EPOCHE NAPOLEON


von der Bastille bis Waterloo

Marcus Antonius Berdolet

* 13.09.1740 in Rougemont/Elsass
† 13.08.1809 in Aachen

Marcus Antonius Berdolet (1740-1809) war einer der ersten aus dem Elsass stammenden Priester, die sich auf die Französische Verfassung vereidigen ließen. Er wurde nach der Terrorherrschaft zunächst Bischof von Colmar und unter Napoléon erster Bischof
Marcus Antonius Berdolet (1740-1809)

Geboren wurde der spätere Bischof von Aachen als Sohn des Lehrers George Berdolet und seiner Frau Marie Jeanne, einer geborenen Gatois, am 13.09.1740 in der kleinen elsässischen Stadt Rougemont. Nachdem Berdolet seine geistigen Studien in Porrentruy bei Bern abgeschlossen hatte, erhielt er die Priesterweihe. Seine erste Stellung als Geistlicher trat er als Vikar in Belfort an. Seine nächste Station war die Pfarrstelle im oberelsässischen Pfaffans, wo er viele Jahre lang tätig war. Er bekleidete später auch noch die Stelle eines Dechanten des Oberelsasses.

Nach Ausbruch der Französischen Revolution im Jahre 1789 war Berdolet einer der ersten Geistlichen, die sich auf die neue Verfassung vereidigen ließen. Damit unterwarf er sich als Geistlicher den Staatsgesetzen und auch der Zivilkonstitution des Klerus aus dem Jahre 1791. Aber dieses verhinderte nicht, das er während der Schreckensherrschaft Robespierres inhaftiert wurde. Zusammen mit etwa 500 anderen elsässischen Priestern wurde er in die Zitadelle von Besancon gebracht um durch die Guillotine gerichtet zu werden. Durch den Sturz Robespierres erhielten die Gefangenen jedoch ihre Freiheit zurück und Berdolet kehrte zunächst nach Pfaffans zurück. In dieser Zeit lernte Berdolet Josephine de Beauharnais, die spätere Frau Napoleons kennen.

Die Lage der vereidigten französischen Kirche war in dieser Zeit jedoch sehr heikel. So mieden viele Gläubige die vereidigten Priester und wanderten zur Erlangung ihrer Sakramente in die rechtsrheinischen Gebiete aus. So versuchte man unter Führung des Bischofs des Loire- und Cher-Departements Henri Grégoire eine Reorganisation der Diözesen einzubringen. So in jedem Bistum ein aus 12 Personen bestehendes Presbyterium eingerichtet werden, das dem Bischof bei der Verwaltung seiner Diözese unterstützen bzw. in dessen Abwesenheit es selbst leiten sollte. So kam man am 22.09.1795 in Soulz (Oberelsass) zusammen um den am 11.07.1794 verstorbenen ersten konstitunellen Bischofs Arbogast Martin des Oberrhein-Departements neu zu wählen. Pfarrer Berdolet wurde in das aus 12 Mitgliedern und 12 Ersatzmitgliedern bestehende Presbyterium gewählt.

Da auch das Oberrhein-Bistum auf einem Nationalkonzil der französischen Kirche durch einen Bischof vertreten werden sollte, wurde dieser von allen männlichen Christen ab dem 21. Lebensjahr gewählt. Der erste Wahlgang blieb jedoch erfolglos, da keiner der Kandidaten die erforderliche 2/3 Mehrheit aller abgegebenen Stimmen erhielt. Von den 9.022 abgegebenen Stimmen entfielen auf Berdolet 4076 und auf Pfarrer Graff aus Colmar 3232 Stimmen auf sich vereinigte. Im 2. Wahlgang entfielen von den 12.862 Stimmen immerhin 6.997 auf ihn. Damit war Berdolet gewählt, im zweiten Wahlgang zählte die einfache Mehrheit der Stimmen. So wurde er am 15.08.1796 in der Dominikanerkirche zu Colmar durch den Bischof Maudru (Vogesendepartement) geweiht. Berdolet nahm zunächst seinen Sitz weiterhin in Pfaffans und verlegte im Ende 1798 nach Sulz. Colmar kam aus unbekannten Gründen für ihn als Bischofssitz nicht in Frage.

Berdolet nahm an beiden Nationalkonzilen der französischen Kirchen teil. So beschloss das erste Nationalkonzil in 60 Sitzungen zahlreiche Reformen der französischen Kirche. Auch an dem im Jahre 1801 stattfindende 2. Nationalkonzil nahm Berdolet teil. Zwischenzeitlich führte er auch 2 Diözesansynoden in Sulz durch, deren Erfolg jedoch nur minimal war. Zum einen Teil lag es sicherlich daran, das seine Priester sich wehrten, die Reformen umzusetzen zum anderen aber auch an der Ohnmacht der Konstitutionellen Kirche.

Im Rahmen des Konkordates zwischen Frankreich und dem Heiligen Stuhl von 1801 sollten alle Bischöfe auf ihre bisherigen Bischofssitze verzichten. Am 18.10.1801 hatte auch Berdolet auf sein Bistum verzichtet. Bei der Neubesetzung der Bischofssitze stand Berdolet nicht auf der Liste der Bischöfe.

In Pariser Regierungskreisen, deren Zugang er wohl durch seine Bekanntschaft mit der Frau des 1. Konsuls Napoléon ermöglicht wurde, wurde Berdolet nicht vergessen. So fiel sein Name bei der Besetzung des neu geschaffenen Bistums Aachen. Man hoffte durch seine Herzensgüte Klerus und Volk zu gewinnen. Auch an seiner Staatstreue zweifelte man nicht. So erhielt Berdolet am 09.05.1802 aus den Händen Napoleons seine Ernennung zum Aachener Bischof. Am 30. Mai erhielt er unter Maßgabe, innerhalb der kommenden 6 Monate selbst beim Heiligen Stuhl um Bestätigung nachzufragen, die Ernennung durch den Kardinallegaten Caprara. Nachdem er seine Angelegenheiten in Sulz geordnet hatte, reiste er am 09.07.1802 über Straßburg nach Aachen. Da das neue Bistum auch eine neue Organisation benötigte, nutzte der frisch ernannte Bischof von Aachen seine Reise um seinen neuen Wirkungskreis kennen zu lernen und auch mehr über die Bedürfnisse seiner neuen Gemeinden zu erfahren.

So besuchte Bischof Berdolet zum Beispiel am 17.07.1802 alle Bonner Kirchen auch am folgenden Tag besuchte er in Köln alle großen Kirchen um zu entscheiden, welche Pfarrkirchen und welche zu Filialkirchen bestimmt werden sollten. Am Abend des 23.07.1802 traf er an seinem neuen Amtssitz in Aachen ein und wurde zwei Tage später inthronisiert. Die Aachener Bevölkerung freute sich über die Ankunft ihres neuen Oberhirten. Die päpstliche Ernennung und die den offiziellen päpstlichen Auftrag zur Errichtung des Aachener Bistums erhielt er erst am 28.03.1805, nach einer Audienz beim Papst Zwar rügte der Papst das er nicht um die Bestätigung seiner Bischofswürde nachsuchte, aber gleichzeitig wurde er von allen Zensuren, die dies mit sich bringen könnte, befreit.

Eine seiner ersten Aufgaben war die Neuordnung des Bistums. Zunächst musste eine Neuumschreibung der Pfarreien geschehen, da viele Pfarreien zu groß geworden sind oder viele Kirchengebäude nicht ein Mindestmaß an bescheidenste Ansprüche erbrachten. Auf der anderen Seite konnte er jedoch über die Kirchengebäude der aufgelösten Klöster oder anderer geistlicher Einrichtungen verfügen. Bei den Pfarrern gab es einen Notstand, den er jedoch aus den Reihen ehemaliger Kloster- und Stiftsgeistlicher ersetzen konnte. Zur Verwaltung seines Bistums wollte er auch zügig ein Domkapitel schaffen um sich Mitarbeiter für die Verwaltung des Bistums wählen zu können. Aber auch die Sorge um den priesterlichen Nachwuchs beschäftigte und die Neuordnung der Liturgie musste sich der neue Bischof kümmern. Neben der Verwaltungsorganisation des Bistums musste sich Berdolet auch das Vertrauen seiner Gemeinden erwerben. Zwar war im Rheinland der katholische Glauben immer noch tief verwurzelt und auch die Anfeindungen der ehemaligen französischen Republikaner war weitgehend verschwunden, doch wehrte man sich im Rheinland gegen die Fremdherrschaft der Franzosen. Gerade die Priesterschaft wiegelte im Krisenjahr 1799 das Volk gegen die französischen Besatzer auf und auch in Berdolet sah man ein Werkzeug der Besatzer.

Bereits im November, nachdem er vorher noch die Hauptorte im Norden seines Bistums kennen gelernt hatte, ging er an den Aufbau seiner Bistumsverwaltung und ernannte das Domkapitel, das am 22.06.1803 feierlich inthronisiert wurde. Wenige Wochen danach vereidigte er in Köln die Stadtpfarrer. Am 25.11.1802 ernannte er den ehemaligen Kranenburger Kanoniker Martin Wilhelm Fonck zum Generalvikar des Bistums. Im Rahmen seiner zahlreichen Reisen nahm er auch im Jahre 1804 an der Kaiserkrönung Napoleons in Paris teil. Das Kaiserpaar besuchte ihm während seines Besuches in Aachen. Berdolet ließ auch das Grabmal Karls des Großen neu gestalten. Die Inschrift übertrug er den Rektor der Kölner Universität und persönlichen Freund Professor Ferdinand Franz Wallraf.

Berdolet selbst reiste in seiner Amtszeit viel durch sein sehr großes Bistum, das die Gebiete der Departements Roer und Mosel umfasste. Er nutzte diese Reisen um sein Verhältnis mit dem Klerus und auch dem Volk zu verbessern. Oft nutzte er die Gelegenheit und hörte Bittsteller unabhängig ihres Standes oder ihrer Herkunft persönlich an. So schrieb der zeitgenössische Reisende J. A. Stockhausen in seinem Buch »Meine Noten oder der Selbstmörder« im Jahre 1805 über den Bischof von Aachen:

Der Herr Bischof dieser patriotischmenschenfreundlichheilige Mann, teilte allethalben , wo man darum bat, den Segen Gottes aus: und manch reicher Pächter und armer Pfarrer können nicht genug rühmen: mit welcher Herablassung und Herzensgüte der Herr Bischof ihre Danksagungen dafür annahm.

Berdolet selbst fand in Aachen wenige Freunde, eher verband ihn schon seit seinem ersten Besuch eine tiefe Freundschaft mit Professor Wallraf. Beide waren Freunde der Antike und wollten die Zeit Karls des Großen wieder auferstehen lassen.

Als er die Aachener Diözese übernahm war Marc-Antoine Berdolet gesundheitlich schon sehr angeschlagen, das sicherlich aus seiner Zeit in Gefangenschaft her ruhte. So musste er bereits im Sommer des Jahres 1803 einen längeren Erholungsurlaub antreten, auch war er im März des Jahres 1804 oft unpässlich. Erholte sich jedoch sehr schnell wieder. Im Winter 1805/06 litt er an einem schweren Nervenleiden und musste sich zeitweise ganz von seinen Geschäften zurückziehen. Im Jahre 1808 machte er seine letzte große Reise nach Koblenz und erlitt auf der Rückreise im Kölner Seminar einen Blutsturz. Doch durch liebevolle Pflege im Seminar konnte er noch einmal von der schweren Krankheit gesunden. Jedoch wurde er in den nächsten Monaten immer wieder leidend. So entschuldigte er sich in einem Brief an den Kultusminister vom 16.06.1809 mit seiner leidenden Gesundheit, das er nicht sofort antwortete.

Am 08.08.1809 wurde der Bischof von heftiger Atemnot und Erstickungsanfällen ergriffen. Ein Aderlass brachte ihm Erleichterung. Am Morgen des 13.08.1809 beichtete er und nahm in seiner Kapelle an der heiligen Messe teil. Nach dem Mittagessen wurde er jedoch von einer tödlichen Ohnmacht befallen. Die Doktoren Reumont und Schmitz wurden gerufen und auch der Leibarzt von Madame Mère (Napoleons Mutter), die gerade in Aachen weilte, wurde herbeigerufen. Doch alle Bemühungen waren vergeblich und um 7 Uhr Abends endete sein Leben.

Sein Tod verursachte in der gesamten Diözese Trauer und Betrübnis, wie es seinem Wirken angemessen war. Sein Leichnam wurde im bischöflichen Ornat am Abend des 13.08. bis zum 15.08.1809 in seiner Kapelle aufgebahrt. Seinem Wunsche entsprechend wurde sein Herz einbalsamiert und im Chor der Kathedrale beigesetzt. Am 16. und 17.08.1809 wurde die Leiche des Bischofs zur Besichtigung der Bevölkerung auf dem Grabmal Karls des Großen aufgebahrt. Er wurde auf dem kurz vorher errichteten Friedhof am Adalbertssteinweg beigesetzt. Die Mittel für ein Grabmal wurden durch Spenden der Bevölkerung erbracht.

Marc-Antoine Berdolet selbst war sein Leben lang durch das Gedankengut der Aufklärung und des Gallikanismus beeinflusst. Aber er war auch ein treuer Anhänger Napoleons und für ihn war es ein besonderes Schicksal, das der Erste Konsul durch das Konkordat mit Pius VII. den Ausgleich zwischen Staat und Kirche wiederherstellte. Aus Dankbarkeit sah er es als seine Aufgabe die Verbindung zwischen seinen Gläubigen und den Kaiser zu festigen.

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