Louis-Antoinne Saint Just
* 29.08.1767 in Décize / Nivérais
† 28.07.1794 in Paris
Nach dem frühen Tod seines Vaters, ein Kavallerie-Hauptmann, wurde - der 1767 geborene - Saint Just in einem Internat der Oratorier in Soissons erzogen und studierte in Reims Rechtswissenschaften. . Da er das Studium vorzeitig abbrach, kehrte er ohne Abschluss nach Décize zurück und verbrachte die folgenden Jahre - ohne einer geregelten Tätigkeit nachzugehen - im Hause seiner Mutter.
Im Alter von 22 Jahren wollte Saint Just einen Gedichtband mit dem Titel "Organt" veröffentlichen. "Organt" war ein satirisches Gedicht, das die überkommenden politischen und philosophischen Ideale seiner Zeit verspottete. Eigens dafür machte er sich mit dem Manuskript bewaffnet nach Paris auf. Doch in den gängigen Literaturzeitungen wurde es nicht besprochen, mit Ausnahme in einer von Desmoulins herausgebrachten Zeitung - aber mit vernichtender Kritik.
Durch den revolutionären Gedanken, den er in Paris aufgenommen hatte, kehrte er nach Décize zurück und wurde als Volksredner tätig, so das er am Förderationsfest vom 14.07.1790 bereits als Obristleutnant der Nationalgarde teilnahm. Am 23.09.1790 schrieb Saint Just an sein Vorbild Robespierre, der ihn von nun an protegiert. Trotz der Unterstützung Robespierres gelang es ihm 1791 nicht Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung zu werden. Ein Grund ihm nicht zu wählen war eine bekannt gewordene diskreditierende Liebesbeziehung des jungen Mannes. Er verfasst in diesem Jahr seine Schrift "Esprit de la Révolution et de la Constitution" in der er auf gut 150 Seiten sowohl den Tugendenthusiasmus als auch den komprisslosen Republikanismus verkündet.
Im Jahre 1792 wurde Saint Just, trotz seiner Jugend zum Abgeordneten seines heimatlichen Wahlbezirkes ernannt und zog nun endgültig nach Paris um.
Zu dieser Zeit beschreibt Madame de Staël ihn als einen jungen Mann von mädchenhaftem Aussehen, dessen zarte Gesichtszüge von herabfallenden blonden Locken umrahmt gewesen seien. Er habe einen lichtblauen Frack mit silbernen Knöpfen getragen und sei, alles in allen, der typische junge Mann aus gutem Hause gewesen.
Am 13.11.1792 plädierte der junge Abgeordnete in der Nationalversammlung für die Hinrichtung Ludwig XVI. und der von ihm verbreitete Hass, der seine Ausführungen begleitete, überraschte auch die radikalsten Zuhörer des linken Flügels in der Versammlung. Doch seine Rede wurde mit sehr starken Beifall aufgenommen, dass Barére, der Präsident der Versammlung, um Ruhe bitten musste und den Abgeordneten zurief das es nicht schicklich sei, bei einer Trauerrede zu applaudieren. Einen Monat später fordert er die Verbannung aller Bourbonen aus Frankreich ein.
Sein nächster Einsatz galt der Wiederherstellung der Armee. Er setzte sich dafür ein, dass die Armeeleitung der Volksautorität unterstellt würde und der Kriegsminister sollte nur noch Befehlsempfänger des Konvents sein und dessen Beschlüsse umsetzen. Ein weiterer Punkt, für den er sich einsetzte, war die Ernennung von Offizieren durch die Mannschaften.
In den Auseinandersetzungen zwischen Gironde und Jakobinern stand Saint Just in vorderster Reihe und stieg zu einem der führenden Männer der Jakobiner auf. Am 10.07.1793 wurde er in den Wohlfahrtsausschuss gewählt und wurde einer der führenden Männer Frankreichs.
Wenige Monate nach seiner Wahl - im Oktober 1793 - wurde er Beauftragter des Wohlfahrtsausschusses mit nahezu unbegrenzten Vollmachten und zur Armee nach Strassburg befohlen. Seine erste Amtshandlung war die Einrichtung eines Kriegsgerichts, das alle Vergehen, die ihm zu Ohren kamen mit dem Tode zu bestrafen konnte, ohne an irgendwelche Formalitäten gebunden zu sein.
In der Rheinarmee herrschte ein gravierender Mangel an Schuhen. Diesem Mangel stellte Saint Just ab, indem er dem Stadtrat von Strassburg aufgab, innerhalb von 24 Stunden sämtlichen Aristokraten der Stadt ihre Schuhe fortzunehmen und diese im Hauptquartier abzuliefern.
Im Januar kehrte er für kurze Zeit nach Paris zurück, musste jedoch sofort wieder zur Nordgrenze reisen, um dort nach bewährten Muster die Moral der Truppen aufzurichten.
Großen Anteil hatte Saint Just beim Prozess gegen Danton, Desmoulins, und andere. Seine Feindschaft mit Desmoulins, die sich insbesondere bei ihrem zweiten Treffen im Jahre 1790 festigte, war anscheinend die Triebfeder. Nachdem die Angeklagten das Gericht dahingehend einschüchtern konnten, das es um Verhaltensmassregeln nachsuchte, betrat Saint Just das Rednerpodest:
»Die Angeklagten sind in vollem Aufruhr, sie bedrohen das Tribunal. Sie gehen so weit in der Frechheit, dass sie den Richtern Brotkügelchen ins Gesicht werfen! Sie reizen das Volk auf und könnten es vielleicht verleiten!«
Der Konvent erließ auf seinen Vorschlag hin ein Dekret, das den Prozess sofort beendete und alle Angeklagten, die es an der »Achtung vor der Gerechtigkeit« fehlen ließen, »außer Wortgefecht« setzte. Nach dem Prozess reiste er nochmals zur Nordarmee. Durch sein Eingreifen auch in strategische Fragen, schaffte Saint Just die Grundlagen für den Sieg bei Fleurs.
Am 9. Thermidor (27.07.) betrat er mit finsterer Mine die Rednertribüne und begann mit seiner Rede, die eine große Anklage gegen die Gegner Robespierres werden sollte.
»Ich gehöre zu keiner Fraktion, ich werde sie alle bekämpfen- Der Lauf der Dinge hat gewollt, dass diese Rednertribüne vielleicht der tarpejische Felsen für diejenigen werden soll, der zu erklären wagt, dass einige Mitglieder der Regierung den Weg der Weisheit verlassen haben. Ich werde dafür...«
Es waren seine letzten überlieferten Worte, da in diesem Moment Talien ihn unterbrach und es kam zu tumultartigen Szenen, die in der Anklage und Verhaftung Saint Justs, der Brüder August und Maximilian de Robespierre, Couthon und Lebas ihr Ende fanden. Saint Just nahm - nach den Schilderungen Barras - die ganze Szene unerschütterlich und unberührt auf. Nachdem der Pariser Stadtrat die Aufhebung der Haftbefehle anordnete und Robespierre und seine Freunde frei kamen, nutzten sie nicht die Gunst der Stunde. Am Abend des gleichen Tages wurden sie wieder verhaftet. Am nächsten Tag wurden sie durch die Guillotine enthauptet.
Mit dem Tod von Robespierre und Saint Just endete in Frankreich die Terrorherrschaft des Wohlfahrtausschusses.

