EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Wilhelm Middendorff

* 20.09.1793 in Brechten bei Dortmund
† 27.11.1853 in Keilhau

Wilhelm Middendorff (1793-1853) war ein deutscher Pädagoge und enger Freund Friedrich Fröbels, der sich um die Einführung des Kindergartens verdient machte. Während der Befreiungskriege stand er in den Reihen des Lützower Freikorps.
Wilhelm Middendorff (1793-1853)

Wilhelm Middendorff wurde am 20.09.1793 als fünftes Kind eines Brechtener Freibauern geboren. Der Vater wünschte sich, dass der Knabe ein theologische Laufbahn aufnehmen sollte, damit er vielleicht einmal als Seelsorger in seinem Heimatdorf wirken könne. So besuchte Middendorff ab 1803 zunächst das Gymnasium in Dortmund und begann im Jahre 1811 ein Theologiestudium.

Zunächst studierte er in Jena und wechselte dann nach Berlin, wo er bei Fichte, Reander und Schleiermacher Vorlesungen zu besuchen. Er schloss Freundschaft mit Friedrich Ludwig Jahn, dessen Turnunterricht in der Hasenheide er besuchte, sowie Justinus Kerner und Gustav Schwab. Durch einen Landsmann wurde Mittendorff auch den beim Kriegsrat Hoffmeister, der später Fröbels Schwiegervater werden. Middeldorff war während seiner Studienzeit ein beliebter Student, da ihm auch eine poetische Gabe gegeben ward und einen innigen Freundschaftsbegriff pflegte.

Im April 1813 - Preußen rief gegen Napoléon zu den Waffen - beendete der Student sein Studium und schloss sich zusammenmit seinen Freunden dem Lützower Freikorps an. Im Lützower Freikorps knüpfte Middendorff eine lebenslange Freundschaft mit den um 11 Jahre älteren Friedrich Fröbel. Fröbel, der wegen seiner außergewöhnlichen Gedanken ein besonderes Ansehen unter den Kriegsfreiwilligen der Schwarzen Schar genoss, diskutierte immer wieder mit Middendorff über die Frage nach der Einheit der Natur und der ganzheitlichen Menschenerziehung. So vermittelte Fröbels ihm seine Vorstellung einer zukünftigen deutschen Erziehungsanstalt. Auch mit Heinrich Langethal schloss er Freundschaft. Nachdem im Frühjahr 1814 der Krieg gegen Napoléon Bonaparte mit der Abdankung des Kaisers endete, verließ er auch das Lützower Freikorps. Ihm wurde angeboten, innerhalb eines Jahres in die Armee als Offizier in die Armee zurückzukehren. Der junge Kriegsveteran verlebte den Sommer bei seinen Eltern in Brechten.

Doch dann zog es ihm wieder nach Berlin, wo er sein Theologiestudium fortsetze und als Hauslehrer erste praktische Erfahrungen sammelte. Hier traf er auch wieder mit Fröbe zusammen, der an der Friedrich Wilhelms Universität Berlin als Assistent im Mineralogischen Institut arbeitete. Als Fröbels im Oktober 1816 seine sichere Anstellung an der Universität aufgab und in Keilhau seine »Allgemeine Deutsche Erziehungsanstalt« gründete, folgte Middendorff als erster Lehrer und engster Vertrauter des Gründers im folgenden Jahre nach. Hierzu brach der angehende Lehrer sein Theologiestudium auf.

Ein späterer Schüler beurteilte den Pädagogen mit folgenden Worten:

»Er besaß, was Fröbel fehlte und war statt des schneidenden Verstandes mit Poesie begabt.«

So konnte Middendorff dort ausgleichend wirken, wo Fröbel durch Härte und Rücksichtslosigkeit bei den Kindern Schaden angerichtet hatte. Er war eine gute Ergänzung zum Charakter Fröbels und erlangte so für die Gesamtbedeutung dieses Erziehungswerks eine entscheidende Bedeutung. Im Jahre 1826 heiratete Middendorff Albertine Fröbel (1801-1880), die Nichte Fröbels, sodass die Bindung beider Männer noch enger wurde. Aus der Ehe gingen 7 Kinder hervor, von denen vier das Erwachsenenalter errichten.

Als im Jahre 1831 Fröbel Keilhau verließ übernahm Middendorff zusammen mit Heinrich Langethal und Johannes Arnold Barop die Leitung der pädagogischen Einrichtung. Im Jahre 1835 ging Middendorff zusammen mit seiner Schwägerin Elise Fröbel nach Willisau in die Schweiz um den Freund Fröbel bei seiner dortigen Erziehungsarbeit zu unterstützen. Im Jahre 1839 kehrten beide nach Keilhau zurück. Im Laufe der Zeit erkannte Friedrich Fröbel die Bedeutung des frühkindlichen Bindung und gründete so im Jahre 1840 die erste Einrichtung zur vorschulischen Erziehung und gab ihr den Namen »Kindergarten«. Dieser Begriff wurde mit der Ausbreitung der Fröbelschen Lehre auch in viele Kultursprachen übernommen. Die Idee fand großen Anklang.

Im Jahre 1848 veröffentlichte Wihelm Middendorff eine Schrift über die Bedeutung der Kindergärten. In diesem Werk machte er die Verbindung zwischen frühkindlicher Erziehung im Kindergarten als bedeutenden Schritt für den gesamterzieherischen Prozess deutlich. So wurde bei der Frankfurter Nationalversammlung im Jahre 1848 beantragt, die Kindergärten als erste Stufe im Bildungsprozess einzurichten. Im Jahre 1851 verbot Preußen die Kindergärten und begründete dies mit »destructiver Tendenzen auf dem Gebiet der Religion und Politik«. So sei das von Fröbel und Middendorff vertretende humanistische Christentum atheistisch. Erst im Jahre 1860 - Fröbel und Middendorff waren bereits verstorben - nahm der preußische Staat sein Verbot zurück.

Middendorff jedoch führte das Werk Fröbels weiter und fand hierbei auch die Unterstützung von Luise Fröbel, der zweiten Frau seines Freundes Friedrich Fröbel, und ergänzte es um den Aspekt der Familie, den er besonders betonte. Er leitete auch Ausbildungskurse für angehende Kindergärtnerinnen und unternahm Vortragsreisen.

Wilhelm Middendorff starb am 27.11.1853 in Keilhau.

Werke:

  • Die Feier des Christfestes in Keilhau, 1824
  • Die Kindergärten - Bedürfnis der Zeit . Grundlage einigender Volkserziehung, 1848

Letzte Änderung der Seite: 30. 07. 2017 - 17:07