta (1745-1827) entwickelte Batterie mit einem neu entdeckten Verfahren zur Elektrolyse des Wassers und konstruierte 1809 im Auftrag des bayrischen Staatsministers Montgelas (1759-1838) für die Münchener Akademie der Wissenschaften ein Gerät zur Nachrichtenübermittlung: der elektronische Telegraph konnte bereits wenige Wochen später, am 28.08.1809 - Goethes 60. Geburtstag - vor der Akademie präsentiert werden.
Auf Vermittlung seines Freundes, dem Leibarzt Napoleons, Dominique Jean Larray (1766-1824) wurde seine Erfindung im Beisein des Kaisers Napoleon im Institute de France vorgeführt. Durch Probleme bei der Isolierung der Leitungen kam es jedoch nicht praktisch zum Einsatz. Ein Originalmodell aus dem Jahre 1811 befindet sich heute noch im Deutschen Technikmuseum in München und ein Funktionsmodell steht in der Sammlung des Frankfurter Museums für Kommunikation.
Ab 1812 beschäftigte sich der Universalgelehrte mit Paläontologie und legte mehrere Abhandlungen über Flugsaurier- und Urzeitkrokodilfunde vor. So gehört eine im Jahre 1812 von einem Pterodaktylus antiquus Soemmerring gefundene Originalplatte zu den bedeutensten Schätzen der Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie.
Nach dem Tod seines Freundes Friedrich Heinrich Jacobi kehrte er im Jahre 1820 nach Frankfurt zurück und verlebte den Rest seines Lebens im Kreise der Familie. Jedoch war es kein Ruhestand, sondern er war - wie sein Sohn - im Physikalischen Verein und der Senckenbergischen Gesellschaft tätig und widmete sich der Astronomie. Er verfasste über seine Beobachtungen der Sonnenflecken in verschiedenen Veröffentlichungen zusammen.
Er wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben, sein schlichter Grabstein ist heute noch erhalten und liegt an der Mauer zur Nibelungenallee. In Frankfurt ist seit 1862 eine Straße nach dem großen Sohn der Stadt benannt. Ein Denkmal, dessen Idee aus dem gleichen Jahre stammt, konnte erst 1897 verwirklicht werden.
Werke
- Vom Baue des menschlichen Körpers (1791 - 1796)
- Abbildungen der menschlichen Sinnesorgane
- Die Schädlichkeit der Schnürbrüste
