Startseite > Biographien > B > Belley,Jean-Baptiste

Jean-Baptiste Belley

* 00.07.1747 in Gorée / Senegal
† nach 1806 in Belle-Ïle-en-Mer

Geboren wurde Jean Baptiste Belley auf der Insel Gorée, einer bekannten Sklaveninsel vor der Küste des Senegal. Im Alter von 2 Jahren wurde er nach Santo Domingo eingeschifft. Im Alter von 16 Jahren konnte er durch den Eintritt in die französische Armee seine Freiheit erlangen.
Während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges kämpfte Belley an der Seite der amerikanischen Kolonien. So gehörte er zu den etwa 800 Angehörigen der Corps des Chasseurs-Volontaires de Saint-Domingue. In den offiziellen Verwundetenlisten sind neben dem Namen Belleys auch viele andere Persönlichkeiten des haitischen Unabhängigkeitskampfes zu finden: Beauvais, Chavannes, Cangé, Besse, Mornet, und Henry Christophe. Sicherlich haben viele dieser schwarzen Soldaten in der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges den Traum von der Freiheit entdeckt.

Beim Ausbruch der französischen Revolution im Jahre 1789 findet sie einen fruchtbaren Boden unter den schwarzen Soldaten der französischen Krone.

Am 29.10. und 25.11.1790 kommt es auf Santo Domingo zu Aufständen der Mulaten und der Schwarzen. Ein großer  Aufstand von etwa 50.000 Sklaven am 23.08.1791 führte Jahre später zur ersten unabhängigigen Republik von Schwarzen und Mulatten: Haiti.

Im September 1792 landete Léger-Félicité Sonthonax, Kommissar der französischen Republik, mit etwa 6.000 Soldaten auf Saint Domingue  mit dem Ziel, die Ordnung wiederherzustellen. Bei seiner Ankunft beherrschten die Mulatten den Westen der Insel, während die Sklaven, in der Regel Schwarze, den Norden und die Städte durch königstreue Weiße der Insel beherrscht wurde. Zugleich griffen, die instabile Situation in Frankreichs reichster Kolonie ausnutzend Engländer und Spanier auf die Insel. Die Führer der Sklaven suchten bei den Spaniern Unterstützung, die diese mit Waffen unterstützten.

Aus dieser Not heraus und ohne durch den Nationalkonvent autorisiert zu sein, erklärte Sonthonax die Sklaverei für abgeschafft. Dies brachte ihm die Feindschaft der Mulatten, jedoch nicht die Unterstützung der Schwarzen.

Währenddessen führte man in Paris eine Diskussion über die Anwendung der Errungenschaften der »Erklärung der Menschenrechte« auch für Schwarze und Mulatten.

In dieser Zeit wurde Belley, als Führer des 16ème Régiment d’Infanterie, sechs Mal verwundet. Mit der Übernahme der revolutionären Gesetzgebung für Santo Domingo stand einer politischen Karriere Jean-Baptiste Belleys nun nichts mehr im Wege. Am 03.02.1794 wird Belley ein Sitz in der Nationalkonvent gewährt, wo er neben weiteren Vertretern Santo Domingos einzieht.

In der Sitzung vom 04.02.1794 ergreift der Abgeordnete Chamboulas das Wort:

Seit 1789 ist die Aristokratie der Geburt und der Religion abgeschafft, aber die Aristokratie der Hautfarbe existiert weiter. Heute ist ihre letzte Stunde gekommen: die Gleichheit aller Menschen wird Wirklichkeit. Ein schwarzer und ein farbiger Bürger werden, im Namen der Kolonie Saint Domingue ihre Sitze im Konvent einnehmen.

Daraufhin zogen die sechs Vertreter Saint Domingues in den Konvent ein. Belley vertritt die Schwarzen. Am gleichen Tage wurde durch den Nationalkonvent die Sklaverei aufgehoben.

Am 13.07.1797 wurde er zum Chef der Gendarmerie von Saint Domningue ernannt um die Aufstandsbewegungen gegen Frankreich aufzuhalten. In nur sieben Monaten nach seiner Entsendung musste er den Misserfolg seiner Unternehmungen eingestehen. Im Jahre 1801 wird Haiti durch François-Dominique Toussaint L'Ouverture für unabhängig erklärt. 

Mit der Erklärung einer eigenen Verfassung für Saint Domingue, deren Verkündung ohne Absprache mit dem ersten Konsul in Paris, Napoleon Bonaparte, nicht stattfand. Toussaint L'Ouverture erklärte zwar mit keinem Wort die Zugehörigkeit dieser Kolonie zum französischen Mutterland in Frage, faktisch war es jedoch die Unabhängigkeitserklärung.

Napoleon sah sich gezwungen einzuschreiten und schickte ein Expeditionskorps unter General Leclerc mit 23.000 Mann in die Karibik. Nach kurzen, aber sehr heftigen Kämpfen konnte General Toussaint L'Ouverture durch Leclerc besiegt und später auch gefangen genommen werden. Bei den Aktionen Leclercs begleitete ihn zunächst Belley, der aber wegen seiner Parteinahme für die Aufständischen nach Paris zurückgeschickt wurde. Dort wurde er inhaftiert.

Nach seiner Freilassung ging er für die letzten Jahre seines Lebens zurück nach Paris.