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Immanuel Kant

* 22.04.1724 in Königsberg
12.02.1804 in Königsberg

Immanuel Kant

Immanuel Kant wurde am 22.04.1724 als viertes von neun Kindern des Riemermachers Johann Georg Kant und seiner Frau Regina Reuter, die am 13.11.1715 in Königsberg heirateten, geboren. Von seinen Geschwistern erreichten ein höheres Lebensalter die ältere Schwester Regina sowie 3 jüngere Schwestern Anna Luise, Maria Elisabeth und Katharina Barbara. Sie heirateten alle Handwerker. Sein 11 Jahre jüngerer Bruder Heinrich wurde Landpastor zu Altrahden. Zu seinen Geschwistern verband in sein Leben lang ein gutes aber sicherlich nicht inniges Verhältnis.

Kant wurde Schüler des Friederichskollegiums. Die 1698 vom kurfürstlichen Holzkämmerer Theodor Gehr, der bereits in früher Jugend Kontakt zum Gründer der Franckischen Stifungen in Halle (Spener und Francke) hatte, gründete 1698 die private Schule. Sie wurde im Laufe der Zeit zur Hochburg des Pietismus in Preussen. Leiter der Schule war der 1733 verstorbene Georg-Friedrich Rogall. Ihm folgte der Pommer Franz Albrecht Schultz, der zu den großen Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts gehörte. Durch seinen Einfluss entschied sich Vater Kant, seinen Sohn die Universität besuchen zu lassen. Am 27.09.1740 lies Kant sich in der Universität zu Königsberg immatrikulieren. Aus den Universitätsaufzeichnungen geht leider nicht hervor, für welche Fachrichtung sich Kant einschrieb. Bei Kantbiographen führte dieses über viele Jahre zu heftigen Diskussionen.

Kant wird sich vermutlich für das Fach Theologie eingeschrieben haben. So wünschte es sein Vater und und seine Lehrer. Kant soll auch versucht haben, in einigen Landgemeinden zu predigen und wenn man seinem Biographen Borowski Glauben schenkt. Jedoch galt sein wahres Interesse der Naturwissenschaft und Philosophie. Er hörte Lesungen bei Martin Knutzen, der im Sinne Christian Wolffs lehrte. Über Knutzen äußerte er sich noch im Alter wohlwollend. Das Studium beendete er 1746 und reichte dem Dekan seine erste Schrift "Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte." Sie erschien jedoch erst 1749, da Kant sich vorher auf Grund seiner bescheidenen Verhältnisse die Kosten für den Druck nicht leisten konnte. Nach Abschluss seines Studiums schlug er sich als Hauslehrer durch und sammelte dabei pädagogische Kenntnisse.

Am 12. 06.1755 promovierte Kant mit einer Schrift über das Feuer "de igne" zum Magister und am 27.09. des gleichen Jahres wurde er mit der Abhandlung über die Prinzipien der metaphysischen Erkenntnis als Privatdozent zugelassen. Er nannte sich damals magister legens, weil es den heutigen Titel Privatdozent noch nicht gab. Kant hielt gewöhnlich seine Vorlesungen am frühen Morgen zwischen 7 und 9 Uhr und trotz dieser frühen Stunde waren sie immer sehr gut besuchte Veranstaltungen. Nicht nur Studenten, sondern auch Offiziere, Bekannte und vor allem viele Fremde, die vom Ruf Kants hörten, fanden sich zu seinen Vorlesungen ein.

Trotz all seines Fleißes dauerte es jedoch 15 Jahre bis er eine Professur erhielt. Nach dem Tode seines Lehrers und Mentors Martin Knutzen bewarb er sich erfolglos auf seine Professor. Da es eine außerordentliche Professor war, wurde sie nicht verlängert. Eine Berufung als Professor für Beredsamkeit und Dichtung lehnte Kant ab, weil er sich für nicht geeignet hielt. Um sein Gehalt - Dozenten wurden damals aus Kolleggeldern und Honoraren für Veröffentlichungen vergütet - aufzubessern wird er Unterbibliothekar der Königsberger Schlossbibliothek. Diese Tätigkeit übte er von 1766 - 1772 aus. In der Zwischenzeit erhielt er eine Professor für Logik und Metaphysik in Königsberg. Zu diesem Zeitpunkt war Kant 46 Jahre alt. Er war in den Jahren 1786 und 1788 auch Rektor der Albertina in Königsberg. Die Aufgaben des Rektors erfüllte er, obwohl sie ihm keinen Spaß machten. Seinen Lehrstuhl hielt er 34 Jahre inne und erst nach seinem Tod im Jahre 1805 wurde dieser neu besetzt.

Immanuel Kant förderte seine Studenten wo er nur konnte, auch wenn er keinen von Ihnen in seinen Haushalt aufnehmen konnte. Er ging mit Ihnen spazieren und unterhielt sich auch außerhalb der Vorlesungen mit Ihnen und viele unterstützte er bei der Beschafung von Stipendien, Freitischen und Hauslehrerstellen oder gab Ihnen Empfehlungsschreiben für befreundete Professoren anderer Universitäten mit auf den Weg. Zu den vielen Studenten Kants gehörte zum Beispiel der spätere Kantbiograph Ludwig Boroswski. Er war während des Aufenthalts der königlich-preussischen Familie 1808/09 in Königsberg deren Seelsorger. Mit 89 Jahren wurde ihm der Rang eines preussischen Erzbischofs verliehen - er war damit der einzige evangelische Erzbischof der Weltgeschichte. Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde er in den persönlichen Adel erhoben und erhielt den Schwarzen Adler-Orden.

Hermann von Boyen war mit 17 Jahren ebenfalls Student von Kant. Der kategorische Imperativ wurde zur Richtschnur seines Handelns, doch kann man ihn nicht als Kantianer bezeichnen. Boyen wurde 1814-1819 Organisator der Allgemeinen Wehrpflicht und der Landwehr und preussischer Kriegsminister. Aber auch Friedrich Grentz, während der Zeit der Restauration engster Mitarbeiter von Metternich, und Johann Gottfried Herder, Christian Jakob Kraus. dessen Staatstheorie als Grundlage der preussischen Reformen mit denen Preussen nach 1807 erneuert wurde.

Ausgangspunkt seiner Philosophie waren die Grundlagen seiner Anschauungen in der Physik Newtons. Sie regte ihm auch für Bereche an, die nicht der Natur zugehörten. Seine Suche nach strenger Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit prägte seine Philosophie. Weitere Impulse erhielt er aus naiven Richtungen der Aufklärung. Etwa bis zu seinem 36 Lebensjahr war Kant Anhänger der Wolffschen Lehre, wie sein Lehrer Knutzen. Kant nannte sie später einen "Dogmatismus" und entfernte er sich unter dem Einfluss von John Locke und David Hunne von seinen philosophischen Vätern. Die Frage nach der Möglichkeit metaphysischer Erkenntnis wird von nun an zum treibenden Moment seiner Philosophie. Bei seinen eigenen Lehren unterscheidet man zwischen einer vorkritischen und nachkritischen Periode. Der Einschnitt wird 1769 durch seine Unterscheidung zwischen apriotischen Prinzipien und sinnlicher Erkenntnis markiert. Erst nach Veröffentlichung seiner Schrift "Kritik der reinen Vernunft" im Jahre 1781 ist diese Phase abgeschlossen.

Kritiker griffen Kant dahingehend an, das in seiner Philosophie die Vernunft dennoch die letzte Instanz zur Beurteilung der Fähigkeiten und Grenzen der Vernunft sei, da seine Vernunftkritik eben von der Vernunft getragen werde. Aus dieser Paradoxie führte jedoch auch kein Weg heraus.

Mit dem preussischen Staat kam er nur ein einziges Mal in Konflikt. Nach dem Tode Friedrich II. schwenkte die preussische Kirchenpolitik wieder auf einen orthodox-reaktionären Kurs. So wurde der Aufsatz "Über das radikal Böse" in der Berlinerschen Monatsschrift noch von der Zensur genehmigt. Jedoch eine Vorsetzung, wie geplant, wurde nicht mehr genehmigt. So entschloss er sich in Zusammenarbeit mit der Jenaer philosophischen Fakultät seine Schrift "Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" heraus. Daraufhin erwirkte der Leiter der kirchlichen Departements Johann Christian Wöllner, ein Günstling Friedrich-Wilhelm II., in einer Allgemeinen Kabinettsordre vom 10.10.1794 das Kant vom König getadelt und verpflichtet wurde, nichts mehr gegen die Religion zu lehren und zu schreiben. Kant antwortete auf diese Anordnung:

Schwiegen in einem Falle wie dem gegenwärtigen ist Untertanenpflicht.

Kant selbst war nie ein Revolutionär, auch wenn er die amerikanische Revolution und die französische Revolution im Sinne der Vernunft positiv beurteilte. So schrieb Kant als Antwort auf die französische Revolution die Schrift "Zum Ewigen Frieden". Sie erstand im Jahre 1795, als Preussen die Revolutionsregierung in Paris anerkannte und den Baseler Frieden schloss. Es handelt sich dabei um eine Utopie, jedoch nicht die eines Träumers, sondern die eines kritischen Philosophen, der sich im Vorwort selbst als theoretischen Politiker bezeichnet. Kant sah den Gegensatz zwischen dem Bild des zukünftigen Europas, wie er es sich vorstellte und den kriegerischen Eroberungskriegen seiner Zeit aber er hat auch die Hoffnung, das die Menschen zum ewigen Frieden kommen könnten, sofern sie den richtigen Gebrauch ihrer Vernunft machen würden. So beendete er seine Schrift mit den Worten:

Wenn es Pflicht, wenn zugleich gegründete Hoffnung da ist, den Zustand des öffentlichen Rechtes, obwohl nur einer ins Unendliche fortschreitenden Annäherung, wirklich zu machen, so ist der ewige Friede keine leere Idee, sondern eine Aufgabe, die nach und nach aufgelöst beständig näherkommt.

Für Kant gab es keine Konflikte zwischen Weltbürgertum und Staatsbürgerschaft, auch wenn die Generation der preussischen Reformer um Stein sich eher als Staatsbürger anstatt Weltbürgern sahen. Für sie waren die Befreiungskriege eine nationale Aufgabe.

Kant stellte im Jahre 1796 seine Vorlesungen ein, blieb jedoch noch Inhaber des Lehrstuhles. Gestorben ist dieser große Philosoph am 12.02.1804 in seiner Vaterstadt Königsberg, der er Zeitlebens eng verbunden gewesen ist. So konnte man am 13.02.1804 in der Königlichen preussischen Staats-, Kriegs- und Friedenszeitung lesen:

Königsberg, den 12.Februar.

Heut Mittag um 11 Uhr starb hier an völliger Entkräftung im 80. Jahr seines Alters Immanuel Kant. seine Verdienste um die Revision der spekulativen Philosophie kennt und ehrt die Welt. Was ihm sonst auszeichnete, Treue, Wohlwollen, Rechtschaffeneheit, Umgänglichkeit - dieser Verlust kann nur an unserem Orte ganz empfunden werden, wo also auch das Andenken des Verstorbenen am ehrenvollsten und dauerhaftesten sich erhalten wird.

Werke

  • Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte (1746)
  • Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755)
  • Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes (1763)
  • Untersuchung über die Deutlichkeit der Grundsätze der natürlichen Theologie und der Moral (1764)
  • Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen (1764)
  • Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik (1766)
  • De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (Inauguraldissertation) (1770)
  • Kritik der reinen Vernunft (1781)
  • Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783)
  • Was ist Aufklärung? (1784)
  • Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785)
  • Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (1786)
  • Kritik der reinen Vernunft (zweite, wesentlich veränderte Auflage) (1787)
  • Kritik der praktischen Vernunft (1788)
  • Kritik der Urteilskraft (1790)
  • Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793)
  • 1795 Zum ewigen Frieden (1795)
  • Metaphysik der Sitten (1797)
  • Streit der Fakultäten (1798)
  • Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798)