EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Pasquale Paoli

* 06.04.1725 in Stretta/Morosaglia
† 05.02.1807 in London

Pasquale Paoli (1725-1807) führte von 1755 bis 1768 die erste korsische Demokratie und ging nach der französischen Besetzung 1768 ins englische Exil. Im Jahre 1790 kehrte er nach Korsika zurück und musste jedoch 1795 erneut ins englische Exil, wo er sc
Pasquale Paoli (1725-1807)

Am 06.04.1725 wurde Filippu Antone Pasquale de Paoli in Stretta, einem Teil der Gemeinde Morosaglia, als jüngster Sohn von Giacinto Paoli geboren. Dieser war General und Chefminister unter dem korsischen König Theodor I.

Nachdem sich Frankreich in den Konflikt um ein unabhängiges Korsika eingeschaltet hatte, floh Giacinto Paoli mit seiner Familie nach Neapel. Der Vater ließ seinen Sohn umfassend unterrichten und machte ihn sowohl mit klassischen als auch zeitgenössischen Ideen vertraut. Er lernte sowohl Französisch als auch Englisch flüssig zu sprechen.

Im April 1755 kehrte Pasquale Paoli, inzwischen zum Fähnrich der korsischen Garde des Königs von Neapel avanciert, in seine korsische Heimat zurück. Er bekämpfte an der Spitze der korsischen Guerilla, als Capu Generale, die Genueser. Matra, der bei der Wahl zum Capu General Paoli unterlag, führte einen Aufstand gegen den Capu Generale an. Doch dieser schlug den Aufstand nieder indem er mit einigen Orten Widerstände durch Freundschafts- und Familienbande sowie mit Unterstützung der Franzosen und Genuesen niederschlug. Nach der Niederwerfung des Aufstandes gelang es ihm für 14 Jahre die Führung der Insel zu übernehmen.

Paoli verfasste mit Hilfe des Juristen Carlo Buonaparte, dem Vater Napoléons, eine demokratische Verfassung für die kleine Mittelmeerinsel. In dieser waren sowohl die Gewaltenteilung als auch die Souveränität Korsikas verankert. Im Jahre 1758 gründete er den Ort Paolivilla, der heute L'Ile-Rousse heißt, um den Einfluss von Calvi und Algajola, die noch immer von Genua besetzt waren, zu mindern. Hauptstadt des unabhängigen Korsika wurde Corte. Er bemühte sich ebenfalls die Wirtschaft, indem er den Ackerbau förderte und Sümpfe trockenlegen ließ, zu fördern. Die Blockade der Genueser, die noch immer die Küstenorte blockierten, verhinderte den Aufbau eines Außenhandels. Er gründete Grundschulen sowie die Universität zu Corte und investierte so in die Bildung der Jugend.

Am 15.05.1768 »verliehen« die Genueser die Insel an Frankreich und der Freiheitsheld Paoli wandte sich gegen die neuen Herren. Im gleichem Jahre mussten sich die Franzosen, obwohl mit 10.000 Mann gelandet, wieder zurückziehen. Im folgenden Jahr landete der Conte de Vaux (1705-1788) erneut mit einem Heer von 22.000 Mann auf der Insel und schlug die Korsen am 09.05.1769 bei Ponto Novo. Paoli kapitulierte und ging ins Londoner Exil. Auf seinem Weg ins Exil wurde er in ganz Europa als Freiheitsheld gefeiert. Er wurde von Kaiser Joseph II. empfangen und der junge Goethe begegnete ihm. Darüber berichtete er in Dichtung und Wahrheit:

Noch lebhafter aber war die Welt interessiert, als ein ganzes Volk sich zu befreien Miene machte. Schon früher hatte man demselben Schauspiel im kleinen gern zugesehn; Korsika war lange der Punkt gewesen, auf den sich aller Augen richteten; Paoli, als er, sein patriotisches Vorhaben nicht weiter durchzusetzen imstande, durch Deutschland nach England ging, zog aller Herzen an sich; es war ein schöner, schlanker, blonder Mann voll Anmut und Freundlichkeit; ich sah ihn in dem Bethmannischen Hause, wo er kurze Zeit verweilte und den Neugierigen, die sich zu ihm drängten, mit heiterer Gefälligkeit begegnete.

Da Genua die Schulden an Frankreich nicht zurückzahlen konnten, wurde die Insel nunmehr von Paris aus regiert. Erst im Jahre 1790 beschloss die französische Nationalversammlung den Anschluss der Insel an das französische Mutterland.

Das Leben von Pasquale Paoli war stets darauf ausgerichtet, die Unabhängigkeit seiner korsischen Heimat zu erreichen. Dafür ging er im Laufe der Zeit immer wieder unterschiedliche Allianzen ein. Er unterhielt Kontakte zu Jean-Jacques Rousseau, James Boswell, Friedrich II. oder auch der russischen Zarin Katharina. Auch mit dem Papst und den jungen Vereinigten Staaten von Amerika, den Türkensultan und den Bey von Tunis stand er in Kontakt. Da Paoli für die Anhänger der amerikanischen Unabhängigkeit als Vorbild galt, versuchten sie ihn für ihre eigene Sache einzunehmen. Dieser Versuch scheiterte doch, weil Paoli durch Zahlungen des englischen Königs seinen Unterhalt im englischen Exil sicherte. Dadurch fühlte er sich dem englischen Hof verpflichtet.

Während der Französischen Revolution sah Pasquale Paoli nochmals die Chance für ein unabhängiges und freies Korsika gekommen. Er kehrte über Frankreich, wo er als Vorkämpfer der Revolution gefeiert wurde, in seine Heimat zurück. Im April 1790 wurde er bei seinem Aufenthalt in Paris auch von Ludwig XVI. empfangen.

Nach seiner Rückkehr nach Korsika wurde Paoli zum Befehlshaber der Nationalgarde und zum Präsidenten der Departementverwaltung gewählt. Er war jedoch zu lange im Exil um noch ein Verständnis für die Verhältnisse auf der Insel zu haben. Die Unruhen auf Korsika wurden immer stärker und er hielt es für angebracht, die Insel in die Unabhängigkeit zu führen.

Im Laufe der Zeit wandte sich der Liberale Paoli von der radikalisierten Revolution ab. Im Jahre 1792 distanzierte er sich von den korsischen Befürwortern der Revolution. Lucien Bonaparte, der Bruder Napoléons, klagte ihn aus diesem Grunde als Verräter der Republik an. Die republikanisch gesinnte Volksversammlung wählte ihn als Departementspräsidenten ab.

Im Jahre 1793 wurde er von seinen Anhängern zum Generalissimo ernannt und es gelang ihm den größten Teil der Insel unter seine Kontrolle zu bringen.

Als sich Franzosen und Korsen gegenüberstanden bat Paoli bei den Briten um Unterstützung. Konteradmiral Nelson durchbrach mit seinem Verband die Belagerung von Bastia, Saint-Florent und Calvi. Für die Engländer bot sich die Chance vor der französischen Küste einen Stützpunkt im Mittelmeer zu sichern. Am 15.06.1794 wurde das englisch-korsisches Königreich mit dem englischen Vizekönig Gilbert Elliot gegründet. Die Spannungen zwischen Paoli, der erwartet hatte die Königswürde zu übernehmen, und dem englischen Vizekönig Elliot wuchsen in den nächsten Jahren erheblich an. Auf Bitten des Vizekönigs machte sich Paoli im Oktober 1795 erneut auf den Weg in das englische Exil. Zwölf Monate später wurde die Insel von französischen Truppen zurückerobert.

Nach insgesamt 47 Jahren im Exil verstarb Paoli am 05.02.1807 in London. Er wurde auf dem Friedhof St. Pancrace beigesetzt. Im Jahre 1889 wurde die Asche des korsischen Freiheitskämpfers in Morosaglia, seiner Geburtsstadt beigesetzt.

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