EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Luise von Preußen

* 10.03.1776 in Hannover
† 18.07.1810 in Hohenzieritz/Mecklenburg

Luise von Preußen (1776-1810), die im Jahre 1793 den späteren preußischen König Friedrich Wilhelm III. heiratete, wurde in Preußen zu einem Mythos, die sich mit Napoléon I. in Tilsit traf und durch ihren frühen Tod im Alter von 34 Jahren zu einem M
Luise von Preußen (1776-1810)

Neben den legendären preußischen König Friedrich II. gehört sie wohl zu den bekanntesten Persönlichkeiten Preußens - nach ihrem Tod entstand ein wahrer Kult um die preußische Königin, der auch heute noch nicht verblasst ist. Gebar sie doch zwei preußische Könige, von denen einer auch im Jahre 1871 Kaiser eines von Otto von Bismarck geschaffenen Deutschen Reiches wurde.

Der Vater Karl Ludwig von Mecklenburg-Strelitz (1741-1816) verwaltete das Kurfürstentum Hannover für den englischen König Georg III. Dieser heiratete im Jahre 1768 die gerade einmal 16jährige Prinzessin Friederike von Hessen-Darmstadt (1752-1782).

Von den zehn Kindern des Paares starben bereits fünf im Kindesalter und nur zwei Tage nach der letzten Geburt starb auch die Mutter im Kindbett. Die am 10.03.1776 geborene Prinzessin Luise Auguste Wilhelmine Amalie Herzogin zu Mecklenburg war gerade sechs Jahre alt, als sie Halbwaise wurde. Nach dem Tod seiner Frau heiratete der Vater seine jüngere Schwägerin Charlotte von Hessen-Darmstadt (1755-1785), die jedoch schon 15 Monate später, nach der Geburt des Sohnes Karl (1785-1837), verstarb.

Im Jahre 1786 wurden Luise und ihre Schwestern Therese und Friederike zu ihrer Großmutter Maria Luise Albertine von Hessen-Darmstadt (1729-1818), die nach dem Vornamen ihres verstorbenen Gatten »Prinzessin George« gerufen wurde, nach Darmstadt. Die älteste Schwester Charlotte hatte den regierenden Herzog Friedrich von Sachsen-Hildburghausen und die Brüder Georg und Karl blieben beim Vater in Hannover zurück.

Die Großmutter ermöglichte den den jungen Prinzessinen eine unbeschwerte Kindheit und jugend. So galt die junge Luise als lebhaft, vorlaut und auch aufsässig. So erhielt sie als Kind den Beinamen »Jungfer Husch« oder »unsere tolle Luise«. So erhielten Luise und ihre Schwestern Konfirmationsunterricht beim Stadtpfarrer von Darmstadt. Um die Mädchen in der französischen Sprache und höfischer Etikette zu unterrichten, stellte die Großmutter Mademoiselle Salomé de Gélieu (1742-1820), die zuvor bereits in preußischen Neuchâtel ein Mädchenpensionat geleitet hatte. Die jungen Mädchen wurden auch in englischer Sprache, Geschichte und Deutsch sowie in Zeichnen und Malen unterrichtet. Auch Klavierspielen stand auf dem Lehrplan von Luise.

Unterbrochen wurde der Aufenthalt durch zahlreiche Reisen zu Verwandten in Hessen oder Mecklenburg. Auch hielt sich die Großmutter mit ihren Enkelkindern in der Freien Reichsstadt Frankfurt am Main auf. Dort lebte seit ihrer Hochzeit die Schwester Therese, die Karl Alexander von Thurn und Taxis geheiratet hatte. Die jungen Prinzessinen hielten sich mehrmals im Hause der Ratin Goethe auf.

Die aus ihrer Jugend vorhandenen Bildungslücken, gerade auf dem Gebiete der Literatur, Philosophie und Geschichte, versuchte die Prinzessin in späteren Jahren durch die Beratung durch ihre Freundinnen Marie von Kleist, eine Cousine von Heinrich von Kleist, und Karoline von Berg zu mindern. Gerade die Berg,  die schnell zur engsten Vertrauten der Monarchin werden sollte, machte sie mit den Werken der Weimarer Geistesgrößen bekannt.

Im Alter von 16 Jahren wurden die jungen Prinzessinen Luise und Friederike, anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten zur Wahl Kaiser Franz II. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in die Gesellschaft eingeführt. So eröffnete sie mit den jungen Grafen Metternich den Krönungsball.

Am 14.03.1793 lernte die junge Prinzessin Luise den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm in Frankfurt kennen. Nach nur fünf Tagen verlobte sich das junge Paar, die Feierlichkeiten zur Verlobung fanden am 24.04.1793 in Darmstadt statt. Am Heiligen Abend des gleichen Jahres fand die Hochzeit der beiden jungen Leute statt. Ihre jüngere Schwester Friederike heiratete Prinz Ludwig, den jüngeren Sohn Friedrich Wilhelm II., Der preußische König schrieb darüber:

Wie ich die beiden Engel zum ersten Mal sah, es war am Eingang der Komödie, so war ich so frappirt von ihrer Schönheit, daß ich ganz außer mir war, als die Großmutter sie mir präsentirte. Ich wünschte sehr, daß meine Söhne sie sehen möchten und sich in sie verlieben […] Ich machte mein möglichstes, daß sie sich öfter sahen und sich recht kennen lernten. […] Sie gaben sich das Jawort und die Versprechung wird bald vor sich gehen, vermuthlich in Mannheim. Der älteste heirathet die älteste und der jüngste die jüngste.

Als die beiden Prinzessinen am 22.12.1793 in der preußischen Hauptstadt eintrafen, wurden sie von der Bevölkerung freudig begrüßt. Ein kleines, weiß gekleidetes Mädchen begrüßte die Prinzessinnen mit einem Gedicht. Prinzessin Luise war von diesem Mädchen so berührt, dass sie es einfach hochhob und küsste. Sie reagierte erkennbar verständnislos, als man ihr von Hofkreisen aus signalisierte, dass es sich für eine Frau ihrer Stellung nicht gehörte. Beim Volk sprach sich dieses jedoch rum und so begann die äußerste Beliebtheit der späteren preußischen Königin.

Nach der Eheschließung zog Luise mit ihren Mann in das Kronprinzenpalais. Ihre jüngere Schwester zog in ein benachbartes Gebäude ein. Im Jahre 1795 schuf der Bildhauer Johann Gottfried Schadow die berühmte »Prinzessinengruppe«, die die beiden Schwestern Luise und Friederike zeigte, im Auftrage Friedrich Wilhelm II. Der Kronprinz mochte das Kunstwerk nicht, weil es ihm zu erotisch war. Zwischenzeitlich war die junge Prinzessin Friederike verwitwet und ließ sich noch im Trauerjahr schwängern. Um einen Skandal zu vermeiden, wurde die junge Witwe schnellstens mit dem preußischen Major Friedrich Wilhelm zu Solms-Braunfels verheiratet werden und Berlin verlassen. Da der preußische Kronprinz die Skulptur nicht liebte, verschwand sie für Jahrzehnte aus der Öffentlichkeit.

Für die sehr ungezwungen aufgewachsene Prinzessin bedeutete das Leben am preußischen Hof die Anpassung an Regeln und Pflichten. Ihr Naturell stand ihr dabei immer mal wieder im Wege, die erfahrene Hofdame Sophie Marie von Voß (1729-1814) zur Seite gestellt. Sie entwickelte sich, nach anfänglichen Konflikten mit der Prinzessin, zu einer unentbehrlichen Lehrmeisterin und in höfischer Etikette und auch eine vertraute Freundin und Ratgeberin.

Wenn das junge Paar nicht in der Öffentlichkeit stand, lehnte der preußische Kronprinz jede Art von hergebrachter Förmlichkeit ab. Das königliche Paar pflegte einfache, in diesen Kreisen ungewöhnliche Umgangsformen. Man duzte sich und sprach voneinander als »von meinem Mann« und »meiner Frau«. Oft sah man das Paar auf Spaziergängen auf der Straße Unter den Linden ohne Gefolge flanieren oder an Berliner Volksbelustigungen wie zum Beispiel den Berliner Weihnachtsmarkt oder dem »Stralauer Fischzug« entsprachen ihren persönlichen Naturell und fanden beim Volk gefällige Beachtung.

Dieses einfache Leben zeigte sich auch in der Wahl der familiären Wohnsitze. So bevorzugten Luise und Friedrich Wilhelm das Kronprinzenpalais und nicht das Stadtschloss. In den Sommermonaten hielt sich das Paar gerne auf dem Herrensitz Paretz in der Nähe von Potsdam auf, wo der König sich von seinen Staatsgeschäften erholen konnte und seine junge Frau fand besonders während ihrer zahlreichen Schwangerschaften hier die notwendige Ruhe.

Das Paar war fast 17 Jahre verheiratet. Die Königin schenkte ihrem Mann insgesamt zehn Kindern, von denen auch sieben das Erwachsenenalter erreichten. Die Söhne gelangten in hohe Staatsämter, während die Töchter in europäische Herrscherhäuser einheirateten.

Nach dem Tode des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. trat sein Sohn als Friedrich Wilhelm III. die Nachfolge an und seine Gattin Luise wurde Königin von Preußen. Der neue preußische König war nur sehr schlecht auf seine Aufgabe vorbereitet worden, ein problembelastetes Königreich in schwierigen Zeiten zu führen.

Das Königspaar, dass auch nach der Thronbesteigung einen sparsamen Lebensstil pflegte, begab sich im Jahre 1798 auf mehrere Huldigungsreisen durch Preußen. So führten sie diese Reisen nach Pommern, Ostpreußen und Schlesien. Im folgenden Jahr führten die Reisen in die westlichen Landesteile nach Franken und Thüringen. Eine weitere Huldigungsreise folgte im Jahre 1800, wo das königliche Paar die Schneekoppe in Schlesien besteig. Dies war für Luise, wie sie später niederschrieb, ein besonders glücklicher Moment ihres Lebens. Die Untertanen zeigten sich von ihrem jungen Königspaar begeistert, insbesondere über das äußere Erscheinungsbild und das Auftreten der Monarchin. Eine ähnliche Begeisterung rief sie auch unter der Bevölkerung der Hauptstadt hervor. Auch Vertreter des Berliner Diplomatischen Corps, wie ein Sekretär der englischen Gesandtschaft an seine Schwester schrieb:

In der Berliner Gesellschaft, besonders unter den jüngeren Leuten, herrscht ein Gefühl ritterlicher Ergebenheit gegen die Königin […] Wenige Frauen sind mit so viel Lieblichkeit begabt als sie […] Doch ich muß inne halten, oder ihr werdet denken, daß mir der Kopf verdreht ist, wie es schon so viele Köpfe sind, durch die Schönheit und Anmuth der Königin Luise von Preußen.

Im Norddeutschland erhöhte der französische Konsul Napoléon Bonaparte den politischen Druck auf Preußen. So reisten Luise und Friedrich Wilhelm III. nach Memel um sich mit den russischen Zaren Alexander I. zu treffen. Für Friedrich Wilhelm III. sollte ein Bündnis mit den russischen Nachbarn wieder Ruhe herstellen. Die politisch bedeutungslose Begegnung von Memel hinterließ jedoch im Luises Lebensbeschreibung nachhaltige Spuren. So las man in den Aufzeichnungen:

Der Kaiser ist einer der seltenen Menschen, die alle liebenswürdigen Eigenschaften mit allen echten Vorzügen vereinigen […] Er ist wunderbar gut gebaut und von sehr stattlicher Erscheinung. Er sieht aus wie ein junger Herkules.

Auch Alexander war von der jungen Prinzessin ebenfalls begeistert. Friedrich Wilhelm III. war jedoch nicht eifersüchtig auf den Zaren sondern war stolz auf die Bewunderung, die seiner Frau entgegengebraucht wurde.

Zwischen 1803 und 1805 reiste das Königspaar in seine fränkischen Besitzungen und nach Darmstadt sowie nach Thüringen und Schlesien. Vom 25.10. bis zum 04.11.1805 hielt sich Zar Alexander I. zu Besuch in Potsdam auf. Der Zar wollte den preußischen König für sein neues Kriegsbündnis, das er mit Österreich geschlossen hatte, gegen Frankreich gewinnen. Im Juni und Juli 1806 befand sich das Königspaar zur Kur in Pyrmont.

Wenige Monate später befahl Friedrich Wilhelm III. die Mobilmachung gegen Frankreich. Im Juli 1806 wurde in Paris der Vertrag über den Rheinbund abgeschlossen, wodurch Napoléon seinen Einflussbereich im deutschen Raum erheblich aus. Durch diesen Vertrag fühlte sich Preußen, das inzwischen politisch isoliert war, provoziert. Erst durch den Einfluss der Kriegspartei um den Freiherrn von Stein, den Prinzen Louis Ferdinand sowie Ernst von Rüchel. Auch Königin Luise, die in den französischen Kaiser Napoléon ein »moralisches Ungeheuer« sah, stand auf der Seite der Kriegspartei. Am 09.10.1806 erklärte der preußische König Frankreich den Krieg. Doch fünf Tage später war die preußische Armee in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt durch Napoléon vernichtend geschlagen worden. Die preußische Reservearmee wurde ebenfalls bei Halle geschlagen und fast alle befestigten Städte ergaben sich kampflos. Bereits am 27.10.1806 zog Napoléon als Sieger in die preußische Hauptstadt Berlin ein.

Friedrich Wilhelm III. und Luise von Preußen befanden sich in der Nähe des Kriegsschauplatzes.

Um der Gefangenschaft zu entkommen, begab sich das preußische Königspaar auf getrennten Wegen in Richtung Memel. Königin Luise begab sich mit den Kindern sowie ihren Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland und ihrer Vertrauten, der Gräfin Voß auf die weite Reise. Sie begab sich über Auerstedt, Weimar und Blankenhain nach Königsberg. In Königsberg erkrankte die preußische Königin schwer am Nervenfieber. Als Napoléon drohte, die alte preußische Hauptstadt zu erreichen, bot Hufeland an mit der Monarchin zurückzubleiben. Luise lehnt es jedoch ab:

Ich will lieber in die Hände Gottes fallen, als dieses Menschen.

So begab man sich in den äußersten Teil Ostpreußens, nach Memel. Die Gruppe begab sich bei starken Frost und Schneetreiben mit der schwerkranken Luise auf den Weg über die kurische Nehrung., die im Winter kaum passierbar war. Nach drei anstrengenden Tagen und höchst unbequemen Nächten erreichte die Reisegruppe ihr Ziel. Hufeland stellte, trotz der strapaziösen Reise, eine Besserung des Gesundheitszustandes der Monarchin fest.

Ihr Gemahl gelangte auch nach Memel und traf dort mit seiner Gattin und dem russischen Zaren zusammen, der seine unbedingte Unterstützung für den kurz vor der Auflösung befindlichen preußischen Staat. Doch diese Zusage hielt nur bis zum 14.06.1807 an, als Napoléon in der Schlacht von Friedland die russischen Truppen und die Reste der preußischen Armee vernichtend schlug. Im Anschluss an diese Schlacht fanden die Friedensverhandlungen auf einem Prunkzelt auf einem Floß in der Memel statt. Der preußische König war zunächst nur eine Randfigur, beabsichtigte doch Kaiser Napoléon den preußischen Staat komplett aufzulösen.

Um die Härte eines Friedensdiktats, die Kaiser Napoléon gegenüber einen bereits besiegten Staat walten lassen würde, abzumildern, empfahl der preußische Unterhändler Kalkreuth die Anwesenheit der Monarchin in Tilsit. Trotz aller Abneigung gegenüber dem französischen Monarchen entschloss sich Luise zu ihrem Mann nach Memel zu reisen.

Am 06.07.1807 traf sie im Hause des Justizkommissionsrats Ernst Ludwig Siehr in Tilsit statt. Hier wohnte der französische Kaiser während seines Aufenthalts. Die preußische Königin trug ein weißes Kreppkleid und wirkte auf Augenzeugen, trotz ängstlicher Spannung, schöner als je zuvor. Der leitende Minister Karl August von Hardenberg hatte die Königin ausgiebig auf die bevorstehende Unterredung vorbereitet. Der Minister hatte ihr geraten, liebenswürdig und als Mutter und Ehefrau zum Kaiser zu sprechen. Sie sollte keinesfalls ein politisch betontes Gespräch führen.

Statt des von Luise gefürchteten Ungeheuers stand ihr ihr mit Napoléon ein hochintelligenter und angenehm plaudernder Mann gegenüber. Sie bat den französischen Kaiser um ein maßvolles Vorgehen bei den Friedensbedingungen. Napoléon blieb unverbindlich in seinen Antworten, machte jedoch der Königin wegen ihrer Gadrobe Komplimente. Auf die Frage des Kaisers, warum die Preußen so unvorsichtig sein konnten, ihn anzugreifen, antwortete sie:

Der Ruhm Friedrich des Großen hat uns über unsere Mittel getäuscht.

Durch dieses Treffen endete die Zeit der gegenseitigen Beleidigungen zwischen Napoléon und Luise. Der Kaiser äußerte sich später nur noch einmal über die Begegnung, dass er geglaubt habe »Hardenbergs Papagei« gehört zu haben. Zuvor hatte der Kaiser sich oft öffentlich negativ über die preußische Monarchin geäußert, so hatte er nach der Besetzung Berlins Teile ihrer dort aufgefundenen Privatkorrespondenz veröffentlichen lassen. Sie hatte aus ihrer Abneigung gegen Napoléon nie einen Hehl gemacht.

Trotz des Einsatzes der Monarchin gab der französische Kaiser ihr gegenüber keine Zugeständnisse. Der nachfolgende Friedensvertrag vom 09.07.1807 war durchaus hart für Preußen, so verlor das Land die Hälfte seines Territoriums und seiner Bevölkerung. So wurden alle Gebiete westlich der Elbe in das neu geschaffene Königreich Westphalen eingegliedert. Ein französisches Besatzungsheer musste versorgt werden und eine Kriegskontribution in Höhe von 400 Millionen Talern überstiegen die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Staates. Dank der Fürsprache Alexander I. blieb der preußische Staat als Pufferstaat erhalten.

Über die Situation des preußischen Staates schrieb die preußische Königin im April des Jahres 1808 aus Königsberg an ihren Vater nach Strelitz:

Mit uns ist es aus, wenn auch nicht für immer, doch für jetzt. Für mein Leben hoffe ich nichts mehr. Ich habe mich ergeben, und in dieser Ergebung, in dieser Fügung des Himmels bin ich jetzt ruhig und in solcher Ruhe, wenn auch nicht irdisch glücklich, doch, was mehr sagen will, geistig glückselig. Es wird mir immer klarer, dass alles so kommen musste, wie es gekommen ist. Die göttliche Vorsehung leitet unverkennbare neue Weltzustände ein, und es soll eine andere Ordnung der Dinge werden, da die alte sich überlebt hat und in sich abgestorben zusammenstürzt. Wir sind eingeschlafen auf den Lorbeeren Friedrichs des Großen, welcher, der Herr seines Jahrhunderts, eine neue Zeit schuf. Wir sind mit derselben nicht fortgeschritten, deshalb überflügelt sie uns. Das sieht niemand klarer ein als der König. Noch eben hatte ich mit ihm darüber eine lange Unterredung, und er sagte in sich gekehrt wiederholentlich: das muss auch bei uns anders werden.

In der Forschung ist jedoch bis zum heutigen Tage umstritten, ob Luise diesen Brief überhaupt geschrieben hatte. So fand z.B. der Historiker Karl Griewank in den 1930/40er Jahren in den Archiven keinen Beleg für dessen Existenz.

Der preußische König regierte den Staat von Königsberg aus. Hielt er es doch als eine zu große Demütigung, in das von französischen Besatzungssoldaten besetzte Berlin zurückzukehren. Von Königsberg begann der König mit Unterstützung des Freiherrn von Stein die preußischen Reformen einzuleiten. So entstanden im Jahre 1807 die Bauernbefreiung und die Städteordnung des Jahres 1808. Auch leiteten die reformwilligen Militärs Scharnhorst, Gneisenau und Boyen notwendige Reformen der preußischen Armee ein, die durch den Friedensschluss von Tilsit auf 42.000 Mann begrenzt wurde.

Sie selbst nahm nur sehr oberflächlichen Anteil an den Reformen. Sie unterstützte jedoch die Maßregeln des Sparens indem auch der königliche Haushalt alles Entbehrliche verkaufte, ausgenommen wurde der Schmuck der Monarchin. Auf Einladung des Zaren begab sich das Königspaar im Winter 1808/1809 nach St. Petersburg. Stein sprach sich jedoch gegen diese Reise aus, da jeder verfügbare Geldbetrag im vom Kriege zerstörten Ostpreußen dringend gebraucht würde. Die Königin genoss jedoch die gesellschaftlichen Veranstaltungen in der russischen Residenz. Entgegen der früheren gelösten Atmosphäre war bei diesem Besuch das Klima unterkühlt.

Ihr ist jedoch der Unterschied zu ihrer preußischen Heimat nicht entgangen:

Es regnete Diamanten […] Die Pracht jeder Art übersteigt alle Begriffee. Was es hier an Silberzeug, Bronzen, Spiegeln, Kristallen, Gemälden und Marmorstatuen gibt, ist enorm.

Auch nach dem Rückzug der Franzosen aus Berlin im Dezember 1808 vermied das königliche Paar zunächst nach Berlin zurückzukehren. Auf diese Weise beabsichtigte der Monarch, das Vorübergehende der Situation Preußens zu unterstreichen. Erst nach der Niederlage Österreichs im Jahre 1809 kehrte die königliche Familie am 23.12.1809 in die preußische Hauptstadt zurück. Die Bewohner nahmen ihr Monarchenpaar mit überwältigender Herzlichkeit auf, als sie in das Schloss zurückkehrten oder bei einer abendlichen Spazierfahrt durch die festlich illuminierte Hauptstadt. In der nächsten Zeit schloss sich eine Vielzahl von Empfängen und Festessen sowie Theater- und Opernaufführungen an. Erstmals wurden bei dieser Gelegenheit auch Offiziere geladen, die nicht adeliger Herkunft waren. Luise bemühte sich in jener Zeit auch Hardenberg, der nach dem Friedensschluss von Tilsit den Staatsdienst auf Druck Napoléons verlassen musste, wieder in den aktiven Staatsdienst zu bringen. Sie hielt ihn für den Berater, den der unschlüssige König benötigte, um Preußen aus der Not zu führen. Auch Napoléon stimmte schließlich zu, da er nur diesem zutraute, die Preußen auferlegten Kontributionszahlungen aufbringen zu können.

Eine für den Sommer 1810 geplante Kurreise nach Bad Pyrmont musste jedoch aus finanziellen und politischen Gründen abgesagt werden. Zum einen war Preußen in jenen Tagen praktisch bankrott und gleichzeitig hielten sich zwei Brüder des französischen Kaisers in Bad Pyrmont auf. Stattdessen plante man einen Ausflug nach Neustrelitz, wo Luises Vater Karl Ludwig als Herzog seit 1794 regierte. Auch ihre Großmutter Maria Luise, die allseits geachtete Prinzessin George wohnte zwischenzeitlich dort. Am 25.06.1810 traf die Königin, in Begleitung der zwischenzeitlich schon 80jährigen Oberhofmeisterin Gräfin Voß. Auch Friedrich Wilhelm III. wollte sich zu einem späteren Zeitpunkt einfinden. Nach kurzem Aufenthalt in der Residenzstadt hielt sich die Reisegruppe auf Schloss Hohenzieritz, dem Sommersitz des Herzogs, auf. Eine für den 30.06.1810 geplante Reise nach Rheinsberg fiel aus, da die Königin mit Fieber im Bett lag. Der örtliche Arzt diagnostizierte zunächst eine nicht lebensbedrohliche Lungenentzündung. Auch der königliche Leibarzt Ernst Ludwig Heim, der extra aus Berlin anreiste, fand keinen Anlass zur Besorgnis. Am 16.07.1810 wurde er jedoch erneut konsultiert, da sich Erstickungsanfälle und Kreislaufstörungen verschlimmert hatten. Mit Eilkurier ließ die Gräfin Voß den in Berlin verweilenden König über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes seiner Gattin informieren. Gegen fünf Uhr in der Frühe traf der preußische König mit seinen beiden ältesten Söhnen Friedrich Wilhelm und Wilhelm auf dem Sommersitz seines Schwiegervaters ein. Vier Stunden später weilte Königin Luise von Preußen nicht mehr unter den Lebenden.

Bei der anschließenden Obduktion der Königin fand man einen Lungenflügel zerstört und eine Geschwulst am Herzen. »Die Ärzte sagen, der Polyp im Herzen sei eine Folge zu großen und anhaltenden Kummers.« so schrieb Gräfin Voß.

Der Leichnahm wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung von Hohenzieritz nach Berlin überführt und für drei Tage im Stadtschloss aufgebahrt. Der Leichnam der preußischen Königin wurde am 30.07.1810 im Berliner Dom beigesetzt. Fünf Monate später ließ König Friedrich Wilhelm III. den Leichnam seiner geliebten Frau in ein Mausoleum im Park des Schlosses Charlottenburg neu errichtet wurde. Geschaffen wurde dieses Objekt durch Heinrich Gentz unter Mitwirkung von Karl Friedrich Schinkel. Die Grabskulptur stammte aus der Hand des Bildhauers Christian Daniel Rauch, der sie zwischen 1811 und 1814 als ein Meisterwerk der Berliner Bildhauerschule schuf. Der gesamte Entstehungsprozess stand unter ständiger Beobachtung und Mitwirkung des preußischen Königs. Im Jahre 1840 fand der preußische König an der Seite seiner geliebten Frau beigesetzt.

Schon wenige Tage nach dem Tode der preußischen Königin begann das öffentliche Gedenken. So beantragte die Bürgerschaft von Gransee, ein Denkmal zur Erinnerung an Luise an der Stelle errichten zu dürfen, wo der Leichenzug auf dem Wege nach Berlin in ihrem Ort nachts gehalten hatte. Der König stimmte unter der Maßgabe, dass nur freiwillige und keine öffentlichen Mittel zur Realisierung eingesetzt werden durften, zu. Schinkel lieferte den Entwurf und die Königlich Preußische Eisengießerei in Berlin stellte das Denkmal her. Die Einweihung erfolgte bereits am 19.10.1811.

Kurz hierauf gab der König auch den Anstoß für das offizielle Gedenken an die verstorbene Königin. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Gesten der Erinnerung eher spontan und aus der Zuneigung der Bevölkerung heraus entstanden. Als im Jahre 1813 der preußische Staat Frankreich den Krieg erklärte, bestimmte Friedrich Wilhelm den Geburtstag der Königin nachträglich zum Stiftungsdatum des Eisernen Kreuzes. Im Jahr darauf stiftete er den Luisenorden, die besondere Verdienste ausschließlich an Frauen verliehen werden konnte.

Schon kurz nach ihrem Tode begann eine beinahe mystische Verklärung und Verherrlichung der preußischen Monarchin, der noch in der alten Bundesrepublik bis in die 1970er Jahre anhielt.

Zu Beginn galt diese Verherrlichung noch ihrer Schönheit und Anmut sowie die Anzeichen von Herzlichkeit und Einfachheit. Diese Charaktereigenschaften wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts als bürgerliche Tugenden angesehen. Die besonders intensive Verehrung der verstorbenen Monarchin ist sicherlich unter dem Eindruck der Französischen Revolution und ihres Verlaufs zu betrachten. So hatte man anfänglich in Deutschland durchaus Sympathien für die Forderungen des Bürgertums, doch als sich die revolutionären Ereignisse mehr und mehr radikalisierten, wandte man sich von ihnen ab. Das deutsche Bürgertum wollte zwar Reformen, die es aber ohne Gewaltanwendung erreichen wollte. Man wünschte sich die Anerkennung bürgerlicher Wertvorstellungen von oben und Königin Luise und ihre Familie schienen hierfür dem Volk ein Garant zu sein.

So schrieben bedeutende Dichter, wie Kleist, Novalis, Jean Paul, August Wilhelm Schlegel, Ernst Moritz Arndt oder Theodor Körner Gedichte in denen sie der jungen Königin huldigten. Gerade Novalis erregte mit seinem programmatischen Aufsatz »Glaube und Liebe oder der König und die Königin«, den er im Sommer 1798 in der neu gegründeten Monatszeitschrift »Jahrbücher der Preußischen Monarchie unter der Regierung von Friedrich Wilhelm III.« veröffentlichte. Diesem Aufsatz hatte der Verfasser eine Vielzahl von überschwänglichen Gedichten an das Monarhenpaar vorangestellt und in den Prosa-Fragmenten skizzierte er das Bild einer Gesellschaft in der Familie und Staat, Bürgertum und Monarchie durch Glaube und Liebe miteinander verbunden wären. Der König würde für das Land Reformen einleiten und sowohl die Künste als auch die Wissenschaft fördern. Die Königin hingegen wäre in Schönheit, Sittlichkeit und häuslicher Tätigkeit das Indentifikationsobjekt für die Frauen und ihr Porträt solle in allen Stuben hängen. Doch der König, der sich im Text nicht wiederfand, lehnte ihn ab. Ebenso sprach er sich gegen eine parlamentarische Monarchie aus und so wurde eine geplante Fortsetzung im Jahrbuch nicht publiziert.

Nach der preußischen Niederlage gegen Napoléon trat ein weiteres Motiv der Luisen-Verehrung in den Vordergrund. Durch ihre Bewährung in schwerer Zeit verwandelte sich die anmutige Königin in eine anbetungswürdige Dulderin. Die Begriffe »Opfer« und »Leiden«. Nach dieser literarischen Deutung nahm sie die Preußen auferlegten Demütigungen und Erniedrigungen an Stelle ihres Volkes auf sich, so trat sie in Tilsit mutig dem mächtigsten Mann Europas gegenüber. Sie war hier deutlich entschiedener als ihr als zögerlich und zaudernd bekannter Ehemann. Schließlich erlebte sie am eigenen Leib die Härten des Krieges und starb letztlich auch am gebrochenen Herzen, wie der medizinische Befund im Volke empfunden wurde.

So wurde die preußische Monarchin nach ihrem Tode zu einer Leitfigur der Befreiungskriege und der Krieg zu einem Rachefeldzug für eine patriotische Märtyrerin. So betrachtete Theodor Körner, das Porträt Luises als »Heiligenbild für den gerechten Krieg«, das auf die Fahnen der Freiheitsdichter zu heften sei. Auch Friedrich de la Motte Fouque beschrieb die unter den Soldaten verbreitete »holde Sage, Königin Luise lebe, ihr Tod sei nur eine Täuschung gewesen… Wer hätte dem zu widersprechen vermocht?« Eine weitere, populäre Anekdote zufolge rief der preußische Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher nach seinem Einzug in Paris am 07.07.1815 von Montmatre herab: »Jetzt endlich ist Luise gerächt!« Wenige Wochen zuvor wurde Napoléon auf dem Schlachtfeld von Waterloo vernichtend geschlagen.

Auch in den Schulen Preußens wurde ein Luisenkult von Generation zu Generation der Jugend vermittelt. So war Luise stets Lern-, Lese- und Erbauungsstoff in den Fächern Geschichte, Deutsch oder Religion, aber auch in Mathematik und Geografie. Zusätzlich verliehen vaterländische Gedenkfeiern eine stärkere Bindung an die verstorbene preußische Monarchin. So wurde anlässlich ihres 100sten Geburtstags an allen Mädchenschulen eine Feierstunde über »das Lebensbild der erlauchten Frau … welche in den Zeiten des tiefsten Leidens so opferfreudig an der Erhebung des Volkes mitgearbeitet und allen kommenden Geschlechtern ein hohes Beispiel gegeben hat« abgehalten und der reguläre Unterricht entfiel.

Im Kaiserreich häuften sich Bilder der verstorbenen preußischen Königin als Mutter. So hatte ihr Sohn Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1848 geäußert, das ihm die Einheit Deutschlands am Herzen liege, weil sie ein Erbteil seiner Mutter sei. Auch als Luises zweitältester Sohn Wilhelm I. im Jahre 1870 in den Krieg gegen Frankreich zog, bediente er sich des Mythos seiner Mutter. Erklärte Napoleon III., der Neffe ihres großen Widersachers, doch am 19.07.1870 – dem 60. Todestag der preußischen Königin – den Krieg. Bevor Wilhelm Berlin verließ, kniete der Monarch am Sarkophag seiner Mutter nieder. Anders als der Feldzug des Jahres 1806 verlief dieser Feldzug für Preußen erfolgreich, schon am 02.09.1870 musste Kaiser Napoléon III. sich in Sedan ergeben. Im Januar des Folgejahres verwirklichte der preußische König mit Hilfe Bismarcks ein einiges Deutschland. Nach der Rückkehr aus dem Feldzug ging der nunmehrige Kaiser am 17.03.1871 erneut zum Grab seiner Mutter. Auf diese Weise wurde eine direkte Linie vom Opfertod der preußischen Königin bis zum Sieg über Napoléon und schließlich der Reichsgründung gezogen, die in der öffentlichen Darstellung zu einem unverzichtbaren und weit systematisch weit verbreiteten Gründungsmythos des zweiten Kaiserreichs wurde.

Der Markt der Trivialliteratur war mit einer vielzahl von Werken für die weibliche Jugend überflutet worden. Exemplarisch sei hier der großformatige Bildband »Die Königin Luise. In 50 Bildern für Jung und Alt« aus der Feder des Uniform- und Schlachtenmalers Carl Röchling (1855-1920) und Richard Knötel (1857-1914) erwähnt, der im Jahre 1896 veröffentlicht wurde, erwähnt. Gleichzeitig bemühten sich zahlreiche Historiker des 19. Jahrhunderts, eine differenziertes Bild der preußischen Königin zu vermitteln. Hierbei bemühte man den staatlich verordneten Mythos, der als wertvoll für die Volksbildung galt, nicht ernsthaft in Frage stellte. So verfasste der Schriftsteller und Feuilletonist, mit preußisch-konservativer Tendenz, Friedrich Wilhelm Adami (1816-1893) verfasste eine auf den Notizen von Karoline von Berg beruhende Biographie. Dieses Werk erschien erstmals im Jahre 1851 und erlebte insgesamt 18 Neuauflagen.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages hielt der preußische Historiker Heinrich von Treitschke (1834-1896) eine zu seiner Zeit viel beachtete Festrede. In seiner Einführung äußerte er Bedenken an der volkstümlichen Überlieferung und forderte, das die Wissenschaft sich nicht von einem Idealbild leiten lassen dürfen sondern sich auch der Grenzen edler Menschen aufzeigen müsse. Im weiteren Verlauf dieser Festrede folgte er jedoch den allgemein verbreiteten Duktus des Luisen-Mythos.

Im 19. Jahrhundert wurde Luise in den idealistisch-verklärten Darstellungen meist ohne politische Wirksamkeit dargestellt. Somit wurde ihr politischer Einfluss auf die Kreise der preußischen Kriegspartei und Reformer – insbesondere für die Reaktivierung Hardenbergs im Jahre 1810 hatte sie sich ja stark gemacht – und so als Gegenpart zum unentschlossenen König gewirkt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. hatte sich zur Rolle seiner Frau in seiner Biografie wie folgt geäußert:

Viele Menschen haben in den Wahn gestanden, als ob meine Frau einen bestimmten Einfluss auf die Regierungsgeschäfte gehabt hätte […] tatsächlich sei dies aber absolut nicht der Fall gewesen.

Früh hatte sie sich auf ihre Rolle als Frau des preußischen Königs eingelassen, dies bedeutete auch eine Nichteinmischung in die preußische Politik. Vielmehr habe die Wirksamkeit der Königin darin bestanden, dass sie dem König, ihrem Mann, ein glückliches familiäres Umfeld bescherte.

So wurden zahlreiche Institute im Namen der Verstorbenen Königin gegründet, die weibliche Tugenden begünstigten. So wurde der nach ihr benannte Luisen-Orden an Frauen verliehen wurde, die »den Männern unserer tapferen Heere … in pflegender Sorgfalt Labsal und Linderung« brachten. Ebenso trugen mehrere Mädchenschulen ihren Namen und eine Stiftung wurde noch zu ihren Lebzeiten nach ihr benannt. Seit dem Jahre 1807 setzte dieses sich für »verwahrloste und verlassene Knaben« ein. Sie gab nicht nur ihren Namen für diese Stiftung sondern übernahm auch persönlich den Unterhalt für vier Knaben, die in den Genuss der Stiftung kamen. Anlässlich ihres ersten Todestages am 19.07.1811 wurde eine Stiftung zur Ausbildung von Erzieherinnen in ihrem Namen gegründet. Diese Stiftung besteht heute noch als Privatschule in Berlin.

Der Luisenkult in der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg wurde weiterhin gepflegt. Zwar wurde dieser Kult nicht mehr durch die demokratisch gewählte Regierung unterstützt. Jedoch ließ sich ihre Standhaftigkeit, gerade in den schweren Jahren der Inflation, übertragen. Gerade konservative Kreise nahmen sich dieser Idealisierung an. So wurde der »Bund Königin Luise« gegründet. Dies war eine zwischen 1923 und 1934 gegründete monarchistische Frauenorganisation, die der Demokratie ablehnend gegenüberstand.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft in den Jahren 1933 bis 1945 verlor der Luisenkult weiterhin an Bedeutung. Die politischen Machthaber nahmen es hin, wenn vereinzelt an sie erinnert wurde. Eine politische Instrumentalisierung für NS-Propagandazwecke nicht genutzt. Selbst für den angestrebten Kinderreichtum wurde die ehemalige Königin mit ihren zehn Kindern nicht instrumentalisiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Deutschen Demokratischen Republik sowie in der Bundesrepublik wurde der beinahe 150 Jahre anhaltende Mythos einer antifranzösischen Persönlichkeit in der Zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Hintergrund gedrängt.

Heute erinnert die »Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten« (SPSG) sowie die »Staatlichen Schlösser und Gärten Meckenburg-Vorpommerns« mit einer Königin-Luise-Route an die preußische Königin. Auf dieser Strecke wurden zehn Lebensstationen zwischen Hohenzieritz im Norden und Paretz im Süden zu Ausflugszielen zusammengefasst. Im Jahre 2010, anlässlich ihres 200. Todesjahres, wurde auch das Mausoleum der Königin Luise im Schlosspark Charlottenburg restauriert. Sowohl an ihrem Sterbeort in Hohenzieritz als auch in Neustrelitz finden alljährlich Veranstaltungen im Gedenken an die preußische Monarchin statt.

Letzte Änderung der Seite: 30. 09. 2017 - 10:09