* 06.09.1757 in Chavaniac
† 20.05.1834 in Paris

- Marquis La Fayette
Marie Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier, Marquis La Fayette oder auch Lafayette stammte aus einer alten Adelsfamilie in Chavaniac im Departement Haute-Loire. Der Vater fiel im Gefecht bei Minden zwischen französischen und britischen Truppen im Jahre 1759. Im Alter von 13 Jahren wird er, während seiner Zeit im Collège de Plessis in Paris zum Vollwaisen. Im selben Jahr stirbt auch noch sein Großvater.
Auf Grund des beträchtlichen Vermögens seiner Familie brauchte er keine materiellen Einschränken in Kauf nehmen und konnte so seinen Neigungen im vollem Umfange nachgehen.
1771 begann er bei den Königlichen Musketieren seine militärische Laufbahn. Durch eine besondere Förderung des Duc d´Ayen wird er 1773 zu den Noailles Dragonern versetzt und zum Leutnant befördert. Im April 1774 erfolgt die Beförderung zum Kapitän und am 11.04.1774 heiratet er Adrienne de Noailles, die Tochter seines Regimentskommandeurs. La Fayette war ein populärer aber auch widerwilliger Höfling. Da er keine Stellung seinem Range entsprechend erreichen konnte, ließ er sich 11.06.1776 aus dem Militärdienst verabschieden.
Seitdem Marquis La Fayette erstmals im Jahre 1775 vom amerikanischen Unabhängigkeitsbestrebungen gehört hatte, war er entschlossen diese Bewegung zu unterstützen. Im Dezember 1776 wird La Fayette zum Generalmajor der Kontinentalarmee ernannt. Im Februar des Folgejahres bricht er mit seinem Schiff »La Victoire« in Richtung neuer Welt auf. Es landet am 13.06.1777 in der Nähe von Charlestontown / South Carolina. Zunächst hat La Fayette kein Kommando. Am 31.07.1777 trifft er mit George Washington zusammen und erringt mit diesem am 11.09.1777 einen ersten Sieg bei Brandyvine gegen die britischen Truppen. Zum Jahresende hin erhält er das Kommando über die Truppen aus Virginia. Nachdem er zunächst in Valley Forge den Winter mit seinen Truppen verbringt, nimmt er 1778 an den Gefechten von Barren Hill und Momouth Count House teil und trifft auf Rhode Island mit den Truppen d´Estaing´s zusammen.
Nachdem Frankreich ein Bündnis mit den jungen Vereinigten Staaten von Amerika eingeging, begab er sich zurück in seine Heimat wo er die Geburt seines Sohnes George Washington La Fayette erlebte. In seiner beinahe einjährigen Zeit in Frnakreich versuchte er die französische Armee auf eine Invasion Englands vorzubereiten, die jedoch nie durchgeführt wurde. La Fayette kehrte bereits im April 1780 nach Amerika zurück und kämpfte zunächst gegen Benedict Arnold und dann gegen Comwallis. Im gleichen Jahr kapitulierte auch Yorktown.
Im Jahre 1782 kehrte La Fayette nach Frankreich zurück, wo er von der Bevölkerung umjubelt wurde. Er war ein entschiedener Lobbyist amerikanischer Wirtschaftsinteressen. Im wurde von Ludwig XVI. die Stelle eines Generalquartiermeisters einer spanisch-französischen Expeditionsarmee nach Britisch-Kanada übertragen. 1783 erfolgte seine Ernennung zum Generalmajor. Im gleichen Jahr schließen England und die jungen Vereinigten Staaten einen Friedensvertrag.
Zwischen den Revolutionen gehörte La Fayette zum passiven Teil der Freimaurerloge. Zunächst gehörte er in Amerika einer militärischen Loge an, bei deren Aufnahmezeremonie George Washington anwesend war. In Frankreich schloss er sich der Loge »Contrat Social« an. In den Salons der damaligen Zeit setzte er sich für liberalradikale Ideen ein. Zu seinen Interessen gehörte die Reform des Bildungswesens und der Strafgesetzgebung. Auch setzte er sich für die Abschaffung der Sklaverei und einer toleranteren Haltung gegenüber den Protestanten ein. Höhepunkt seiner Reisen durch Amerika und Europa war ein Zusammentreffen mit den preussischen König Friedrich den Großen in dessen Sterbejahr. In dieser Zeit war seine Popularität außerhalb Frankreichs nachweislich am größten.
Während der Französischen Revolution nahm La Fayette verschiedene Rollen ein. Zum einen galt er als Verteidiger der Freiheit und als hochgeachteter Soldat. Im den Jahren 1787 und 1788 gehörte La Fayette zu den Mitgliedern der Notablenversammlung, in der er sich für eine Verdoppelung des 3. Standes einsetzte. Die Notablenversammlung war durch den König beauftragt, die seit 1614 nicht mehr einberufenen Generalstände vorzubereiten. Am 04.05.1789 gehörte er als Vertreter des Adels zu den 1.200 Delegierten der Generalstände. Nachdem die Regierungsbehörden untätig waren, gehörte er zu denjenigen, die eine Vereinigung der Stände befürworteten und damit die Nationalversammlung gründeten.
Am 11.07.1789 brachte er die Allgemeine »Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte« ein. Nach dem Sturm auf die Bastille am 14.07.1789 übertrug man ihm das Kommando über die Nationalgarde. Als Kommandeur der Nationalgarde gehörte es zu seinen Aufgaben, die Ruhe in den Straßen von Paris wiederherzustellen. Eine Aufgabe, die durch seine Popularität und sein Ansehen wesentlich vereinfacht wurde. Während der Unruhen im Oktober 1789 übernahm er den Schutz der königlichen Familie, die von Versailles nach Paris gebracht wurde. Seiner Popularität ist es auch zu verdanken, das der Spagat zwischen demokratischen Kräften und Monarchisten ohne großes Blutvergießen verlief.
Für La Fayettes Popularitätsverlust war ein Zwischenfall auf dem Marsfeld am 17.07.1791 verantwortlich. Er befahl der Nationalgarde auf eine ungestüme Menschenmenge zu feuern. Dabei wurden mehrere 100 Verwundete und Tote gezählt. Auch wurde er für die Flucht der königlichen Familie am 20.06.1791 mitverantwortlich gemacht. Ludwig XVI. versuchte mit seiner Familie nach Österreich zu entkommen, wurde jedoch gefangen gesetzt. Im Oktober 1791 gab er das Kommando der Nationalgarde ab und wurde anscheinend mit allen Ehren entlassen.
Im Jahre 1792 wurde ihm ein Frontkommando übertragen. Seine oppositionelle Haltung gegenüber dem aufstrebenden Jakobismus unter Robespierre brachte ihn in Konflikt mit der Regierung. Er wurde verdächtigt in einem Komplott seine Armeen gegen Paris marschieren zu lassen. Nach der Inhaftierung des Königs am 10.08.1792 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, ohne Beteiligung von La Fayette und Dumouriez. So flüchtete er nach Flandern in österreichische Gefangenschaft. Zunächst wurde er in der Festung Wesel und anschließend in Magdeburg inhaftiert. Weitere Stationen seiner Gefangenschaft waren Neisse und Olmütz. Nach seiner Freilassung im Jahre 1797 lebte er zunächst im holsteinischen und anschließend holländischen Exil, während sich seine Frau Adrienne wieder in Frankreich aufhielt um die Rückkehr ihres Mannes nach Frankreich zu ermöglichen. Das Direktorium hatte seinen gesamten Besitz in der Bretagne und Auvergne veräußert. Ihm blieb nur der Familienbesitz in Chavaniac.
Erst nach dem Staatsstreich vom 18. Brunnaire wandelte sich in Frankreich das Klima und dem verdienten Offizier wurde eine Rückkehr ermöglicht. Er zog sich nach La Grange - einem Teil des Erbes seiner Gattin - zurück, wo er die Jahre des Konsulats und der des Kaiserreichs in weitestgehender Zurückgezogenheit verlebte. Er widmete sich der Landwirtschaft, mit der er sich während seiner Gefangenschaft intensiv beschäftigt hatte. Durch seine finanzielle Unterstützung geriet La Fayette in große Schulden, die er nun abtrug. Im Jahre 1804 schenkten ihm die Vereinigten Staaten von Amerika ein großes Stück Land in Louisiana, das er in kleinen Teilen an seine Gläubiger aufteilte. Im Jahre 1807 starb seine Gattin Adrienne an den Folgen ihrer Inhaftierung während der Revolutionsjahre. La Fayettes Rückzug ins Privatleben war mit seiner Ablehnung der napoleonischen Politik erklärlich.
Mit der Restauration trat La Fayette wieder auf die politische Bühne zurück. Als Abgeordneter der Deputiertenkammer nahm er die Abdankung Napoleons mit besonderer Freude zur Kenntnis. Er gehörte von 1818 bis zu seinem Tode der Deputirertenkammer an. Seine Mitgliedschaft wurde nur durch einen längeren Amerika-Aufenthalt unterbrochen, den er in den Jahre 1824/25 antrat. In vielen Städten wurde er als "ein weiterer Vater der Nation" bejubelt.
Nach Ausbruch der Juli-Revolution von 1830 wurde La Fayette erneut Kommandeur der Nationalgarde. In dieser Rolle unterstützte er auch die Thronbesteigung des »Bürgerkönigs« Louis Philipp. In der nachnapoleonischen Zeit galt der Marquis als Führer der liberalen Opposition in Frankreich. Er unterstützte auch die Revolutionen in Belgien (1831), Polen (1831) und Italien (1831). Die belgische Politik verfolgte er seit der Brabanter Revolution im Jahre 1789. Während der europäischen Revolutionen stand er mit zahlreichen Führern europäischer Revolutionen in engen Kontakt.
Er starb am 20.05.1834 in Paris und wurde auf dem Friedhof Cimetiére de Picpus beigesetzt.
