EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Paul Henri Thiry d'Holbach

* 08.12.1723 in Edesheim/Landau
† 21.01.1789 in Paris

Paul Henry Thiry d'Holbach (1723-1789) war ein französischer Philosoph und Enzyklopedist. Durch sein Werk »System der Natur« das er 1770 veröffentlichte trat er ausdrücklich für den Atheismus und eine materialistisch-deterministisch wirkende Kette v
Paul Henry Thiry d'Holbach (1723-1789)

Am 08.12.1723 erblickte der spätere Baron d´Holbach als Sohn des Winzers Johann Jakob Dirre und seiner Gattin Katharina Jacobina Holbach das Licht der Welt. Der junge wurde unter Aufsicht seines vermögenden Onkels Franz Adam von Holbach zunächst in Edesheim und ab 1731 in Paris erzogen.

Von 1744 - 1748 studierte Holbach in Leiden Jura und Naturwissenschaften. Nach dem Studium erwarb er die französische Staatsbürgerschaft und ließ sich in Paris nieder, wo er beim Tod des Onkels, der ihn inzwischen adoptiert hatte, im Jahre 1753 dessen Vermögen und Besitz erbte.

Durch das ererbte Vermögen konnte der junge d´Holbach das Leben eines Privatgelehrten führen, insbesondere gründete er in seinem Haus einen Salon ein. Dieser war Anlaufpunkt für die geistige Elite - nicht nur Frankreichs - insbesondere die Enzyklopädisten seiner Zeit. Zugleich war d'Holbachs Salon auch ein Zentrum der radikalen Kräfte innerhalb der französischen Aufklärung.

Zu seinen Freunden und Bekannten gehörten zum Beispiel Claude Adrien Helvéticus, (1715-1771), Le Rond d'Alembert, Rousseau und insbesondere mit Denis Diderot. Die intensive Freundschaft mit Diderot führte den jungen Baron d'Holbach an die Philosophie heran. Ihm verband aber auch eine Freundschaft mit den englischen Philosophen David Hume (1711-1776) oder Benjamin Franklin (1706-1790) im ständigen Gedankenaustausch.

d'Holbach war ein international agierender Gelehrter, so gehörte er seit 1754 der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin an, später folgten Mannheim (1766) und St. Petersburg (1780).

Von 1751 an begann er an der berühmten »Encyclopédie« von Denis Diderot mitzuarbeiten. Für die zwischen 1751 und 1780 in 35 Bänden erschienene Enzyklopädie »Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers« verfasste er mindesten 400 Artikel. Inzwischen gehen Schätzungen sogar von 1.100 Beiträgen aus. Die meisten seiner Beiträge beschäftigten sich mit naturwissenschaftlichen Themen aus den Bereichen Geologie, Mineralogie, Metallurgie und Ethnologie. Neben der schriftstellerischen Mitarbeit unterstützte er Diderots Projekt auch finanziell. Des weiteren übersetzte er zahlreiche deutsche und englische Arbeiten aus dem naturwissenschaftlichen und geistlichen Bereich ins Französische.

Zahlreiche moralphilolsophische, religionskritische und politische Texte, die in Opposition zum Staate standen, veröfffentlichte d'Holbach anonym oder unter Pseudonym. Diese Veröffentlichungen weisen ihn als motivierten Materialisten und Atheisten und Gegner des herrschenden Ancien Régime aus.

Insbesondere erlangte Baron d'Holbach durch sein naturalistisches Werk »Systeme de la nature, ou des lois du monde physique et du monde moral«, das zum Hauptwerk des französischen Materialismus des 18. Jahrhunderts aufstieg, seine Bedeutung. Es basierte auf den Werken von Hevéticus sittlichem Prinzip, Julien Offray de La Mettrie (1709 - 1751) Materialismuslehre und Condillacs Sehnssualismus. Und stellte eine umfassende atheistisch-materialistische Aufklärungsphilosophie dar, die die Irrtümer der Metaphysik aufdecken und Grundlage einer natürlich-vernünftigen Moral sein wollte:

Das Universum bietet uns ausschließlich Materialismus und Bewegung.

Die Wirklichkeit besteht ausschließlich aus der Natur, die als selbst geschaffene ewige Materie unter dem mechanischen Gesetze der Notwendigkeit stehende Bewegung bildet. Entsprechend sei auch der Mensch ein rein physisches Wesen, das den materialistisch-mechanischen Gesetzmäßigkeiten vollkommen unterworfen ist; geistig und seelische Vorgänge seien ebenfalls nur Sinnesempfindungen, die als Bewegungsform der Materie verstanden werden muss. Demnach gibt es weder eine Willensfreiheit noch eine persönliche Unsterblichkeit. Der Tod markiere nur den Übergang von einer Materiestufe in eine andere.

Die physikalischen Gesetzmäßigkeiten übertrug d´Holbach auch auf die Moral - was in der Physik Trägheit, Attraktion, Repulsion heißt, meint in der Moral Selbstliebe, Liebe, Hass - und kreierte eine Ethik der sozialen Nützlichkeit. Deren Grundtatsache sei das Bedürfnis der Selbsterhaltung, die mit dem zu fördernden Wohl des Mitmenschen und des Staates in harmonischem Einklang stehen müsse.

Demnach sei es auch die Aufgabe der von der Volkssouveränität abhängigen Regierung, Politik als angewandte Moral zu betreiben. Diese bedürfe keineswegs der Religion, deren »wunderliche, illusionäre« Vorstellungen von Gott und Unsterblichkeit - nach d'Holbach »Fiktionen des Gehirns« - den Menschen von der Natur und der »natürlichen Moral« entferne und damit das Leid verursache. Dafür verantwortlich seien die machtgierigen Geistlichen, die die Menschen verängstigten. Somit gelte es, deren »abergläubisches Gerede« durch den »aufgeklärten Atheismus« zu ersetzen, der Grundlage für die neu zu schaffende, bessere Welt, in der der Gebrauch der Vernunft die höchste Tugend darstelle.

Wie manch andere seiner Schriften löste das »Système de la nature« schon kurz nach Erscheinen einen Sturm der Entrüstung aus. Selbst aufgeklärte Geister wie Voltaire lehnten es ab, und Goethe bezeichnete es als »cimmerisch« und »totenhaft«.

Während der Französischen Revolution noch wenig genannt, erlangte er erst im 19. Jahrhundert bleibende Bedeutung, indem er unter anderen durch seine Religionskritik auf Ludwig Feuerbach, Auguste Comte, Sigmund Freud und - gleichsam als ein Vorläufer des Marxismus - auf Karl Marx einwirkte. Auch im 20. Jahrhundert waren seine Bücher gefragt und erlebten, insbesondere in den sozialistischen Staaten Europas, zahlreiche Übersetzungen und Neuauflagen.

Werke:

  • Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Mitarbeit an dem Werk von Denis Diderot, 1751-1780
  • Arrêt rendu à l’amphithéâtre de l’opéra, 1752
  • Lettre à une dame d’un certain âge sur l’état présent de l’opéra, 1752
  • Le christianisme dévoilé, ou Examen des principes et des effets de la religion chrétienne, 1766
  • La Contagion sacrée, ou Histoire naturelle de la superstition, 1768
  • Lettres à Eugénie, ou Préservatif contre les préjugés, 1768
  • Théologie Portative, ou Dictionnaire abrégé de la religion chrétienne, 1768
  • Essai sur les préjugés, ou De l’influence des opinions sur les mœurs & le bonheur des hommes, 1770
  • Système de la nature, ou des lois du monde physique et du monde moral, 1770
  • Histoire critique de Jésus-Christ, ou Analyse raisonnée des évangiles, 1770
  • Tableau des Saints, ou Examen de l’esprit, de la conduite, des maximes & du mérite des personnages que le christiannisme révère & propose pour modèles, 1770
  • Le Bon Sens, 1772
  • Politique Naturelle, ou Discours sur les vrais principes du Gouvernement, 1773
  • Systeme Social, 1773
  • Ethocratie, ou Le gouvernement fondé sur la morale, 1776
  • La Morale Universelle, ou Les devoirs de l’homme fondés sur la Nature, 1776
  • Eléments de la morale universelle, ou Catéchisme de la Nature, 1790

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