EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

August Hermann Niemeyer

* 01.09.1754 in Halle/Saale
† 07.07.1828 in Magdeburg

August Hermann Niemeyer (1754-1828) war Professor für Theologie an der Universität Halle/Saale und langjähriger Rektor der Bildungseinrichtung. Im Jahre 1807 wurde er auf Befehl Kaiser Napoléons als Geisel nach Frankreich gebracht.
August Hermann Niemeyer (1754-1828)

August Hermann Niemeyer wurde am 01.09.1754 in Halle an der Saale als Sohn des Predigers und Archidiakonus Adjunctus Johann Konrad Niemeyer (1711-1767) und der Auguste Sophie (1717-1763), geborene Freylinghausen, geboren. Der Großvater mütterlicherseits Johann Anastasius Freylinghausen (1670-1739) war Direktor des Waisenhauses. Nach dem Besuch des Pädagogiums seiner Heimatstadt studierte er von 1771 bis 1777 an der Universität zu Halle Theologie. Am 18.04.1777 promovierte er zum Doktor der Theologie.

Niemeyer begann im Jahre 1777 seine berufliche Laufbahn als Privatdozent der Theologie an der Universität Halle und wurde im Jahre 1784 zum Professor berufen. Er gründete und leitete später das Pädagogische Seminar der Hallenser Universität und wurde schließlich auch zu deren Kanzler und Rektor berufen. Zugleich war er auch Direktor der Franckeschen Stiftungen seiner Vaterstadt.

Im Jahre 1785 erfolgte seine Berufung als Mitdirektor des Pädagogiums und des Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen. 1787 wurde er Direktor des theologischen Seminars und im Jahre 1792 Konsistorialrat. Im Jahre 1804 erfolgte Niemeyers Ernennung zum Oberkonsistorialrat und seine Berufung in das Berliner Oberschulkollegium.

Als im Jahre 1806 während des preußisch-französischen Krieges Napoléons Truppen Halle besetzten wurde Niemeyers universitäre Arbeit zunächst unterbrochen. Er widmete sich mit voller Hingabe den Franckeschen Stiftungen.

Im Mai 1807 wurde er mit vier weiteren angesehenen Hallenser Bürgern auf Befehl Kaiser Napoléons als Geisel nach Frankreich verschickt. Er kehrte im folgenden Jahr in seine Vaterstadt Halle zurück. Seine Erlebnisse und Erfahrungen über jene Zeit verarbeitete Niemeyer in »Beobachtungen einer Deportationsreise« niedergeschrieben.

Eine unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Frankreich angetragene Professur an der in Gründung befindlichen Universität zu Berlin lehnte Niemeyer jedoch ab weil er seiner Vaterstadt zu sehr verbunden war.

So wurde er Mitglied der Reichsstände des inzwischen neu gegründeten Königreichs Westphalen. Zugleich wurde er von König Jérôme zum Kanzler und Rector perpetuus der wiedereröffneten Universität Halle berufen.

Im Jahre 1813 fiel der Akademiker durch seine Flucht und Verleumdungen, dass er politische Beziehungen zu Preußen unterhielte, bei König Jérôme in Ungnade. Den westphälischen und französischen Behörden erschien die Universität zu Halle ein gefährlicher Ort des Widerstandes zu sein, so erfolgte am 15.07.1813 durch kaiserliches Dekret das zweite Mal die Schließung derselben. Niemeyer verlor ein zweites Mal seine Ämter und Würden.

Nach dem Ende des Königreichs Westphalen, in den Wochen nach der Völkerschlacht von Leipzig im Jahre 1813 wurde die Universität wiedereröffnet und Niemeyer erneut in seine Ämter eingesetzt.

Zu seinen bedeutendsten Schülern gehörten Friedrich Gotthelf Benjamin Schmieder (1779-1838), der bei ihm evangelische Theologie studierte. Später wurde dieser als Philologe und Buchautor sowie als Rektor des Königlichen Gymnasiums zu Brieg, das er ab dem Jahre 1804 leitete, bekannt. Auch Johann Christian Cronenberg (1788-1838), der sich später als russischer Altphilologe einen Namen machte, wurde von Niemeyer unterrichtet und auf sein späteres akademisches Leben vorbereitet.

Im Jahre 1818 ernannte die preußische Regierung - Halle gehörte inzwischen zum Königreich Preußen – den Universitätsmann zum Mitglied des Konsistoriums zu Magdeburg. Im Jahre 1817 wurde Niemeyer mit dem Roten Adlerorden III. Klasse und neun Jahre später mit der II. Klasse mit Eichenlaub des Roten Adlerordens ausgezeichnet. Im Jahre 1827 erhielt er noch die Silberne Bürgerkrone seiner Vaterstadt verliehen.

Dr. August Herrmann Niemeyer veröffentlichte einige pädagogische Schriften, die auch zum Teil noch nach seinem Tode neu aufgelegt wurden. Er komponierte ebenfalls mehr als 100 Kirchenlieder und war an Gleißners Ovatorium »Lazarus« als Texter beteiligt.

Niemeyer war der Urenkel von August Hermann Francke (1663-1727), der die Franckeschen Stiftungen ins Leben rief. Er heiratete am 05.10.1786 in Magdeburg Wilhelmine von Köpken, die Tochter des Magdeburger Hofrats Friedrich von Köpken. Dieser Ehe entstammen unter anderem die Mediziner Wilhelm Hermann Niemeyer (1788-1840) und Carl Eduard Niemeyer (1792-1838) und der Theologe Hermann Agathon Niemeyer (1802-1851).

August Hermann Niemeyer starb am 07.07.1828 in Magdeburg. Sein Grab befindet sich auf dem hallischen Gottesacker.

Theotische Schriften:

  • Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts [3 Tle.], Halle 1796
  • Charakteristik der Bibel, [5 Bd.], Halle 1795
  • Handbuch für christliche Religionslehrer [2 Bd.], Halle 1795/96
  • Leitfaden der Pädagogik und Didaktik, Halle 1802
  • Lehrbuch für die obern Religionsklassen in Gelehrtenschulen

Libretti:

  • Lazarus. [Kantate, Oratorium] in 3 Akten [Vertonung: (1778): Johann Heinrich Rolle — (1820): Franz Schubert

Lyrik

  • Religiöse Gedichte, Magdeburg und Berlin 1814

Letzte Änderung der Seite: 01. 10. 2017 - 11:10