EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg

* 07.11.1750 in Bramstedt/Holstein
† 05.12.1819 in Melle/Westfalen

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg (1750-1819) war ein revolutionär-pathetischer Dichter des Sturm und Drang. Auch als Übersetzer klassischer griechischer Autoren machte er sich einen Namen. Er stand eher den religiös beeinflussten Kreisen um Klops
Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg (1750-1819)

Am 07.11.1750 wurde den Grafen Christian Günther zu Stolberg-Stolberg und seiner Ehefrau Christiane, einer geborenen Gräfin Castell-Remlingen wurde der zweite Sohn Friedrich Leopold geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der junge Graf in Kopenhagen, wo sein Vater als Oberkämmerer in Diensten des dänischen Königs stand. Nach dem Tode des Vaters übernahm Klopstock, der mit der Familie des Grafen befreundet war, die Erziehung der Kinder.

Zusammen mit seinem älteren Bruder Christian zu Stolberg-Stolberg studierte Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg zunächst Rechtswissenschaften an der Universität Halle, ehe sie nach Göttingen wechselten.

Die beiden Brüder wurden am 19.12.1772 zusammen mit ihrem Hofmeister Carl Christian Clausewitz in den Göttinger Hainbund aufgenommen. Gemeinsam unternahmen die Brüder mit ihrem Hofmeister ausgedehnte Bildungsreisen durch Deutschland und die Schweiz.

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg wurde am 11.05.1774 in die Hamburger Freimaurerloge »Zu den drei Rosen« aufgenommen. Am 21.04. des Folgejahres wurde er in den Rang eines Meisters erhoben. Ob er auch in Berlin die höheren Weihen der Großen Landesloge erhalten hat, ist nicht gesichert. Doch schon wenig später entsagte er den Freimaurern, weil sie seinen Ansprüchen nicht mehr genügten.

Im Jahre 1777 nahm er die Stellung des Gesandten des Fürstbischofs von Lübeck in Kopenhagen an. Diese Stellung gab er jedoch im Jahre 1780 auf und wurde 1789 nochmals diplomatisch tätig. So war er zwischen 1789 und 1791 Gesandter des dänischen Königs am preußischen Hof in Berlin.

Zwischen 1791 und 1800 nahm er die Leitung der fürstbischöflichen Kollegien in Eutin wahr. Als Präsident der Eutiner Kollegien gehörte er auch dem Eutiner Kreis an. Dies war ein zwischen 1776 und 1829 bestehender Künstlerbund. Neben Stolberg-Stolberg gehörten der Dichter und literarische Übersetzer Johann Heinrich Voß, der Dramatiker Heinrich Wilhelm von Gerstenberg oder auch der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi. Auch der Jurist Johann Georg Schlosser und der preußische Ministerialbeamte im Kirchen- und Schulangelegenheiten Georg Heinrich Nicolovius. Der Kreis zerbrach jedoch wegen Differenzen zwischen Stolberg-Stolberg und Voß über den Umgang mit der Französischen Revolution.

In den 1790er Jahren stand er auch in enger Verbindung mit dem Emkendorfer Kreis. Hierbei handelte es sich um eine Art literarischer Salon, der sich im Jahre 1783 um die Gräfin Friederike Juliane von Reventlow und ihren Gatten Friedrich Karl von Reventlow auf Schloss Emkendorf gebildet hatte. Der Kreis wurde unter anderen auch von Johann Heinrich Voß und Friedrich Heinrich Jacobi, die er ja auch schon aus dem Eutiner Kreis kannte, aber auch andere Dichter des deutschen Nordens wie Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich Christian Boie, Matthias Claudius und Johann Caspar Lavater besuchten die Reventlows. Hier hatte sich ein erstes Zentrum der frühen evangelischen Erweckungsbewegung gebildet, das sich gegen den theologischen Rationalismus der Theologischen Fakultät an der Universität Kiel wandte.

1798 griff er in den Streit um die Aufklärungstheologie des Generalsuperintendenten Jacob Georg Christian Adler mit einer anonymen Flugschrift ein. Er positionierte sich klar gegen die von Adler überarbeitete Agende. In dieser wurde in der evangelischen Kirche die Durchführung des Gottesdienstes beschrieben. Zunächst wurde diese Flugschrift dem Schriftsteller und Theologen Matthias Claudius  zugerechnet.

In jener Zeit hatte der Graf zu Stolberg-Stolberg bereits Anschluss an den Kreis der Gräfin Gallitzin und Franz von Fürstenberg in Münster gefunden. Er legte im Jahre 1800 seine politischen Ämter nieder und zog ins westfälische Münster. Hier trat er – zusammen mit seiner zweiten Frau Sophie sowie seinen Kindern – zum katholischen Glauben über. Nur seine aus der ersten Ehe entstammende Tochter Marie Agnes, die bereits mit ihrem Cousin Ferdinand zu Stolberg-Wernigerode verlobt war, machte diesen Schritt nicht mit. Mit dieser Entscheidung sorgte Friedrich Leopold bei seinen Geschwistern und auch im protestantischen Deutschland für großes Aufsehen.

Noch viele Jahre später sorgte diese Entscheidung für viel Unverständnis. So nahm sein alter Freund Voß dieses Ereignis zur Grundlage seiner Schrift »Wie ward Friz Stolberg ein Unfreier« und »Bestätigung der Stolbergischen Umtriebe«, in der er polemisch mit der Konversion seines alten Göttinger Studienfreundes und Eutiner Nachbarn abrechnete. Eine Erwiderungsschrift erschien erst nach dem Tode Stolbergs unter dem Titel »Kurze Abfertigung der langen Schmähschrift des Herrn Hofraths Voß«.

Graf Stolberg heirate in erster Ehe am 11.06.1782 Henriette Eleonore Agnes von Witzleben. Dieser Ehe entstammten zwei Söhne und zwei Töchter, darunter zum Beispiel der älteste Sohn Christian Ernst von Stolberg-Stolberg (1783-1846), der eine militärische Karriere in österreichischen Diensten anstrebte und als k.k. Generalmajor in den Ruhestand trat..

Nach dem Tode seiner ersten Ehefrau am 15.11.1788 vermählte sich er sich am 15.02.1790 mit Sophie Charlotte Eleonore von Redern (1765-1842). Aus dieser Ehe hatte das Paar weiteren 14 Kindern das Leben geschenkt.

Heinrich Christian Boie veröffentlichte bereits im Jahre 1783 die gesammelten Gedichte der Brüder Friedrich Leopold und Christian zu Stolberg-Stolberg unter den Titel »Gedichte der Brüder Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg, herausgegeben von Heinrich Christian Boie«. Einige seiner Gedichte wurden von Franz Schubert vertont. Hierzu gehörten insbesondere »Morgenlied«, »Abendlied«, »An die Natur«, »Auf den Wasser zu Singen« oder auch »Stimme der Liebe« und einige mehr.

Das schriftstellerische Werk des Grafen konzentrierte sich überwiegend auf Balladen, Oden, Satiren, Reisebeschreibungen und Dramen. Im Jahre 1784 verfasste er die Tragödie »Timoleon« und im Jahre 1788 folgte die Novelle »Die Insel«.

Im Jahre 1794 veröffentlichte er einen Bericht über seine »Reisen in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sizilien in den Jahren 1791 und 1792«. Mehrere seiner Schriften wurden durch den Verleger Friedrich Christoph Perthes veröffentlicht.

Auch als Übersetzer mehrerer klassischer Werke wurde der Graf bekannt. So übersetzte er bereits im Jahre 1778 die Illias, den Werken Platos widmete er sich in den Jahren 1796/97 und im Jahre 1802 übersetzte er Aischylos und Ossian folgte im Jahre 1806. 1815 veröffentlichte er eine Lebensbeschreibung Alfred des Großen und zwischen 1806 und 1818 verfasste er eine 15bändige Religionsgeschichte unter dem Titel »Geschichte der Religion Jesu Christi«.

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