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Jacob Michael Reinhold Lenz

* 12.01.1751 Seßwegen / Livland
04.06.1792 Moskau

Jacob Michael Reinhold Lenz
Jacob Michael Reinhold Lenz um 1770

Der Sohn des pietistischen Pfarrers und späteren Superintendenten Christian Lenz wurde am 12.01.1754 in Seßwegen in Livland geboren. Nach der Geburt des Sohnes zog man nach Dorpat, einer größeren Stadt, von der junge Lenz auch die Schule besuchte.

Nach der Schulzeit besuchter Jacob Michael Reinhold Lenz an der Universität von Dorpat Theologie, das ihm zwischen 1768 und 1771 auch nach Königsberg führte. In Königsberg besuchte er auch die Vorlesungen Immanuel Kants über Logik und Metaphysik. Bereits während seiner Studienzeit versuchte sich Lenz als Dichter, er veröffentlichte seine erste Lyrik, interessierte sich für europäische Lyrik und Musik. So entstammte "Die Landplagen" seiner Studienzeit. Ein Gelegenheitsgedicht dieser Zeit widmete er auch Kant.

Über die Freundschaft mit Johann Georg Hamann kam Lenz mit den Werken William Shakespeares in Berührung; der Einfluss Shakespeares zeit sich immer wieder in seinem späteren Schaffen. Nach seinem Studium begleitete er bis 1774 die Barone von Kleist als Hofmeister nach Straßburg. Seine Tätigkeit als Hofmeister sicherte ihm in den ersten Jahren seines Schaffens den notwendigen Unterhalt.

In Straßburg traf er mit Johann Wolfgang von Goethe sowie Johann Gottfried Herder zusammen. Es entwickelte sich zwischen Herder und Lenz ein unfangreicher Briefwechsel, aber auch der junge Goethe, selbst noch Student, förderte Lenz und machte ihm bald zu einer zentralen Figur des Sturm und Drang.

Die Straßburger Zeit von Lenz war sehr ergiebig. So schrieb er viele Dramen wie "Der neue Mendoza" (1776), die Erzählung "Zerbin oder die neuere Philosophie" (1776). In seiner Schrift "Anmerkungen übers Theater" von 1774 führte er seine offene Dramenform, die sein literarisches Schaffen ausmachte, und ihn von den Klassizistischen Formen der Regelmäßigkeit unterschieden. Auch autobiographische Werke, wie "Tagebuch" und "Moralische Bekehrungen" (beide 1775) fielen in seine Straßburger Zeit.

Lenz betätigte sich ab 1774 als freier Schriftsteller, ehe er zunächst Goethe nach Weimar folgte. Durch sein exenztrisches Verhalten erregte Lenz schnell eine unangenehme Aufmerksamkeit, die schließlich seine Ausweisung aus Weimar zur Folge hatte. Inwieweit Goethe seinen Einfluss geltend machte, ist bis heute nicht gesichert.

In seinen literaturtheoretischen Arbeiten entwickelte Jacob Michael Reinhold Lenz eine neue Auffassung der Komödie. Für ihm galt, dass die dramatische Gattung der Komödie auch das tragikkomische Element als wirkungsvolle Annäherung an die Wirklichkeit beinhaltet. Diesbezüglich verstand er Literatur als Form der realistischen Darstellung von Gesellschaft und deshalb konnte die Darstellung in der Komödie nicht heiter sein. In seinen Werken stellte er aktuelle Bezüge, wie die Berufproblematik von Akademikern oder auch die Triebunterdrückung dar. Als Beispiel sei hier das Werk "Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung" beschrieben. Gleichzeitig wird auch Lenz Gesellschaftskritik deutlich, zeigte er doch die Klassengesellschaft am Beispiel Bürgerschaft und Militär in seinem 1776 erschienen Werk "Die Soldaten".

In seiner Schrift "Über die Soldatenehe" versuchte er die Probleme einer positiven Sexualität und der Gefahr ihrer Zügellosigkeit entgegen zu wirken. So sah er die Lösung in einer grundlegenden Reform des Militärs. So sollte die Ehelosigkeit des Soldaten aufgehoben werden. Mit der Thematik Triebbeherrschung reihte er sich in die Tradition von Petrarca ein; dies spiegelte sich auch in seiner Liebeslyrik und dem Briefroman "Der Waldbruder, ein Pendant zu Werthers Leiden." Dieses Werk erschien 1797 in "Die Horen" und wie der Titel erkennen ließ, beeinflusste Goethes Werk diesmal Lenz.

Immer wieder bemühte sich Lenz auch, eine Unabhängigkeit vom vorherrschenden französischen Kulturbild zu erlangen. Er wehrte sich gegen eine nicht kreative Aneignung und achtete vielmehr auf eine praktische Wirkung von Literatur. Dies war seine hauptsächliche Bedeutung, wenn er die gesellschaftlichen Ungereimtheiten literarisch formulierte und ausmalte.

Ab etwa 1778 wurden Anzeichen seiner Geisteskrankheit offensichtlich. Im Jahre 1778 hielt er sich beim Steintaler Pfarrer Johann Friedrich Oberlin auf, der sich um Lenz kümmerte. Oberlin machte sich Notizen über den Krankheitsverlauf, die von Georg Büchner als Vorlage zur Novelle "Lenz" dienten. Später wurde er durch Johann Georg Schlosser in Emmendingen betreut und 1779 wurde er von seinem Bruder nach Riga geholt. Im Jahre 1781 erfolgte die Umsiedlung nach Moskau, wo er sich mit literarischen Arbeiten zusätzlich Geld verdiente. Seinen Lebensunterhalt finanzierten ihm zusätzlich seine Freunde. JacobMichael Reinhold Lenz wurde am 04.06.1792 auf einer Moskauer Straße tot aufgefunden.

Ludwig Tieck brachte 1828 Lenz´ "Gesammelte Schriften" heraus. Viele weitere, zu seinen Lebzeiten unveröffentlichte Dramen, Gedichte, Prosatexte und auch theoretische Schriften werden im 19. und frühen 20. Jahrhunder noch veröffentlicht.