EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Samuel Thomas von Soemmering

* 28.01.1755 in Thorn/Westpreußen
† 02.03.1830 in Frankfurt/Main

Samuel Thomas von Soemmerring (1755-1830) war ein deutscher Naturforscher. Er entdeckte den gelben Fleck auf der menschlichen Netzhaut ebenso erfand er einen ersten Telegraphen, den er 1811 auch Kaiser Napoléon persönlich präsentierte. Durch zahlreiche
Samuel Thomas von Soemmerring (1755-1830)

Geboren wurde Samuel Thomas Soemmerring in Thorn als 9. Kind des Arztes Johann Thomas Soemmerring (1701-1781) und seiner Frau Regina (1721-1782). Die Eltern hatten insgesamt 10 Kinder, darunter auch der Juristen Johann Gottlieb Soemmerring (1751-1812).

Von 1774 bis 1778 studierte Samuel Thomas Soemmerring in Göttingen Medizin, wo der aufklärerische Professor Albrecht von Haller (1708-1777) wirkte. Schon während des Studiums spezialisierte er sich auf den Schwerpunktbereich Anatomie bei Ernst Gottfried Baldinger (1738-1804) und Johann Friedrich Blumenbach (1739-1808). Weitere Lehrer des Studenten waren Georg Christoph Lichtenberg und Christian Gottlob Heyne.

Schon mit seiner Dissertation »Über die Basis des Gehirns und den Ursprung der Hirnnerven« revolutionierte der junge Mediziner die Hirnforschung und er wurde schnell zu einem der angesehensten Anatomen seiner Zeit. Nach seinem Studienabschluss unternahm der junge Wissenschaftler eine ausgedehnte Studienreise durch die Niederlande, England und Schottland. Auf der englischen Insel traf er Koryphäen der englischen Medizin wie beispielsweise Petrus Camper (1722-1789) oder die Brüder John (1728-1793) und William Hunter (1718-1783).

Nachdem er im Jahre 1779 nach Deutschland zurückgekehrt war, folgte der Anatom dem Ruf an das Collegium illustre Carolinnum nach Kassel. Hier hatte sein Freund Georg Forster vermittelnd geholfen.

Im Jahre 1780 durfte Professor Soemmerring einen tödlich verunglückten Elefanten der landgräflichen Menagerie sezieren und präparieren. So lieh er beispielsweise den Elefantenschädel später an Johann Wolfgang von Goethe aus, der diesen für Studienzwecke benutzte. und eigenhändig Kupferstiche von diesem anatomischen Objekt anfertigte. Beide Männer hatten sich während eines Aufenthalts Goethes in Kassel persönlich kennen gelernt.

Neben ihm pflegte Soemmerring auch den Austausch mit anderen Größen seiner Zeit, wie zum Beispiel dem Königsberger Philosophen Immanuel Kant, die Gebrüder Alexander und Wilhelm von Humboldt. So fühlte sich Alexander von Humboldt »dem großen Zergliederer [...] in dankbarer Verehrung und Freundschaft« eng verbunden.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die Schrift »Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer« aus dem Jahre 1784. Hierzu untersuchte Soemmerring Körper von schwarzen Sklaven zu Sezierung. Die entwurzelten Menschen starben zum einen Mangels der fehlenden klimatischen Anpassung aber auch durch Infektionskrankheiten. Manche der von den Hessen-Darmstädter Offizieren aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mitgebrachten lebenden Souvenirs starben auch durch ihre eigene Hand, weil sie sich der neuen Heimat in die Einsamkeit flüchteten. Für dieses Werk wurde er von seinem Lehrer Blumenbach stark kritisiert.

Er hatte hier fünf Jahre lang vergleichende anatomische Forschungen betrieben. So veglich er den menschlichen mit dem tierischen Körper oder auch zwischen menschlichen Rassen. Er schrieb in jener Zeit auch die ersten seiner fast 1300 Rezensionen, die überwiegend in der »Göttinger Gelehrten Anzeigen« erschienen.

Zusammen mit seinem Freund Forster betrieb er auch im Geheimbund der Gold- und Rosenkreuzer alchimistische Studien. Doch als beide Freunde die Ideen des Geheimbundes und seiner Lehren als irrig erkannten, verließen sie fast fluchtartig Kassel. Georg Forster ging in das polnische Wilna während Soemmerring die Stelle als Anatomie-Professor in Mainz übernahm.

Dieser Mainzer Aufenthalt war durch manche Unterbrechungen auf Grund der politischen Ereignisse gekennzeichnet. In der Mainzer Zeit vertiefte sich die Freundschaft zu Georg Forster, der nach einem kurzen Gastspiel in Wilma die Stelle eines Universitätsbibliothekars bekleidete. Für ihn war Mainz der »Sitz des Aberglaubens«, so schilderte der Protestant und durch die Weltoffenheit Kassels geprägte Professor seine neue Heimat. Die Mainzer Zeit nutzte Soemmerring zur Publikation seiner bisherigen Studienergebnisse aus Kassel und in den Jahren 1791 bis 1796 veröffentlichte er das sechsbändige Lehrbuch »Vom Baue des menschlichen Körpers«, das sich zu einem Standardwerk der Goethezeit entwickelte.

Am 06.03.1792 heiratete Soemmerring die Malerin und Kupferstecherin Margarethe Elisabeth Grunelius (1768-1802), Tochter des angesehenen Frankfurter Kaufmanns Peter Grunelius (1739-1810), und verlebte bis zu ihren Tod im Jahre 1802 eine äußerst glückliche Ehe. Dieser Ehe entstammten der Sohn Dietmar Wilhelm von Soemmerring (1793-1871), der sich als Augenarzt in Frankfurt niederließ, sowie die Tochter Susanne Katharina (1796-1867), die den Frankfurter Handelsmann Wilhelm Rittershausen (1787-1844) heiratete.

Mit der Hochzeit wurde ihm übrigens das Frankfurter Bürgerrecht verliehen. Doch zog er es vor, zusammen mit seiner jungen Frau weiterhin in Mainz zu wohnen. Während des Frankreichfeldzuges 1792 besuchte auch Freund Goethe, der seinen Landesherren Herzog Carl August (1757-1828) begleitete, den Professor in Mainz. Diesem Ereignis gedenkt Goethe übrigens 1822 in seinem Werk »Die Campagne in Frankreich«. Durch die Zuspitzung der Verhältnisse in der Mainzer Republik zieht es Soemmerring immer mehr nach Frankfurt.

Im Jahre 1795 erhielt er seine Zulassung als praktischer Arzt in Frankfurt, wo er sich zusammen mit dem Stiftsarzt Georg Philipp Lehr (1756-1823) um die Einführung der Pockenimpfung verdient gemacht hat. Bis 1804 arbeitete er als Arzt und zu seinen Patienten gehörte die damalige Frankfurter Prominenz.

Nach dem frühen Tod seiner geliebten Frau im Jahre 1802 lehnte Soemmerring Rufe an die Universitäten von Jena und St. Petersburg ab. Im Jahre 1805 folgte er einen Ruf an die Akademie der Wissenschaften nach München. Hier sollte er am Anatomischen Institut Lehrveranstaltungen abhalten, doch als er im Jahre 1805 in der bayerischen Hauptstadt eintraf verzögerte sich der Bau noch.

Durch die Verleihung des Verdienstordens der Bayerischen Krone wurde dem Mediziner in den persönlichen Ritterstand als Samuel Thomas Ritter von Soemmerring erhoben. Im gleichen Jahr wurde er noch zum pfalzbayerischen Hofrat berufen und in den Adelsstand erhoben.

In der Zwischenzeit wandte sich der Anatom Soemmerring mehr und mehr der Physik zu. Er setzte seine bereits in Mainz und Frankfurt begonnenen Studien auf dem Gebiet der Elektrizität fort. Er kombinierte die von Alessandro Volta (1745-1827) entwickelte Batterie mit einem neu entdeckten Verfahren zur Elektrolyse des Wassers und konstruierte im Jahre 1809 im Auftrag des bayerischen Staatsministers Maximilian von Montgelas (1759-1838) ein Gerät zur Nachrichtenübermittlung. Bereits wenige Wochen später - am 28.08.1809 – präsentierte der Physiker das Gerät vor Vertretern der Münchener Akademie.

Auf Vermittlung seines Freundes, dem Leibarzt Napoléons, Dominique Jean Larrey (1766-1824) wurde seine Erfindung im Beisein des Kaisers Napoléon im Institute de France vorgeführt. Durch Probleme bei der Isolierung der Leitungen kam es jedoch nicht praktisch zum Einsatz. Ein Originalmodell aus dem Jahre 1811 befindet sich heute noch im Deutschen Technikmuseum in München und ein Funktionsmodell steht in der Sammlung des Frankfurter Museums für Kommunikation.

Im Jahre 1810 wurde Samuel Thomas von Soemmerring zum Geheimrat berufen.

Ab dem Jahre 1812 beschäftigte sich der Universalgelehrte Samuel Thomas Soemmerring mit Paläontologie und legte mehrere Abhandlungen über Flugsaurier- und Urzeitkrokodilfunde vor. So gehörte eine im Jahre 1812 von einem Pterodaktylus antiquus gefundene Originalplatte zu den bedeutendsten Schätzen der Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie.

Nach dem Tod seines Freundes Friedrich Heinrich Jacobi kehrte er im Jahre 1820 nach Frankfurt zurück und verlebte den Rest seines Lebens im Kreise der Familie. Jedoch war es kein Ruhestand, sondern er war - wie sein Sohn - im Physikalischen Verein und der Senckenbergischen Gesellschaft tätig und widmete sich der Astronomie. In mehreren Abhandlungen fasste er seine Beobachtungen der Sonnenflecken zusammen.

Samuel Thomas von Soemmerring starb am 02.03.1830 und wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof begraben, sein schlichter Grabstein ist heute noch erhalten und liegt an der Mauer zur Nibelungenallee.

In Frankfurter Nordend ist seit dem Jahre 1862 eine Straße nach dem großen Sohn der Stadt benannt. Ein Denkmal, dessen Idee aus dem gleichen Jahre stammt, konnte erst 1897 verwirklicht werden. Es stand bis zum Jahre 1941 vor dem Frankfurter Zoo.

Auch seine Vaterstadt Mainz benannte eine Straße und einen Platz in der Mainzer Neustadt nach ihm. Der Physikalische Verein verleiht den Samuel-Thomas von Soemmerring-Preis für astronomische Arbeiten.

In Erinnerung an den Astronomen Soemmerring wurde der Mondkrater Sömmerring nach ihm benannt.

Werke:

  • Über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer, Mainz 1784
  • Vom Hirn- und Rückenmark, Mainz 1788 [2. Aufl. 1792]
  • Vom Bau des menschlichen Körpers [6 Bde.], Frankfurt am Main 1791−1796 [2. Aufl. 1800]
  • De corporis humani fabrica [6 Bde.], Frankfurt am Main 1794–1801
  • De morbis vasorum absorbentium corporis humani, Frankfurt am Main 1795
  • Abbildungen und Beschreibungen einiger Misgeburten [!] die sich ehemals auf dem Anatomischen Theater zu Cassel befanden, Mainz 1795
  • Über das Organ der Seele, Königsberg 1796 [mit einem Beitrag von Immanuel Kant]
  • Tabula sceleti feminini, Frankfurt am Main 1798
  • Icones embryonum humanorum, Frankfurt am Main 1799
  • Abbildungen des menschlichen Auges, Frankfurt am Main 1801
  • Abbildungen des menschlichen Hörorgans, Frankfurt am Main 1806
  • Abbildungen des menschlichen Organs des Geschmacks und der Stimme, Frankfurt am Main 1806
  • Abbildungen der menschlichen Organe des Geruchs, 1809
  • Über einen elektrischen Telegraphen. In: Denkschriften der Königlichen Akademie der Wissenschaften. Classe der Mathematik und Physik. 1809/1810 (1811)

Letzte Änderung der Seite: 24. 09. 2017 - 01:09