EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Ferdinand Kobell

* 07.06.1740 in Mannheim
† 01.02.1799 in München

Ferdinand Kobell (1751-1799) war ein deutscher Kupferstecher, Radierer und Maler. Er wurde durch den Kurfürsten Carl Theodor gefördert und konnte so 18 Monate in Paris verbringen.
Ferdinand Kobell (1751-1799)

Ferdinand Kobell wurde am 07.06.1740 in Mannheim geboren. Sein Vater Balthasar war in der kurfürstlichen Finanzverwaltung als Collector, d.h. verantwortlich für die Einnahme der Steuern, tätig. Sein Großvater Johann Heinrich Kobell siedelte sich im Jahre 1720 in Mannheim an.

Er studierte nach erfolgreicher Reife in Mannheim zunächst an der nahegelegenen Universität Carolinga-Ruperta zu Heidelberg. Auf Wunsch seines Vaters studierte der junge Kobell Jura. Jedoch studierte er sehr widerwillig und konnte auch in späterem Alter dem Jura-Studium keine Freude abgewinnen, er genoss vielmehr die Schönheiten der Landschaft.

Kobell widmete sich der Landschaftsmalerei bei seinen Wanderungen durch das schöne Neckartal, die Höhenzüge der Hardt oder die Bergstraße. Am Ende seines Studiums war er mehr im Umgang mit dem Pinsel geschult, als in den juristischen Wissenschaften. Er bestand das Examen 1760 jedoch mit befriedigendem Ergebnis und wurde zum Sekretär an der kurfürstlichen Hofkammer bestellt. Seine freie Zeit nutzte er jedoch um sein Zeichentalent zu verbessern.

Kurfürst Karl Theodor bekam im Jahre 1762 einige Werke von Kobell zu Gesicht und entschied sich das junge Talent zu fördern. So erlaubte der Kurfürst den Austritt aus dem Staatsdienst und wies Kobell sogleich ein Kunststipendium an der Mannheimer Akademie an. Auf eine spezielle Ausbildung in seinem Spezialfach Landschaftsmalerei musste er jedoch verzichten, da der Lehrstuhl seit dem Ableben Brinkmanns (1709-1761) im Jahre 1761 nicht mehr besetzt war. Hier bediente er sich der Natur und auch den alten Meistern als Vorlage. Er wurde in Gemäldemalerei durch den Bildhauer und Architekten Peter Anton von Verschaffelt (1710-1793) ausgebildet.

Im Jahre 1768 begleitete Kobell den Grafen Karl Heinrich Joseph von Sickingen, der als außerordentlicher kurbadischer Gesandter wirkte, an den Hof von Versailles. Kobell blieb mit Genehmigung des Kurfürsten Karl Theodor 18 Monate in Paris und studierte in den alten Künstlerwerkstätten und Staatssammlungen. Nach Abschluss seiner Pariser Zeit, in der er durch den Grafen von Sickingen eingeführt wurde, endete seine künstlerische Ausbildung.

Nach der Rückkehr aus Paris wurde er 1769 durch den Kurfürsten zum Kabinettsmaler ernannt. Kurze Zeit später erfolgte auch seine Ernennung zum Direktor und Professor an der Kunstakademie zu Mannheim. Kurz vor seinem Tode wurde er im Jahre 1798 noch zum Direktor der Mannheimer Akademie ernannt.

Seine Gemälde lehnten sich stilistisch an den Arbeiten Berchems (1620-1683) an. So zeichneten sie sich durch effektvolle Behandlung und eine Leichtigkeit in der Darstellung aus. Aus Kobells umfangreichen, aus etwa 300 Radierungen bestehenden, Nachlass veröffentlichte der Münchener Verleger Frauenholz eine Sammlung unter dem Titel »Oeuvre complet de F.K.«, 178 Blätter erschienen auch bei dem Stuttgarter Verleger Kugler im Jahre 1842. Im Jahre 1822 verfasste der Kunstsammler und persönliche Freund Stephan von Stengel (1750-1822).

Sein »Aschaffenburg-Zyklus« bestand ursprünglich aus 15 Landschaftsgemälden und Stadtansichten in Öl gemalt. Diese Bilder hat er aus unterschiedlichen Stockwerken und Fenstern des Schlosses Johannisburg gemalt. So entstand quasi ein 300-Grad-Panorama der Fluss- und Spessartlandschaft in Aschaffenburg. Heute werden im Rahmen der Dauerausstellung der Staatlichen Gemäldesammlung Aschaffenburg 6 Werke in der Dauerausstellung gezeigt.

Die Zeitgenossen bescheinigten ihm seine Stoffe mit künstlerischem Verständnis und treuer Wiedergabe der Natur auszuführen. Insbesondere beurteilte man die Darstellung seiner Bäume und auch die Komposition von Licht und Schatten als bewundernswert. So wirkten die Bilder trotz ihrer Einfachheit auf den Betrachter effektvoll.

Er führte ein stilles und behagliches Künstlerleben im Kreise seiner Familie. Er empfing in seinem Hause einen kleinen Kreis von Freunden. Sophie La Roche, die Jugendfreundin Wielands, beschrieb in einem ihrer Briefe ihren Aufenthalt bei Kobell in Mannheim:

[...] in dem es jedem gutgesinnten Menschenkinde so wohl ist! [...] Die Natur selbst musste Kobell zu ihrem Maler bestimmen. Er zeigt sich wie eine offene fruchtbare Landschaft voll schöner Anhöhen und Felder, der jedem Schritte, den man vorwärts geht, vermehren sich Anmut und Reichtum. Ebenso ist´s mit Kobells Unterredung; je weiter sie geht, je mehr Kenntnisse seines Geistes, je mehr Güte seines Herzens wird sichtbar.

Kobell war jedoch auch ein Beobachter der politischen und militärischen Ereignisse seiner Zeit. So bedauerte er die Ohnmacht, die mit dem drohenden Zerfall des Reiches, einherging. So schrieb er in einem Briefe vom Januar 1793 folgende Zeilen nieder:

Mein gutes, deutsches Vaterland was bist du geworden, und was werden die Menschen wol aus dir machen? Welch’ grausames Spiel treibt man mit Dir? Es ist meiner Vernunft nicht möglich zu glauben, daß Alles jenseits des Rheins französisch werde und bleibe.

Im Jahre 1793 siedelte er, durch die drohenden Kriegsereignisse bewogen, nach München über. Doch schnell vermisste er seine pfälzische Heimat und den pfälzischen Wein. So schrieb er kurz nach seiner Ankunft folgende Zeilen nieder:

Bacchus kennt diese Gegend [Altbayern] nicht; seit der Schöpfung ward hier kein Thyrsusstab geschwungen, kein Bacchanal gefeiert; nie röthet da die Octobersonne eine Rubintraube und von den Hügeln strömt nie der göttliche Stoff, der süße Wein in den goldenen Becher.

Doch schnell arrangierte sich Kobellmit den neuen Gegebenheiten.

Aus Ferdinand Kobells Ehe mit Anna Lederer stammten insgesamt sieben Kinder, darunter vier Söhne. Der älteste Sohn Innocenz (1765-1838) strebte eine juristische Laufbahn ein und war zuletzt Oberappellationsgerichtsrat in München. Der Sohn Wilhelm (1766-1853) trat als Maler in die Fußstapfen des Vaters. Sein dritter Aegid (1772-1847) war zuletzt Generalsekretär des bayerischen Staatsrats und Mitglied der griechischen Regentschaft während der jüngste Sohn Franz (1779-1850) eine Laufbahn als Beamter einschlug und zuletzt als Geheimer Rat die Stelle eines Referenten und Generalsekretärs im Staatsministerium des Innern wahrnahm.

Dort verstarb Ferdinand von Kobell am 01.02.1799 als hoch geachteter Landschaftsmaler.

Werke:

  • Blick vom Aschaffenburger Schloss auf Marstall und Mainbrücke
  • Mainbrücke bei Aschaffenburg
  • Blick von Aschaffenburg auf Schloss Schönbusch
  • Blick vom Aschaffenburger Schloss mainabwärts
  • Blick vom Schloss in Aschaffenburg auf die Stadt gegen Norden
  • Blick von Aschaffenburg nach Goldbach)
  • Oberer See im "Schönen Busch" bei Aschaffenburg
  • Das Schloss in Aschaffenburg
  • Blick auf Aschaffenburg von Osten

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