EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Charlotte von Stein

* 25.12.1742 in Eisenach
† 06.01.1827 in Weimar

Charlotte von Stein (1742-1827) war eine Weimarer Schriftstellerin, die nicht nur als enge Freundin von Goethe und Schiller in die deutsche Literaturgeschichte einging.
Charlotte von Stein (1742-1827)

Geboren wurde Charlotte Albertine Ernestine von Schardt am 25.12.1742 in Eisenach als älteste Tochter des Weimarschen Hofmarschalls Johann Christian Wilhelm von Schardt. Im Elternhaus wurde Charlotte streng protestantisch erzogen.

Als Hofdame von Herzogin Anna Amalia fand sie 1758 eine Anstellung am Hofe zu Weimar. Im Jahre 1763 wurde der herzogliche Stallmeister Josias von Stein-Kochberg auf das junge Mädchen aufmerksam und begann die Brautwerbung. Am 08.05.1764 heiratete Charlotte von Stein im Schloss zu Weimar. Das Paar zog sich auf das von Stein gehörende Rittergut Kochberg in der Nähe von Rudolstadt zurück.

Dieser Ehe entstammten insgesamt 7 Kinder, von denen jedoch nur die drei Jungen Ernst, Karl und Friedrich - Fritz genannt - das Erwachsenenalter erreichen sollten. Durch diese Strapazen war sie gesundheitlich erschöpft und litt an einer Depression. So fuhr sie sowohl 1773 und 1774 zur Kur nach Pyrmont. Bei ihrem zweiten Aufenthalt in Pyrmont lernte sie Johann Georg Zimmermann, den Leibarzt des Kurfürsten von Hannover kennen. Mit diesem korrespondierte sie über »Die Leiden des jungen Werhter« und »Clavio«.

Als Zimmermann in Straßburg mit den jungen Goethe zusammentraf, zeigte er diesem einen Schattenriss von Charlotte von Stein.

Im Jahre 1775 traf Charlotte von Stein erstmals mit Johann Wolfgang von Goethe in Weimar zusammen. Die sieben Jahre ältere Frau verehrte den Schriftsteller bereits, doch trat sie ihm anfangs reserviert gegenüber. Es sollten jedoch fast 1.700 Briefe des Schriftstellers in der Folgezeit seine Verehrung und Liebe für die verheiratete siebenfache Mutter bezeugen.

Aus ihren Briefen ist erkennbar, dass sie auf der einen Seite eine gewisse Kühle und Reserviertheit aber auch Scharfsinn an den Tage legte jedoch auch ebenso über ein großes Maß an Sensibilität verfügte. Da dies eine Ähnlichkeit zu Goethes Schwester ist hier nicht verkennbar. Durch den gemeinsamen Gedankenaustausch beider entwickelte sich aus einer Zuneigung eine große Liebe, die über zehn Jahre Bestand hatte.

So feierte der Dichter Charlotte von Stein in seinem Gedicht »Tasso« als seine Erzieherin: »Vollende Dein Werk und mache mich recht gut«

Im Jahre 1776 begab sie sich erneut zur Kur nach Pyrmont und nach ihrer Rückkehr untersagte sie Goethe ihr Besuche in Kochberg zu machen. Zur gleichen Zeit unterrichtete sie den Schriftsteller und Goetheverehrer Jakob Michael Reinhold Lenz (1752-1792) in Englisch. In jener Zeit verfasste Goethe das einaktige Schauspiel »Die Geschwister« und thematisierte seine Beziehung zu Charlotte in verschlüsselter Form.

Im Frühsommer 1779 bedrängte Goethe die in Weimar weilende Charlotte von Stein mit Liebesbeteuerungen und Eifersuchtsausbrüchen. Auch fleht er sie um ihre Gegenliebe an. Als er im folgenden Jahr zusammen mit dem Herzog Carl August sich in die Schweiz begibt, schreibt er ihr regelmäßig Briefe und Berichte. Auch als er in die Freimaurerloge »Anna Amalia« aufgenommen wird schenkt er ihr das zweite Paar Handschuhe. Traditionell wurden dem neuen Bruder zwei Paar Handschuhe überriecht, wovon er eines für sich behält und das zweite der Frau schenkt, die man die größte Achtung entgegenbringe.

In den folgenden Jahren pflegten beide eine sehr innige Beziehung und doch war diese nie frei von Spannungen. So gab Stein ihren Sohn Fritz für mehrere Jahre in die Obhut des Geliebten. Fritz von Stein erinnerte sich später gerne an die Zeit bei Goethe, wo er ein Zimmer bezog.

Als Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1786 fluchtartig zu einer zweijährigen Reise nach Italien aufbrach veränderte sich das Verhältnis beider. Der Dichter war auch für die Stein über mehrere Wochen verschwunden ohne das sie wusste wo er sich aufhielt. Besuchte er sie noch im Juli 1786 während ihrer Kur in Karlsbad. Von dort aus schrieb er ihr letztmals am 01.09.1786 einen Brief und drei Tage später verließ er das böhmische Kurbad. Erst Anfang Dezember erhielt sei wieder ein Lebenszeichen des Dichters aus Rom.

Im folgenden Jahr forderte sie ihre Briefe von Goethe zurück und vernichtete diese. Auch von ihm verlangte sie nun, dass er ihre nach Italien gesandten Briefe vernichtete.

Dies war aus ihrer Sicht ein absoluter Vertrauensbruch und war auch Seiten der Stein nach der Rückkehr des Schriftstellers nicht mehr zu kitten. Auch verhinderte eine spätere Annäherung und eine Beziehung mit Christiane Vulpius das Verhältnis zu ihrem ehemaligen Idol nicht zu bereinigen. Sie verkraftete zeitlebens nicht, dass der Dichter die aus armen Verhältnissen stammende Vulpius ihr, der gebildeten und aus gutem Hause stammenden Frau, vorzog.

Wie weit die Beziehung zwischen dem Dichter und der Frau von Stein ging wird immer im Dunkeln der Geschichte bleiben. Aber ungeachtet ob es nur eine erotisch-platonische oder gar eine sexuelle Beziehung zwischen beiden war, bereicherte der Umgang beider Leben entscheidend. Für die damalige Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass der Ehemann Josias von Stein nicht auf die Beziehung seiner Gattin mit dem Dichter reagierte, wurden doch seinerzeit Ehen eher aus wirtschaftlichen als aus emotionalen Gründen geschlossen. So reagierten weder Wilhelm von Wolzogen noch Heinrich von Kalb auf die Affären ihrer Ehegattinnen.

Das Verhältnis zwischen Johann Wolfgang von Goethe und der Stein verbesserte sich nach vielen Jahren wieder auf ein gewisses, wenn auch nicht so tiefgreifend, freundschaftliches Verhältnis. Dieses hatte bis zum Tode der Charlotte von Stein, die bereits seit dem Jahre 1793 Witwe war, Bestand. So durfte August von Goethe des öfter bei der alten Freundin spielen und zu Besuch sein.

Seit dem Jahre 1787, ihr zweiter Sohn Ernst war gerade verstorben, schloss die depressive Frau Freundschaft mit Charlotte von Lengefeld, der späteren Frau von Friedrich Schiller.

Am 28.12.1793 starb Josias von Stein an den Folgen eines Schlaganfalls, den er drei Tage zuvor erlitt.

Nach dem Tode ihres Gatten wandte sich Stein selbst der Schriftstellerei zu. So verfasste sie 1794/95 ihr erstes Trauerspiel unter den Titel »Dido«. Sie verarbeitete in diesem Stück sowohl ihr Verhältnis zu Goethe als auch anderen Angehörigen des Weimarer Hofes. Schiller drängte sie, das nicht für die Veröffentlichung bestimmte Stück zu publizieren, was sie jedoch standhaft ablehnte. Erst 40 Jahre nach ihrem Tode erfolgte eine Veröffentlichung des fünfaktigen Dramas.

Im Jahre 1798 veröffentlichte sie die Komödie »Verschwörung gegen die Liebe«. Im Jahre 1803 druckte der Verleger Cotta ihr im Jahre 1803 entstandenes Drama »Die zwei Emilien« und im Jahre 1809 wurde noch das Lustspiel »Die Probe« gedruckt. Diese Veröffentlichung ist jedoch bis heute verschwunden.

Als im Jahre 1799 Charlotte von Schiller nach ihrer dritten Geburt an Nervenfieber erkrankte, pflegte Charlotte von Stein sie in ihrem Haus zwei Wochen lang zurück. Später zogen Friedrich und Charlotte von Schiller nach Weimar.

Nachdem die preußische Armee bei Jena und Auerstedt eine vernichtende Niederlage gegen Napoléons Armee erhielt, versteckte Stein den verwundeten preußischen General von Schmettau bei sich. Nach einer erneuten Flucht in das Weimarer Stadtschloss verstarb er dort am 18.10.1806 an den schweren Verwundungen aus der Schlacht bei Auerstedt. Auch musste sie sich vor plündernden Franzosen schützen, die Weimar besetzten. Bei den Plünderungen französischer Truppen auf dem Rückzug von Leipzig im Oktober 1813 verlor einen großen Teil ihres Besitzes.

In ihren letzten Jahren verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand erheblich. Am Lebensende war sie fast blind und Gehör und Stimme versagten. So schrieb sie einmal über ihr Leiden in den letzten Lebensjahren:

»Meine Gesundheit ist sehr schlecht; ich hoffe, ich werde im Grabe den Verwesungsprozeß nicht zu sehen bekommen wie jetzt den Sterbeprozeß.«

Im Jahre 1826 pflegte ihre Enkelin Louise von Stein ihre Großmutter, die ihren Geburtstag am 25.12.1826 nicht mehr bei vollem Bewusstsein erlebte.

Charlotte von Stein starb am 06.01.1827 in ihrem Hause in Weimar. Zuvor hatte sie verfügt, dass der Trauerzug nicht am Hause von Johann Wolfgang von Goethe am Frauenplan vorbeiziehen sollte. Dies entsprach keiner Verachtung oder späteren Rache der Stein, sondern es entstammte ihrer Kenntnis, dass der Dichter Angst vor allem, was mit dem Tode zu tun hatte, hatte. Doch die Behörden der Stadt Weimar entsprechen diesem Wunsch nicht als sie am 09.01.1827 ihren letzten Gang auf Erden antrat.

Werke:

  • Dido, 1794 (veröffentlicht 1867)
  • Die Verschwörung gegen die Liebe, 1798
  • Die zwey Emilien, 1803
  • Die Probe, 1809 [verschollen]

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