EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Gerhard Johann David von Scharnhorst

* 12.11.1755 in Bordenau bei Neustadt
† 28.06.1813 in Prag

Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813) war ein preußischer Generalstabsoffizier und war als Vorsitzender der Militärreorganisationskommission einer der treibenden preußischen Militärreformer nach dem Friedensschluss von Tilsit. Er gilt noch
Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813)

Gerhard Johann David Scharnhorst wurde am 12.11.1755 in Bordenau bei Hannover als Sohn des Quartiermeisters Ernst Wilhelm Scharnhorst geboren. Der Vater entstammte einer alten Bordenauer Brinksitzer-Familie. Die Brinksitzer waren Kleinbauernfamilien. Die Mutter Wilhelmine Tegtmeyer war die Tochter eines Gutsbesitzers. Dieses Gut berechtigte zur Teilnahme an der Landschaft. Das Gut, dass Ernst Wilhelm Scharnhorst durch einen Rechtsstreit erbte, gehörte zur Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft. Das Gut Bordenau war nur ein kleines Gut, dessen Erträge sehr bescheiden waren, und aus Sicht von Scharnhorsts späteren preußischen Offizieren stellte dieses Landgut eher eine Klitsche dar.

Ab dem Jahre 1773 besuchte der junge Scharnhorst die Militärschule des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe (1724-1777) auf dem Wilhelmstein und im Jahre 1778 wurde er in das kurhannoverische Reiterregiment Estorff unter dem Befehl des Generals Emmerich Otto August von Estorff (1722-1796) übernommen. Er wurde zunächst als Fähnrich eingestellt und sein Regiment lag in Northeim bei Göttingen. Im Jahre 1782 wurde Scharnhorst, inzwischen Leutnant der Artillerie, zur Kriegsschule nach Hannover berufen. Diese Berufung erfolgte auf seinen eigenen Wunsch hin. Noch im gleichen Jahr wurde er zu einem der ersten Lehrer an der Artillerieschule in Hannover, Er wurde auch zum leitenden Bibliothekar dieser Militäranstalt bestellt. Im folgenden Jahr unternahm der junge Leutnant Scharnhorst eine militärische Studienreise nach Bayern, Sachsen, Baden Österreich und Preußen.

Später verfasste er auch einige Schriften über das bayerische Militär, dass jedoch in der Beurteilung Scharnhorsts eher schlecht abschnitt. Im Jahre 1792 wurde der Lehrer an der Kriegsschule zum Stabskapitän befördert.

Während des Ersten Koalitionskrieges gegen das revolutionäre Frankreich kämpfte Stabskapitän Scharnhorst an der Spitze einer reitenden Batterie sowohl in Flandern als auch in Holland. Er zeichnete sich insbesondere beim Rückzug aus Hondschoote und bei der Verteidigung Menins besonders aus. Hauptmann von Scharnhorst war hier als Generalstabschef des Generalmajors von Hammerstein eingesetzt. Hammerstein verteidigte mit einem Aufgebot von nur 2.500 Mann Infanterie eine desolate Festung am linken Ufer der Lys gegen 20.000 Mann unter dem Kommando von General Moreau. Nach drei Tagen zog sich das Gros der hannoverschen Streitkräfte zurück. Es blieb nur eine kleine Besatzung um den Rückzug zu verschleiern. Am nächsten Morgen ergaben sich die Verteidiger ehrenvoll. Durch seinen persönlichen Einsatz wurde Scharnhorst auf Betreiben des befehlshabenden Generals von Hammerstein (1735-1811) zum Major befördert.

Im Jahre 1796, für die Hannoversche Armee war der Erste Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich inzwischen beendet gab er ab 1796 ein Journal unter dem Titel »Neues Militärisches Journal« heraus. Er verarbeitete in dieser Zeitschrift seine Erfahrungen aus den Kriegsjahren 1793 bis 1795. Zugleich entwickelte sich hier auch der Militärreformer Scharnhorst, der seinen Vorgesetzten zahlreiche Denkschriften zu – aus seiner Sicht – notwenigen Veränderungen der Armee des Kurfürstentums Hannover.

Doch die Worte des noch jungen Militärreformers stießen auf taube Ohren im Königreich Hannover so entschloss er sich im Jahre 1801 den Dienst zu quittierten. Nun stellte sich der Artillerieoffizier in den Dienst des Nachbarn Preußen. Zunächst wurde er zum Direktor der »Lehranstalt für junge Infanterie- und Kavallerieoffiziere« berufen. Sein dortiger Unterricht wirkte sich auf seine Schüler entsprechend aus. So befanden sich viele der späteren preußischen Militärreformer in jener Zeit unter seinen Schülern. Hier seien nur Carl von Clausewitz, Hermann von Boyen, Karl Wilhelm Georg von Grolman oder auch Karl von Müffling exemplarisch aufgelistet.

Im Jahre 1802 gehörte er zu den Stiftern der »Militärischen Gesellschaft«, dessen Leitung der preußische General Ernst von Rüchel übernahm. Noch heute gilt diese Vereinigung als Keimzelle der preußischen Heeresreform nach 1806. Im Jahre 1804 wurde ihm, inzwischen in den Adelsstand erhoben, der Dienstgrad eines Obersten verliehen.

Im Jahre 1806 übernahm Scharnhorst die Aufgaben eines Stabschefs in der Armee des Herzogs von Braunschweig. Zuvor diente er in gleicher Stellung bei General von Rüchel.

Auch in jenen Jahren schrieb Oberst von Scharnhorst zahlreiche Denkschriften über anstehende Reformen des preußischen Militärs oder die Einführung einer preußischen Nationalmiliz oder die Mobilmachung.

Er kämpfte am 14.10.1806 bei Auerstedt erfolgreich an der Spitze seiner Truppen. Doch durch eine Verwundung an der rechten Seite entschloss er sich, den Rückzug des Generals der Kavallerie Gebhard Leberecht von Blücher nach Lübeck zu unterstützen. An seine Tochter Julie schrieb der Oberst am 22.11.1806 aus Rostock:

Wenn Schmit bei mir im wagen schläft, so habe ich die traurige Freiheit, mich ganz dem Ausbruch des Schmerzes zu überlassen. Mich trifft es doppelt, da ich all die Fehler, die Dummheit, die Feigheit kenne, die uns in die jetzige Lage gebracht haben. Der einzige Trost, der innere, ist, dass ich Vorschläge von Anfang an getan habe, wie man unserm Unglück zuvorkommen konnte, die Einrichtung einer Nationalmiliz, der allgemeinen Bewaffnung des Landes im Vorigen Sommer, die Verstärkung der Regimenter, eine eigene politische Verbindung. Ebenso habe ich in den Operationen immer den richtigen Gesichtspunkt gezeigt, in der Schlacht selbst habe ich den Teil, bei dem ich war, zum Siege geführt; kurz ich habe für meine Person tausend mal mehr getan, als ich zu tun brauchte.

Scharnhorst geriet, wie auch sein Freund Blücher, nach der Kapitulation von Ratkau am 06.11.1806 in französische Gefangenschaft und wurde in Hamburg interniert. Nach kurzer Gefangenschaft wurden beide ausgetauscht und Scharnhorst nahm als Generalquartiermeister im Korps des Generals L’Estocq an der Schlacht von Preußisch-Eylau teil. König Friedrich Wilhelm zeichnete den Offizier wegen seines geschickten und tapferen Einsatzes mit dem Orden Pour le Merite aus.

Nach dem Frieden von Tilsit berief der König den engagierten Reformer und tapferen Soldaten zum Vorsitzendenden der Militär-Reorganisationskommission. Neben Scharnhorst gehörten diesem Gremium Gneisenau, Grolman, Boyen und auch Clausewitz an. In dieser Stellung konnte er das preußische Heer vollkommen neu organisieren. So führte er Qualifikationsvoraussetzungen für Offiziere ein auch schuf er das bisherige Werbesystem in der preußischen Armee ab. Vielmehr konzentrierte man sich nun auf eine rasche Ausbildung der Rekruten. So konnte man eine starke Reserve für den Kriegsfall schaffen. Es gelang ihn auch, dass preußische Söldnerherr in ein richtiges Volksheer zu verwandeln. Ihm gelang es auch die Grundlagen für eine preußische Landwehr zu schaffen.

Auf französischen Druck musste Scharnhorst, der preußischer Kriegsminister war, von diesem Amt zurücktreten. Er blieb jedoch als Chef des Generalstabes im Amt und nutzte die neu gewonnene Freiheit zum Aufbau eines preußischen Ingenieurskorps.

Anders als seine Freunde Grolman oder Clausewitz trat er nach dem französisch-russischen Bündnis von 1812 nicht in russische Kriegsdienste sondern bereitete Anfang 1813 die preußische Erhebung gegen Napoleon vor. So setzte sich der Chef des Generalstabes für die Unterzeichnung der Konvention von Kalisch vom 28.02.1813 zwischen Preußen und Russland ein, die beide Staaten in einem Militärbündnis zusammenführte und eine der Grundlagen zu den preußischen Freiheitskriegen bildete.

Scharnhorst wurde bei Ausbruch des Krieges von 1813 als Generalquartiermeister der Schlesischen Armee unter dem Befehle Blüchers zugeteilt. Beide Männer setzten sich – vergeblich – für eine energische Kriegsführung gegen Frankreich ein.

Gerhard von Scharnhorst erlitt während der Schlacht von Großgörschen am 02.05.1813 am linken Knie eine Schussverletzung an deren Folgen er wenige Wochen später in Prag sterben sollte. Noch am Tage der Schlacht verlieh der König dem Generalquartiermeister das Eiserne Kreuz. 

Auf seiner Reise nach Wien, wie schon erwähnt, verstarb der Offizier und Militärreformer an den Folgen einer schlecht versorgten Wunde. Er beabsichtigte in Wien mit Österreich Verhandlungen zum Beitritt des österreichischen Kaisers zur antinapoleonischen Koalition zwischen Preußen und Russland zu bewegen.

Gerhard von Scharnhorst trat im Jahre 1779 den Freimaurern bei und wurde in die Loge »Zum Goldenen Zirkel« in Göttingen aufgenommen.

Seine letzte Ruhestätte fand der preußische Militärreformer auf den Invalidenfriedhof in Berlin. Sein Grab wird durch ein von Schinkel geschaffenes Monument mit einem von Christian Friedrich Tieck geschaffenen Relief bedeckt. Im Jahre 1822 entschloss sich König Friedrich Wilhelm III. den großen Soldaten des Befreiungskrieges durch ein von Rauch gestalteten Monuments zu gedenken. Auch vor seinem Geburtshaus in Bordenau finde sich ein Denkmal zu seinen Ehren. Auch in der von König Ludwig von Bayern geschaffene Walhalla findet sich eine Büste des Soldaten.

Neben diesen Denkmälern wurde Scharnhorst auch zu allen Zeiten und politischen Systemen gewürdigt. In Dortmund wurde ein ganzer Stadtteil nach ihm benannt, zahlreiche Schiffe der kaiserlichen und Reichsmarine wurden nach ihm benannt. Die Deutsche Demokratische Republik stiftete den nach ihm benannten Scharnhorst-Orden.

Auch noch heute ist der preußische Militärreformer in der Traditionspflege der Bundeswehr nicht wegzudenken. So wurde der Scharnhorstpreis als Auszeichnung für die Jahrgangsbesten der Offiziersanwärterlehrgänge des Deutschen Heeres nach ihm benannt. Die Bundeswehr wurde ganz bewusst am Geburtstage von Gerhard von Scharnhorst gelegt um an die preußischen Soldatentugenden anzuknüpfen. Mehrere Kasernen der Bundeswehr tragen seinen Namen. Auch erinnern zahlreiche Straßennamen in deutschen Städten an ihn.

Werke:

  • Handbuch für Offiziere in den angewandten Teilen der Kriegswissenschaften., 3 Bde., Hannover, 1787–90
  • Militärische Denkwürdigkeiten. 5 Bde., Hannover, 1797–1805.
  • Handbuch der Artillerie. Hannover, 1804, 1806, 1814.
  • Militärisches Taschenbuch zum Gebrauch im Felde., 1792
  • Über die Wirkung des Feuergewehrs. Für die Königl. Preußischen Kriegs-Schulen., 1813

Letzte Änderung der Seite: 24. 09. 2017 - 12:09